Berechnungen in der Krise

Einführung

2020 ist das Jahr der Berechnungskrisen! Der Gesundheitskrise folgt eine Wirtschafts- und Finanzkrise. Wie gehen wir mit diesen Krisen um? Wie schnell lernen dazu? Wie finden wir die Werte, denen wir vertrauen können? Wie finden wir Übereinstimmung mit veränderten Werten?

Wir müssen unser Denken, unsere Ansprüche und unser Handeln auf die Wirklichkeit ausrichten. In seinem Buch Das Universum Wissen und Staunen zeigt der Schweizer Naturwissenschaftler Arnold Benz1 auf, wie unendlich gross dies Wirklichkeit! Ein Blick durch der mich stauen lässt! Der mich auch aufhorchen lässt, wenn Benz die Zusammenhänge aufzeigt, die unser Leben bestimmen.

Und dass wir uns auf Gott einlassen müssen, wenn wir IHM begegnen wollen. Eine Sicht, die uns hilft zu verstehen, was wir wissen (können) und was wir auch wissen sollten.

Eine Sicht, die wir gerade jetzt 2020 dringend brauchen, damit unsere Berechnungen und Erwartungen valide sind! Machen wir uns auf.

Bewertungen im Umbruch

Erwartungen zu Beginn 2020

Das Jahr 2019 endete mit der Zuversicht, dass wir trotz aller Unsicherheiten in den westlichen Ländern gut durch die krisengeschüttelte Welt kommen. Unsere politischen und wirtschaftlichen Systeme funktionieren! Unsere Krisenbewältigung beschert uns riesige Finanzgewinne! Wir sind weltweit gut unterwegs! Unsere freiheitliche Grundordnung sichert unsere Freiheit und schützen uns vor Totalitarismus, politisch wie wirtschaftlich!

Die Digitalisierung und der verstärkte Einsatz von KI bringen uns immer mehr Erkenntnisse und Leistungssteigerungen. Wieviel „mehr“ es sein wird ist noch offen, aber ein Plus wird es auch 2020 sein. Wir machen es besser als viele andere Länder. Corona ist ein regionales, vorwiegend chinesisches Problem. Mitte 2020 müssen wir uns fragen: Haben wir das wirklich so gedacht?

Wirklichkeit Mitte 2020

Mitte 2020 befinden wir uns in einer ganz anderen Wirklichkeit!

  • Die Pandemie führt zur einer gesundheitlichen und einer wirtschaftlichen Krise.
  • Wir müssen unser persönliches Leben und unser Zusammenleben neu ausrichten.

Unser Leben, unser Zusammenleben hat sich in kurzer Zeit Wochen verändert!

Wir erleben eine Neubewertung nach der anderen. Damit werden Prognosen und Planungen immer schwieriger. Wir müssen plötzlich auf Sicht fahren. Und das wohl länger als erwartet.

Es gibt große Unterschiede zwischen unseren Berechnungen und der realen Welt! Ein Virus hat Auswirkungen, die in unseren Berechnungen nicht enthalten sind, aber für unser Zusammenleben, für unsere Systeme in Wirtschaft und Gesellschaft bedrohlich sind!

Wie bedrohlich ist noch nicht ausgemacht. Was wir täglich eindringlich gesagt bekommen: „Es hängt von unserem Verhalten ab!“ Was bedeutet das für unser Zusammenleben?

Womit können wir rechnen, womit müssen wir rechnen, in der Krise und nach der Krise? 

Dies gilt für uns persönlich, für unser Land, in dem wir leben und auch für die Auswirkungen weltweit. Wir sehen, dass die Auswirkungen und der Umgang mit der Krise in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich ist und sehr starke Auswirkungen auf uns hat.

Unsere Berechnungsgrundlagen stimmen nicht mehr. Wir müssen aus der Krise lernen, um die Wirklichkeit besser zu verstehen. Nachstehend einige Anregungen zum Weiterdenken.

Erfahrungen in der Krise

Folgt der Gesundheitskrise eine Wirtschaftskrise?

Eine Umstellung auf Krisenmanagement ist dringend erforderlich! An erster Stelle steht Leben zu retten und Wege zu finden, die aus der Pandemie herausführen. Dem folgt die Sicherung der Versorgung, die Aufrechterhaltung der Wirtschaft und der Erhalt der Arbeitsplätze. Unser aller Umstellung auf die Gesundheitskrise und Umstellung des Gesundheitssystems auf Pandemie zeigen Wirkung. Wie sieht es mit den wirtschaftlichen Auswirkungen aus?

  • Wirtschaft und Versorgung stabilisieren

Das „Fluten“ der Sozialsysteme und der Wirtschaft mit viel Geld zur Sicherung der Liquidität soll die wirtschaftlichen Folgen von Betriebsstillegungen während der Krisenzeit mildern und den Verlust von Arbeitsplätzen vermeiden. Wir erwarten, dass wir mit diesen Massnahmen wieder aus der Krise herauskommen, wieder in eine „Normalität“ erreichen.

Wie wird die neue Normalität aussehen? Dazu brauchen wir verlässliche Grundlagen. Bewertungen, mit denen wir in und nach der Krise arbeiten und leben können.

Zu der Frage von Bewertungen müssen wir gerade feststellen, dass uns zu den aktuellen Umbewertungen wesentliche Berechnungsgrundlagen fehlen. Wir befinden uns in einer „Berechnungskrise“! Die Berechnungskrise wird sich in den nächsten Monaten aus vielen Gründen noch verstärken.

  • Veränderte Nachfrage

Am Anfang der Krise kam es durch den Lockdown zu Engpässen in der Belieferung und zu eingeschränkten Kaufmöglichkeiten. Doch nach der wiedergewonnenen Freiheit stellen wir fest: Mit der Krise hat sich unser Nachfrageverhalten geändert. Wir kaufen weniger als wir könnten. Die Erwartungen einer schnellen Normalisierung erfüllen sich nicht. Es kommt zu neuen Herausforderungen. Der Umsatz aus dem Verkauf von Produkten und Leistungen lässt sich nicht mehr richtig Einschätzungen. Damit ist die Erstellung eines Jahres Budgets in einigen Branchen, wie Luftfahrt, Tourismus und andern sehr schwierig geworden.

Unsere Berechnungen gehen nicht auf

Wir wissen schon seit länger Zeit: Mit dem gigantischen Wachstum in der digltalglobalen Welt wachsen auch die Risiken.Wir wussten von der Überhitzung der Finanzmärkte und die disruptiven Veränderungen in der Wirtschaft, die Fragilität unserer Lieferketten! Wir kannten das Risiko einer Pandemie. Doch wir lebten in der Hoffnung, dass die Innovationskraft uns immer wieder einen Vorsprung schafft. Frank-Walter Steinmeier drückt es in seiner Rede am 11.April wie folgt aus: „…. wir haben zulange geglaubt, dass wir unverwundbar sind, dass es immer nur schneller, höher, weiter. Aber wir haben uns geirrt.“ 2

Worin besteht der Irrtum? In unserer Selbstüberschätzung. In dieser Krise lernen wir, dass  unvollständige Berechnungen dazu führen, dass wir nicht nur abbremsen müssen, um uns zu orientieren, sondern Vollbremsung erforderlich ist, um Leben zu retten. Wir müssen einen Stopp einlegen, um uns neu zu orientieren! Neu bewerten, um aus der Bewertungskrise zu kommen!

Big Data und KI führen nicht immer zu richtigen Bewertungen. Daten bilden nur einen Teil der Wirklichkeit ab. (s. Benz „Die Menge der Wirklichkeit ist grösser, als was Naturwissenschaftler wahrnehmen können.“) 1  Diese Erkenntnis sollte uns auch in anderen Bereichen bewusst sein.

Genauso wichtig ist auch: Gewonnene Erkenntnisse und Einsichten ausreichend zu berücksichtigen, anstatt zu ignorieren! Das ist eine ausgeprägte Schwäche, die wir überwinden müssen.

Unser Verhalten ist entscheidend

Verhalten im Lockdown

Die Bilder vom Kampf ums Überleben aus überfüllten Krankenhäusern und der Transport von vielen Toten in kurzer Zeit in unserem Nachbarland Italien macht schlagartig klar: Corona ist nicht nur ein chinesisches Problem. Corona ist in Europa angekommen und für uns sehr bedrohlich. Schutz durch Distanz war erforderlich und ein Lockdown zur Eingrenzung des Virus unvermeidlich. Kurz gesagt: Wir haben diese Phase in Ländern wie Deutschland und der Schweiz gut überstanden.

Weltweit ist die Situation sehr unterschiedlich. Die immer noch bestehenden Reise-beschränkungen – selbst zwischen Europa und USA – zeigen, dass der Lockdown zwischen den Ländern nicht vorüber ist. Die Prognosen dazu verschieben sich immer weiter ins nächste Jahr 2021.

Leben in relativer Freiheit

In den letzten Monaten haben wir viel lernen müssen. Wir wissen, wir haben das Virus eingegrenzt, aber es ist immer noch da, unsichtbar. Es ist immer noch gleich wirksam, wenn es die Gelegenheit dazu bekommt. Da ein Lockdown nur eine vorübergehende Lösung sein kann, ist die vieldiskutierte Frage: Wie können wir mit dem Virus leben, ohne das es zu bedrohlichen Entwicklungen für Gesundheit und Wirtschaft kommt?

Die einfache Antwort: Abstand halten! Unser Verhalten bestimmt die Auswirkungen!

Nachdem wir relativ gut durch die „erste Welle“ gekommen sind gehen nun die Meinungen und das Verhalten sehr weit auseinander!

Wir wissen, dass wir bei allem, was wir gelernt haben, immer noch nicht genug wissen! Diese Tatsache ist offensichtlich schwer zu vermitteln. Wir reagieren weiter, wie wir es gewohnt sind: Wenn es brennt sind wir schnell im Löschen, rufen nach den Verantwortlichen, fordern die Ursachen des Brandes zu beseitigen etc. Doch sobald wir uns keine Bilder vom Feuer mehr anschauen müssen, vergessen wir was wir ändern wollten.

Bei einem Brand ist es wichtig ihn solange zu bekämpfen, bis das letzte „Brandnest“ ausgelöscht ist, damit der nicht wieder entfacht wird. Bei dem Corona Virus ist das schwieriger, da wir die „Brandherde“ erst durch Analysen, Tests sichtbar machen können.

Es ist zurzeit auch nicht absehbar, wie lange und mit welchem Aufwand die „Distanz“ eingehalten werden muss.

Es beginnen immer mehr harte Auseinandersetzungen. Es geht von Verständnis und Bereitschaft solidarisch zu leben bis zur Freiheitsberaubung und Verschwörungstheorien mit militanten Aktionen. Geraten wir eine in eine „Verhaltenskrise“ mit unbekanntem Ausgang?

Risiken und Nachwirkungen

Zur Risikoeinschätzung müssen wir die Nachwirkungen der „Brandbekämpfung“ und die Auswirkungen unseres aktuellen Verhaltens auf dem Radar haben, um ans Ziel zu kommen.

Nachwirkungen der „Liquiditätssicherung“

Zur Liquiditätssicherung wurde in Deutschland und der Schweiz vom Staat sehr viel Geld aufgenommen. Als Zuschuss oder Darlehn an Unternehmen und zur Unterstützung der Sozialversicherungsträger für Überbrückungsleistungen wie Kurzarbeitergeld. Hierdurch konnte die Liquiditätssicherung in hohem Umfang bis auf weiters sichergestellt werden.

Wir müssen uns aber auch darauf einstellen, dass diese „Brandbekämpfung“ erhebliche Nachwirkungen hat. Es ist wie bei einem richtigen Brand. Je mehr Löschwasser eingesetzt wird, je schneller kann der Brand gelöscht werden. Löschwasser hat in unserer hochtechnisierten Welt die unangenehme Eigenart, Löschwasserschäden anzurichten. Die Wahl und Menge des eingesetzten Löschmittels sind bei der Brandbekämpfung von Bedeutung. Gefragt ist eine gute Kenntnis des Areals und der Gebäudeinhalte und eine hohe Kompetenz der Einsatzleitung, um in kürzester Zeit die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Ich habe den Eindruck, dass viele „Löscheinsätze“, die mit dem Löschmittel Liquiditäts- Sicherung erfolgen, ohne dass die Folgeschäden in den Bilanzen der Kreditnehmer (Staat und Unternehmen) ausreichend berücksichtigt sind.  Ulrich Maurer, der Schweizer Finanzminister in Anbetracht der hohen Liquiditätshilfen: „Mir ist es nicht mehr wohl in meiner Haut.“ 3

Mit einem guten Umsatz lässt sich ein Kredit gut zurückzahlen. Es könnte sein, dass nicht nur viel Geld zur Liquiditätssicherung, sondern 2021 auch zur Bilanzsicherung gebraucht wird! Das könnte insbesondere für kleinere und mittelständische Unternehmen schwierig werden.

Risikoverhalten aktuell

Unter dem Aspekt der Nachwirkungen bekommen die Risiken aus unserem Verhalten eine besondere Bedeutung. Die Rückzahlung von Krediten und die Erwirtschaftung von Erträgen ist bei entsprechenden Umsätzen gut möglich. Kommt es jedoch aufgrund von Einschränkungen und Unsicherheit zu weiteren Rückschlägen in der Umsatzentwicklung, werden wir nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten eine hohe Zahl von Betriebsschließungen und Entlassungen von Mitarbeitern erleben.

In einigen Branchen, wie der Luftfahrt wird dies auch bei großen Unternehmen deutlich, obwohl sie bereits Milliarden zur Liquiditätssicherung erhalten haben.

weiterdenken

Bilanzieren in 2020

Valide Berechnungen erfordern die Erfassung und Beobachtung der Wirklichkeit, auch wenn sie komplex ist. Harry Gatterer zu Komplexität: „Sie sollten Komplexität lieben lernen“.4 Wir müssen anerkennen, dass wir „in einer komplexen Welt immer mehr nicht gesehen, als gesehen“ haben. 4 Was wir nicht gesehen haben aber wahrgenommen haben sollten, fällt in der Krise besonders auf. In unseren Working Papers möchten wir auf Personen aufmerksam machen, die komplexe Zusammenhänge verstehen und auch gut vermitteln können. 

Um aus der Berechnungskrise zu kommen, müssen wir als erstes bilanzieren. Bilanzen sind eine grundlegende Basis für ein

  • Was war: Ein vollständiger Bericht über das letzte Jahr.

Zu jeder Bilanz gehört ein Vollständigkeitserklärung.

  • Was ist: Bilanzen enthalten die Bewertungen nach verbindlichen Regeln. Sie sind öffentlich zugänglich. Sie dienen zur Bewertung einer Beziehung
  • Was kommt: Aussagen über Entwicklungen einschließlich zu möglicher und zu erwartender und Risiken. Die sogenannten Compliance Regeln setzen hierfür einen verbindlichen Rahmen.

In Zeiten, in denen wir auf Sicht fahren müssen, ist laufende Bewertungen und angepasste Entscheidungen, die der Wirklichkeit entsprechen von entscheidender Bedeutung. Dazu möchten wir ermutigen, miteinander lernen und austauschen. Auch um die zu ermutigen und zu unterstützen die dabei sind die Perspektive zu verlieren und besonders die, die in dieser Zeit um ihre Existenz, ihre Versorgung kämpfen.

Next Step TTC

Unser Weiterdenken erfolgt auch aus der Erkenntnis: Unser GOTT ist, der Ursprung und Ziel. ER führt uns durch alle Entwicklungen zum Ziel!

Im Working Paper Perspektive gewinnen!? 5 zeigt Martin Voegelin die Quellen auf, aus der wir Perspektive gewinnen können. Persönlich, für unseren Verantwortungsbereich und darüber hinaus. Auch für ein Verhalten, dass trotz äußerer Distanz zu mehr Miteinander führt.

Als TTC werden wir Research weiterführen, um besser weiterdenken zu können. Dabei beschäftigt uns die Frage, wie wir Veränderungen miteinander weiterdenken können, um für Entwicklungen, die unausweichlich sind, mit Perspektive und Zuversicht anzugehen,

Herzlich willkommen zum gemeinsamen Weiterdenken! Wir freuen uns auf Begegnungen CornerStone Chat mit Microsoft Teams.

Quellenangaben

1 Das Universum Wissen und Staunen, Arnold Benz

http://www.arnoldbenz.ch/das-universum—wissen-und-staunen.php

2 Frank-Walter Steinmeier Rede am 11.April Die Welt danach wird eine andere sein

https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvLzYxZGIwZDkxLTkxYmQtNDYwNC1hODRkLTA1NTAxMDI3MjVkNQ/die-welt-wird-eine-andere-sein

3 Ulrich Maurer, der Schweizer Finanzminister „Mir ist es nicht mehr wohl in meiner Haut.“

https://www.nzz.ch/schweiz/finanzminister-maurer-im-interview-zur-corona-krise-ld.1553979

4 Harry Gatterer führt zu Komplexität aus: „Sie sollten Komplexität lieben lernen“.

https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/die-welt-tendiert-zur-komplexitaet/

5 Martin Vögelin Perspektive gewinnen!? Working Paper 6 Think Tank CornerStone

Bild: WHYFRA… Shutterstock.com

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