Bilanz 2021 – Ausblick 2022

Geopolitische Entwicklungen Summary

2021 war ein sehr bewegtes Jahr. Ein Jahr von Veränderungen, die sich auch 2022 fortsetzen werden. Es wird immer mehr erkennbar, wir befinden uns in einer Dekade grundsätzlicher Veränderungen. Für einen Rückblick auf 2021 und einen Ausblick in 2022 eine kurze Zusammenfassung in 4 Teilen. Grundlage für das fortlaufende Monitoring von TTC mit dem Schwerpunkt der geopolitischen Entwicklungen aus europäischer Sicht.


In Teil 1 erfolgt ein Rückblick auf 2021. In unserer Research Übersicht finden wir einige hundert Quellen, die u. a. Grundlage des Researchs sind.


In Teil 2 erfolgt eine Übersicht wichtiger Ereignisse, insbesondere unter dem Aspekt weitergehender Auswirkungen aus europäischer Sicht.


In Teil 3 ziehen wir eine kurze Zwischenbilanz. Wir beginnen mit einer kurzen Rückschau auf die Entwicklungen in der Kriegsordnung, da sich diese gerade grundlegend ändert.


In Teil 4 wollen wir miteinander überlegen, was die derzeitigen Entwicklungen bedeuten. Was bereits so eingespult ist, worauf wir uns einstellen sollten oder auch nicht einstellen sollten. Wir wagen dabei auch einen Blick in die Entwicklung dieser Dekade.


Die Überlegungen sollen zum Nachdenken und Weiterdenken anregen. Sichere Prognosen lassen sich nicht stellen. Aber mit einem wachen Blick können wir kommende Entwicklungen besser verstehen, um uns besser auf Veränderungen einzustellen. Das ist das Ziel von Leadership, unser Ziel als Think Tanks CornerStone.

1 Monitoring 2021

Unsere Zusammenstellung basiert auf Beobachtungen, der Erfassung von Quellen und dem
Austausch zu einzelnen Ereignissen und Entwicklungen.
In der Anlage befindet sich eine Gesamtübersicht der Quellen. Die Übersicht ist ein Auszug
aus unserer Research Datenbank im Format einer Excel Tabelle. Damit kann der
Interessierte Anwender noch selbst Auswertung und Selektionen vornehmen.

(1) Weltmächte im strategischen Wettbewerb
Der strategische Wettbewerb der Weltmächte hat auch 2021 zugenommen. Biden sieht die USA nicht nur in einem allgemeinen, sondern auch in einem systemischen Wettbewerb, insbesondere mit China, durch den die westlichen Grundwerte, insbesondere Freiheit und Demokratie bedroht werden. Die geopolitische Auseinandersetzung wird von dieser Einschätzung stark geprägt, auch im Umgang mit anderen Staaten. Hiervon betroffen ist auch das Verhältnis USA und Russland, z. B. wegen der angespannten Situation in der Ukraine. Russland lässt sich jedoch von den USA nicht disziplinieren. Gemeinsame Positionen von Russland und China verstärken die Herausforderung für die USA.

Im Dreieck der Auseinandersetzung zwischen den USA, China und Russland wird es für Europa immer ungemütlicher. Europa braucht aufgrund der wirtschaftlichen Verflechtungen und der geografischen Lage eine stabile, verlässliche Beziehung zu allen 3 Ländern. Diesen für uns zentralen Punkt werden wir in der Zwischenbilanz und im Ausblick vertiefen.

(2) Ungebremste Globalisierung
Die Globalisierung schreitet auch während der Pandemie weiter voran. Es gibt ein paar Dellen, auch spürbare Verzögerungen, um danach voll aufzudrehen. Wer gehofft hat, es kommt zum Nachdenken, zu einer besseren Risikovorsorge bei Lieferketten, muss lange suchen, um eine nachhaltige Reduzierung von Abhängigkeiten zu finden. Dies zeigt sich auch an den Börsen. Im Jahr 2021 kam es erneut zu unglaublichen Steigerungen und einem erneuten Allzeithoch.

(3) Jeden Tag etwas digitaler
Die Digitalisierung nimmt weiter stark zu. Dabei werden unterschiedliche Umsetzungsgeschwindigkeiten sichtbar. Während China in den grossen Zentren immer digitaler wird, auch in der Verwaltung, zeigen sich selbst bei deutschen Behörden immer noch markante Lücken in der notwendigen Datenerfassung und Logistik. Die Digitalisierung verändert nicht nur die Arbeitswelt, sie durchdringt unseren Alltag immer
mehr, gibt die Richtung für Kommunikation und die Leistungserbringung vor. Dabei müssen wir erneut feststellen, dass China immer mehr die Führungsrolle in der Umsetzung übernimmt. Der chinesische Markt ist für viele europäische Unternehmen nicht nur wegen seiner Grösse wichtig, das Konsumverhalten in China dient immer mehr zur Orientierung für die Entwicklung der Weltmärkte. Dies kannten wir bisher eher vom US-Markt. Im Dreieck der Auseinandersetzung zwischen den USA, China und Russland wird es für Europa immer ungemütlicher. Europa braucht aufgrund der wirtschaftlichen Verflechtungen und der geografischen Lage eine stabile, verlässliche Beziehung zu allen 3 Ländern. Diesen für uns zentralen Punkt werden wir in der Zwischenbilanz und im Ausblick vertiefen.

(4) Finanzsysteme wachsen erneut unrealistisch
Die Finanzsysteme sind weder von den geopolitischen Entwicklungen noch von den Lieferketten Problemen oder der Pandemie beeindruckt. Auch 2021 war ein Rekord Jahr für Börsen und Finanzmärkte.
Man könnte dies als erfreulich ansehen, wenn damit auch eine Wertentwicklung verbunden wäre. Die Finanzmärkte haben sich jedoch immer mehr von wertbezogenen Betrachtungen verabschiedet. Sie bauen auf eigene Einschätzungen, auf Erwartungen der weiteren Digitalisierung von Informationen und Leistungen und die weltweite staatliche Geldmarktpolitik. Wann müssen die ungedeckten Checks eingelöst werden? Es beschäftigt viele Experten. Für die Teilnehmer der Finanzmärkte gilt: Solange die Rally läuft, muss man dabei sein!

(5) Pandemie: immer wieder anders
Auch im zweiten Jahr der Pandemie sehen wir: Entwicklungen kommen immer wieder anders als erwartet, als sie prognostiziert wurden. Das zeigt sich auch bei Impfungen. Sie zeigen Wirkung, aber nicht so wie erwartet. Mutationen überholen uns. Unsere Lernfähigkeit im Umgang mit der Pandemie ist geringer als erwartet. Zwischen den Ländern kommt es immer wieder zu Schwankungen, die die Halbwertszeit von Prognosen immer wieder reduziert.

(6) Chinas Entwicklung und Einfluss
China profitiert von den weltweiten geopolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen, baut seine Positionen weiter aus. Es gelingt der kommunistischen Führung mit dem anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung Chinas, Zustimmung zu gewinnen, im Land und auch in immer mehr Ländern. Es stärkt Chinas Selbstbewusstsein. China hat sich im Jahr 2021 noch mehr von der Deutungshoheit des Westens befreit und vertritt mit der Sicht Chinas selbstbewusst auch andere Deutungen: Menschenrechte, Gesellschaft, Demokratie, Wirtschaft und nicht zuletzt auch zu geopolitischen Fragen. Die Auseinandersetzungen mit China haben eine neue Ebene erreicht! Im Ausblick werden wir diesen Punkt vertiefen.

2 Übersichten Geopolitik

2.1 Geopolitische Geopolitik

In unserer Analyse konzentrieren wir uns auf die USA, China, Europa, und Russland in den Kernbereichen Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Religion.

Was bedeutet die unterschiedliche Positionierung für die Zusammenarbeit in unserer globalen Welt?

Wirtschaft
In den Wirtschaftsbereichen ist man sich sehr nahe, voneinander abhängig. Alle Länder haben trotz unterschiedlicher politischer Systeme eine kapitalgetriebene Wirtschaft mit vielen Verflechtungen und Arbeitsteilungen. In den Kapitalmärkten besteht eine direkte Abhängigkeit voneinander. Beispiel: Die Börsen- und Wechselkurse reagieren zeitgleich aufeinander. Gut funktionierende Lieferketten ermöglichen das jeweils angestrebte und auch notwendige Wirtschaftswachstum und dienen der Stärkung der eigenen Politik.

Politik
In der Politik ist die Spannbreite von liberal bis gelenkt sehr weit. Dies ist in der geopolitischen Auseinandersetzung mit unvereinbaren Grundsätzen die grösste Herausforderung. Die Nebenwirkungen auf die anderen Bereiche sind schwer einzuschätzen.

Gesellschaft
Ähnlich ist die Situation bei den gesellschaftlichen Entwicklungen. In den USA und Europa sind gesellschaftlich Spannungen weiter gewachsen.
Unterschiedliche Vorstellungen und Bestrebungen machen den notwendigen Konsens in gesellschaftlichen Fragen für immer schwieriger. Im Westen müssen wir uns auch erst an den Verlust der Deutungshoheit gegenüber anderen Kulturen gewöhnen und das Umgehen mit anderen starken Systemen lernen.
Religionen
Die Spannbreite Religionen ist nicht nur gross, der Einfluss von Religionen in Verbindung mit Nationalismus nimmt in der digitalglobalen Welt zu. Insbesondere in den Ländern mit starkem Islam, des Hinduismus und Buddhismus nimmt sie zu oder Religion wird bekämpft, wie in China. Besonders problematisch ist, die zunehmende Ausgrenzung und Verfolgung von Minderheiten, insbesondere von Christen weltweit.

2.2 Interessen und Spannungen

Nachfolgend einige Skizzen über die Beziehungen der Weltmächte, die unterschiedlichen Interessen und in Rot die sich daraus ergebenen Spannungsfelder.

3 Zwischenbilanz

3.1 Die Zeit des Auf- und Umbaus

Um geopolitische Entwicklungen in unserer Dekade besser verstehen und einordnen zu können, ist ein kurzer Blick auf die Nachkriegsordnung mit den Entwicklungen in den letzten 7 Dekaden wichtig.


(1) Nachkriegsordnung der Siegermächte
Auf der Konferenz von Jalta 1945 einigen sich die USA, Russland und Großbritannien als die führenden Siegermächte des 2. Weltkriegs auf Einflussbereiche in dieser Welt. Folgen: Neue Grenzziehungen in Europa mit der Teilung Deutschlands in Ost- und Westdeutschland. Bildung eines Westblocks und eines Ostblocks mit den militärischen Bündnissen Nato (West) unter Führung der USA und des Warschauer Paktes (Ost) unter Führung der Sowjetunion.
In vielen Teilen Asiens und Afrikas wurden die Grenzen durch die Siegermächte neu gezogen und durch die UNO bestätigt. Aus Sicht der Betroffenen mit Willkür und Macht. Es ist bis heute eine wesentliche Ursache für Spannungen in Asien und Afrika und der unterschiedlichen Sicht der „Geordneten und der Ordnenden“. Hierin ist z. B. auch die andere Sicht Chinas auf Grenzziehungen in Asien begründet.


(2) NATO und Warschauer Pakt
Von 1955 werden die Einflussbereiche im Westen durch die NATO und im Osten durch den Warschauer Pakt abgesichert. Die USA und die Sowjetunion dominieren als Weltmächte das Weltgeschehen. Die USA greifen militärisch auch ausserhalb des NATO-Bündnisses in verschiedenen Ländern, insbesondere in Asien und Nahost ein. Die USA sehen sich als die eigentliche Führungsmacht.

(3) Nur noch eine Weltmacht
Die wirtschaftliche Entwicklung der Ostblockstaaten bleibt weit hinter den Weststaaten zurück. In den 90-ziger Jahren kommt es zum Zerfall des Ostblocks und zur Loslösung der osteuropäischen Staaten von Russland. Der Warschauer Pakt löst sich auf und auch die Sowjetunion zerfällt, die Zentralasiatischen Staaten werden selbständig. Die Teilung Deutschlands und Europas in 2 Blöcke werden damit beendet. Viele der osteuropäischen Länder werden Natomitglied und in der Folgezeit auch Mitglied der EU. Der Westen sieht sich mit seiner wirtschaftlichen Stärke als systemischer Sieger, der Überwindung des kommunistischen Systems. Die USA sind die einzige verbleibende Weltmacht. Dies zeigen die USA auch durch ihr eigenständiges militärisches Eingreifen, wo immer auf der Welt amerikanische Interessen betroffen sind. Russland wird von den USA auch schon mal zur „Regionalmacht“ degradiert. In dieser Zeit verliert auch die UN an Einfluss. Die Welt hat sich bereits in den ersten drei Dekaden der Nachkriegszeit stark verändert

(4) Das Erwachen Chinas und weiterer Länder Asiens
Parallel dazu entwickelt sich das China Mao’s über Deng Xiaoping und Xi Jinping zu einem völlig anderen China. Deng Xiaoping hat einen Pragmatismus eingeführt, der von allen seinen Nachfolgern fortgesetzt wurde. Damit ist China in 3 Dekaden zur wirtschaftlichen Stärke gelangt und zum Partner und Rivalen des Westens geworden. China und vor allem Xi Jinping hat aus Entwicklungen in West und Ost viel gelernt. Eine Entwicklung, die für uns nicht vorstellbar war und auch immer noch schwer zu verstehen ist. Prof. Weber, einer der profilierten China Kenner der Schweiz rät uns daher dringend, zu lernen China besser zu
verstehen, damit wir die richtigen Schlüsse für uns ziehen können.
Dies gilt auch für Xi Jinping. Xi Jinping hat Mao und Deng Xiaoping erlebt und von beiden gelernt. Xi Jinpings Gedanken, die für die kommunistische Partei und die chinesische Gesellschaft massgebend sind, sind eine Zusammenführung scheinbarer Gegensätze von Mao und Deng Xiaoping. China hat westliches Wissen adaptiert, ist dabei aber nicht westlich geworden. Chinas Sicht findet in Asien mehr Zustimmung als die US-Geopolitik. Nicht nur China erwacht. Die Dominanz des Westens, die aus der Nachkriegs-Ordnung stammt, hat ein Ende gefunden. In der digitalglobalen Welt befinden sich die Einflussbereiche im Fluss.

(5) Weltmächte im systemischen Wettbewerb
Die USA und Europa haben Afghanistan 2021 überstürzt verlassen. Es ist der letzte Abzug der USA aus militärisch ausgetragenen Konflikten. Die USA haben sich in den letzten Jahren in ihren militärischen Aktionen deutlich zurückgezogen. Könnte an sich Entspannung bedeuten. Doch, wie wir in der Vierer-Matrix skizziert, befindet sich die Welt wieder in Auseinandersetzungen auf Weltmachtniveau. Die USA und China fordern sich gegenseitig heraus. Russland hat an Einfluss gewonnen und betreibt in einigen Teilen der Welt eigene Politik. Dazwischen steht Europa in den Spannungsfeldern des Dreiecks USA – China – Russland und muss Positionen beziehen, die es aus den bereits genannten Gründen lieber vermeiden möchte. Dabei geht es nicht mehr nur um Einzelfragen, sondern einen systemischen Wettbewerb, welches politische System überwindet das andere. Der Vorsprung des Westes schmilzt, gelenkte Systeme chinesischer Prägung gewinnen an Bedeutung. Dieser Wettbewerb beeinflusst auch immer mehr die Innenpolitik der jeweiligen Länder und sorgt auch für erhebliche innenpolitische Spannungen. Eine besondere Herausforderung für die Länder Europas.
Aufgrund der grossen Interessenunterschiede werden diese Auseinandersetzungen mit hohem Einsatz gefahren, immer in der Hoffnung, dass der andere schwächelt und nachgibt. Dafür gab es 2021 aber keine Anzeichen. Die USA und China und die USA und Russland führen Gespräche, ohne sich aufeinander zu zubewegen. Wir starten auch im neuen Jahr mit verhärteten Positionen. Keine gute Ausgangsbasis.

3.2 Geopolitische Interessen und Spannungsfelder

Nach 7 Jahrzehnten des Auf- und Umbaus kommen mit der Digitalisierung und Globalisierung starke Veränderungswellen auf uns zu. Die Pandemie beschleunigt diese Entwicklungen. Das betrifft nicht nur unser tägliches Leben, es betrifft auch die geopolitischen Veränderungen mit vielen Wechselwirkungen lokal und global. Wie ordnen wir diese Entwicklungen persönlich ein? Welche Wahl treffen wir als Wähler in der Demokratie? In unseren Netzwerken? In der Gesellschaft, der Gemeinde und unseren Freundeskreisen? Die Diversität, der individuelle und organisierte Meinungskampf war noch nie so gross wie heute. Immer mehr führt dies auch zum Zerbrechen von gewachsenen Beziehungen. Wir müssen uns mehr mit den Wechselwirkungen von Meinungen und Positionen beschäftigen, um uns wieder besser zu
verstehen und auf das Wesentliche ausrichten. Dazu 3 Punkte zu den geopolitischen Interessen und Spannungsfeldern.

(1) Grosslandbeziehungen
Welche Erkenntnisse ziehen wir aus den 2 Übersichten Geopolitik? Mit dem Heranwachsen von China haben wir wieder zwei Weltmächte. Die USA und die SU waren ungleiche Weltmächte. Mit China steht den USA eine gleichrangige Weltmacht gegenüber, durch die sich die USA herausgefordert sehen. Neu ist dabei, dass die nächste Liga der Weltmächte, wie Russland und Europa nicht einfach Follower von der einen oder anderen Weltmacht sind, sondern ihre eigenen Interessen haben. Die Vierer Matrix bringt zusätzlich Dynamiken ins Spiel, die in alle Überlegungen einzubeziehen sind. Wirtschaftliche und militärische Drohungen zur Disziplinierung von China werden von China ignoriert (Beispiel Honkong). Es stellt sich immer die Frage, wohin der wechselseitige systemische Wettbewerb zwischen den USA und China führt. Wieviel gegenseitige Provokation erträgt das digitalglobale Umfeld?

(2) Russland gewinnt wieder an Bedeutung
Russland hat sich nach der Auflösung des Warschauer Paktes und der SU neu positioniert und nimmt wieder mehr Einfluss auf die Geopolitik. Russland ist der unmittelbare Nachbar Europas und für viele europäische Länder der grösste Energielieferant. Wir müssen auch die Menschen einbeziehen. Das Trennende der gut letzten hundert Jahre sind die unterschiedlichen politischen Systeme, nicht die Menschen. Des Weiteren sind die Beziehungen und der Einfluss von Russland in Zentralasien und Nahost von Bedeutung. Neuerdings auch die Zusammenarbeit mit der Türkei. Das veränderte Russland ist somit ein wichtiger Bilanzposten in den geopolitischen Beziehungen.

(3) Europa im Spannungsfeld der Weltmächte
Die Beziehungen Europas zu den USA waren und sind von zentraler Bedeutung! Europa braucht aber auch gute Beziehungen zu Russland und China. Beide befinden sich in grundsätzlichen Auseinandersetzungen mit den USA.
Die Spannungsfelder zwischen den USA und Russland sind im Jahr 2021 weiter gewachsen. Trotz der Gespräche Bidens mit Xi Jinping und Putin zeichnet sich keine Lösung ab. Für Europa wird es immer schwieriger, mit den unterschiedlichen Sichten Politik zu gestalten. Die USA fordern Unterstützung von Europa und schrecken auch vor Sanktionen gegen Freunde nicht zurück. Für Deutschland ist dieses Spannungsfeld sehr schwierig, für die neue Regierung eine echte Herausforderung.

4 Navigation Zukunft

Was nehmen wir aus 2021 mit, was setzt sich fort, was ändert sich voraussichtlich?

Die geopolitische Situation hat sich 2021 weiter verändert. Nicht nur wegen der Pandemie. Es sind die längerfristigen Veränderungen die Wirkung zeigen. Aufgrund der Kumulation von Entwicklungen wird es immer schwieriger zu bewerten und zu bilanzieren. Wir sollten in jedem Fall beachten, dass die geopolitischen Veränderungen neue Kräfteverhältnisse geschaffen haben. Asien ist erwacht und entwickelt sich nach seinem eigenen Verständnis.
Die aufgezeigten Entwicklungen sind nicht abgeschlossen, stehen teilweise erst am Anfang.
Die Veränderungsgeschwindigkeit war und ist weiter sehr hoch. Das laufende Monitoring mit aktuellen Bewertungen gewinnt für eine sachgerechte Navigation immer mehr an Bedeutung.

4.1 Ausblick auf das Jahr 2022

Wirtschaft
Die Wirtschaft ist trotz der Lieferkettenprobleme und der Preissteigerungen erwartungsvoll ins neue Jahr gestartet. Wir können nur hoffen, dass die relative Stabilität nicht durch geopolitische Spannungen gefährdet wird und einen Dominoeffekt auslöst. Die Allzeithochs in der Finanzwirtschaft haben zu wachsenden Überbewertungen geführt. Die Frage ist, wann sie abgebaut werden und ob der Abbau als Flutwelle oder als Tsunami über uns hereinbricht. Wir sollten auf nachhaltige Veränderungen von Finanzwerten vorbereitet sein.

Politik
Die Politik befindet sich aufgrund der gesellschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen in starken Spannungsfeldern und Umbrüchen. Außen- und Innenpolitik auszubalancieren, dürfte eine der größten Herausforderungen in diesem Jahr sein.


Gesellschaft
Die gesellschaftlichen Entwicklungen sind in den einzelnen Regionen der Welt recht unterschiedlich. Den Westen überfordert die zunehmende Diversität, es wird immer schwieriger stabile Mehrheiten in den politischen und gesellschaftlich relevanten Gremien zu finden. Die USA zeigen uns, dass die Spaltung der Gesellschaft weiter fortschreitet.

Ganz anders in Asien. In China bewirkt das konfuzianische Verständnis bei der Ausrichtung auf ein gelenktes Zusammenleben und hilft der kommunistischen Partei bei der Umsetzung ihrer Strategien. Dies scheint zumindest auf absehbare Zeit so zu sein. Es bewirkt ein starkes Selbstbewusstsein. Die Auseinandersetzungen zwischen den USA und China haben Auswirkungen in anderen Ländern. Sie heizen Diskussionen und Auseinandersetzungen lokal und international an. Wir müssen damit rechnen, dass diese Spannungsfelder zunehmen und wir in eine Phase der Überforderung kommen

Religionen
Der Einfluss von Religion auf das Alltags Geschehen ist in den einzelnen Regionen der Welt sehr unterschiedlich. Ein Massstab in den Ländern, die unter islamischem, hinduistischem und buddhistischem Einfluss stehen. Als Feind, in Ländern wie China, wo Religionen der Kampf angesagt ist und Menschen wegen ihrer Religion verfolgt werden. Im Westen wird selbst bestimmte Diversität immer mehr eingefordert und gegen biblisch christliche Werte in Stellung gebracht.
Deutlich wird der Kampf mit und gegen Religion auch an der ständig zunehmenden Christenverfolgung. In China gegen Religion, in Indien wegen der Religion (Hinduismus). Trotz Globalisierung und liberaler Einzelstimmen befinden wir uns in wachsenden religiös oder antireligiös motivierten Spannungsfeldern mit zunehmender Gewalt.

Militärisch
Mit militärischer Macht auszubalancieren, um Frieden zu sichern, wird immer schwieriger. Wir sehen, dass die USA ihre militärische Überlegenheit immer weniger in praktische Politik umsetzen kann. Durch die wirtschaftliche Entwicklung baut China sein Militär immer stärker aus und zeigt auch immer mehr militärische Präsenz. Russlands Militär spielt bei Konflikten eine stärkere Rolle, wodurch in Europa eine Bedrohungslage entstehen kann. Der Ukraine Konflikt ist in 2022 ein wesentlicher Grund für geopolitische
Auseinandersetzungen.
Die digitale Kriegsführung in allen Waffengattungen und im Weltraum wird immer mehr zu einem schwer einschätzbaren Risiko. Militärische Stärke wird wieder mehr zum Faktor geopolitischer Auseinandersetzung, was in einigen Ländern, wie Deutschland und der Schweiz zu erheblichen politischen und gesellschaftlichen Spannungen beiträgt. Militärische Fragen werden ungefragt wieder stärker in unser Bewusstsein gerückt.

Summary
Die geopolitischen Interessen sind trotz vieler weltweiten Vernetzungen und gemeinsamer Lieferketten so unterschiedlich, dass wachsende Spannungen jeder Zeit zu Handlungen mit unüberlegtem Ausgang führen könnten. Hohe Wachsamkeit und die Durchdringung von Komplexität, das Weiterdenken von
Erkenntnissen ist eine der wichtigsten Investitionen in unserer Zeit.

4.2 Ausblick auf ein neues Jahrzehnt

Veränderungen richtig einschätzen
Wir sind 2021 in einem neuen Zeitabschnitt angekommen, in dem die Nachkriegs Ordnung Vergangenheit ist und sich die Welt wirtschaftlich und geopolitisch in einer Neuordnung befindet. Solche Zeiten sind immer wieder unsichere Zeiten gewesen, da alte Mechanismen nicht mehr wirken und die neuen Findungsprozesse noch am Werden sind. Globalisiert mit der Digitalisierung hat uns in den letzten Jahren in eine stärkere weltweite Abhängigkeit gebracht. Eine Abhängigkeit, die es so in früheren Dekaden nicht gegeben hat.
Waren Ereignisse früher regional eingrenzbar, betreffen uns die Auswirkungen von Ereignissen im fernen Asien heute oft unmittelbar, wenn sie z. B. unsere Versorgung betreffen. Diese Entwicklung ist nach allem was wir heute sehen können unumkehrbar. Wir haben 2008 gesehen, dass das Entdecken nicht werthaltiger Finanzprodukte in den USA zuerst das amerikanische Finanzsystem erschüttert hat, dem eine länger andauernde weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise folgte. Seit 2020 erleben wir, wie eine Pandemie, die in China beginnt, sich in kürzester Zeit weltweit ausbreitet. Welches Ereignis wird uns als
nächstes weltweit in Spannung versetzen? Wir sollten Entwicklungen nicht herbeireden, aber auch nicht so naiv sein, sie zu ignorieren und uns überrascht zu zeigen, wenn sie uns ereilen.

Wachsam weiterdenken
Wir brauchen eine neue Wachsamkeit, für Einsichten für die Entwicklungen dieser Dekade. Dabei kann das Denken in Szenarien helfen, um (1) uns von nicht mehr bestehenden Rahmenbedingungen zu lösen, (2) in veränderten Bedingungen weiter zu denken und (3) uns auf Veränderungen im Zusammenleben einzustellen. Dieser Weg ist besser, als Prognosen, Erwartungen zu arbeiten, für die uns die Grundlagen fehlen, die uns verführen, zu falschen Annahmen und zu Auseinandersetzungen führen. Ein fortlaufendes Monitoring hilft uns wachsam zu sein, auch um Zeiten besser zu verstehen.

GOTTES Zuspruch
Als Christen haben wir den Zuspruch unseres GOTTES, der immer war, der ist und der immer sein wird! Wir kennen die Rahmenbedingungen aller Entwicklungen durch JESUS CHRISTUS, die Roadmap, die ER uns gibt, den Weg zum Ziel! In den grossen Zusammenhängen und Entwicklungen können wir auch immer mehr unsere Zeit und unser Verhalten erkennen. Diese Perspektive motiviert mich auch zu weiterem Monitoring, mit Rückblick und Ausblick

Research
Research die Grundlage für unsere Zusammenfassungen. So ist auch dieses Working Paper Rückblick 2021 und Ausblick 2022 entstanden. TTC Research ist die Einladung, um miteinander weiterzudenken! GOTT zu begegnen, dem GOTT des Universums, der Zeit, des Lebens und der Gemeinschaft.

Kurz zusammengefasst: Miteinander Komplexität durchdringen und Zukunft gestalten!

Bild: Rawpixel / Shutterstock.com

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