Erkenntnisse im April 2022

1 Monitoring

Im Working Paper Bilanz 2021 – Ausblick 2022 haben wir die zunehmenden Spannungsfelder der Grossmächte USA-China-Russland und mittendrin Europa thematisiert und in dem Summary ausgeführt: Die geopolitischen Interessen sind trotz vieler weltweiten Vernetzungen und gemeinsamer Lieferketten so unterschiedlich, dass wachsende Spannungen jederzeit zu Handlungen mit unüberlegtem Ausgang führen könnten.

Dass bereits am 24. Februar 2022 nicht nur ein Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine begann, sondern damit verbunden ein massiver Vernichtungskrieg, hat in diesem Ausmass und dieser Brutalität überrascht und die Welt in wenigen Tagen verändert. Monitoring, das Weiterdenken von Entwicklungen in unserer digitalglobalen Welt zur Gewinnung von neuen Einsichten, wird damit noch wichtiger und dringender. In diesem Monitor zunächst eine Kurzfassung der dramatischen Entwicklung und komplexen Situation.

Krieg in Europe

In wenigen Tagen eine massive Zerstörung, mit vielen Toten und Millionen von Flüchtigen. Unvorstellbares Leid in der Ukraine, die sich als ganzes Volk gegen diesen Vernichtungskrieg mit vollem Einsatz wehrt. Die täglichen Informationen sind schwer zu ertragen. Zuallererst für die ukrainischen Familien, die erleben müssen, wie Familien auseinandergerissen werden, wie Millionen von ihnen zu Flüchtenden im eigenen Land und zu Schutzsuchenden in europäischen Ländern werden.

Es gab Warnungen, die nur zum Teil ernst genommen wurden. Wir müssen uns auch eingestehen, dass dieses Ausmass an Brutalität in keinem Szenario und in keinem Plan B oder C vorkam. Wir sind unvorbereitet! Daraus werden wir noch viel zu lernen haben.

Dazu gehört auch, dass wir feststellen müssen: Wir sind auch Betroffene. Direkt und indirekt. In unserer Betroffenheit reagieren wir und versuchen uns auf die neue Situation einzustellen. Der Weckruf, neue Einsichten zu gewinnen, kommt diesmal stärker an und löst auch Bereitschaft für Hilfe und zum Umdenken aus. Doch da gibt es auf einem längeren Weg noch viel zu bedenken und weiter zu denken. Da wir über den aktuellen Verlauf durch die Berichterstattung umfangreich informiert werden, möchte ich mich in diesem Monitor aufs Weiterdenken konzentrieren.

Geopoltische Entwicklungen

Militärisch findet der Krieg zurzeit in der Ukraine statt. Von westlichen Ländern wird die Ukraine nach und nach durch Waffenlieferungen unterstützt, da sie sich sonst nicht ausreichend verteidigen könnte.

Geopolitisch ist die Welt geteilter Meinung. Auf der einen Seite haben wir die Länder, die den Krieg Russlands verurteilen. Ein Teil dieser Länder unterstützt auch die Sanktionen des Westens gegen Russland. Ein recht grosser Teil der Länder verhält sich jedoch zurückhaltend und unterhält weiter umfangreiche wirtschaftliche Beziehungen zu Russland.

In kürzester Zeit sind auch andere Feindbilder entstanden. Die Annahme, dass wirtschaftliche Überlegenheit und durch immer mehr Handel und Globalisierung ein dauerhafter Wandel in den Beziehungen eintritt, ist eine Fehlannahme. Es kommt trotzdem zu immer mehr systemischem Wettbewerb und gegenseitigen Bedrohungen, sogar zum Krieg. Die Verteidigungsfähigkeit hat in wenigen Tagen in Europa einen neuen Stellenwert bekommen. Entgegen früheren Diskussionen, erfolgen grosse Investitionen in militärische Ausrüstung und die Verteidigungsfähigkeit. In Europa stehen sich von nun an hochgerüstete Militärs auf kürzester Distanz gegenüber. Was wird das für Auswirkungen für unser Zusammenleben in Europa und weltweit haben?

Versorgungslage

In der Versorgung kannten wir über Jahrzehnte nur eine Richtung: Wachstum bei niedrigen Kosten! Die Pandemie war zwar bereits ein Warnzeichen, doch bis zum 24. Februar 2022 waren wir der Meinung, dass wir diese Delle bald überwunden haben. Doch plötzlich zeigen sich Einbrüche in einer neuen Dimension und das weltweit. Wie kann dies sein? Schauen wir uns das genauer an.

Zunächst die direkten Auswirkungen. Dass Europa in hohem Mass von Energielieferungen aus Russland abhängig ist, ist bekannt. Doch dass die Ukraine und Russland die grössten Weizenlieferanten sind, von denen viele Länder abhängig sind, erstaunt dann doch. Energiepreise erreichen in kürzester Zeit bisher nicht gekannte Höchststände und ausbleibende Weizenlieferungen werden für einige Länder zum Problem und für viele nicht mehr bezahlbar. Die Ärmsten der Armen sind davon am meisten betroffen, da auch UN-Hilfswerke Lieferungen einschränken müssen.

Doch auch die wirtschaftlich starken Länder sind betroffen. Schon die Pandemie zeigte, wie fragil die weltweiten Lieferketten sind. Die geopolitischen Entwicklungen führen in vielen Bereichen gewollt und auch ungewollt zu einem Abbruch von Lieferbeziehungen und damit zur Unterbrechung von Lieferketten. Auch darauf sind wir nicht vorbereitet. In kurzer Zeit werden nicht nur Energie teuer, sondern auch Rohstoffe. Transportleistungen und Nahrungsmittel stehen nicht mehr ausreichend zur Verfügung. Preise steigen in einem bisher nicht gekannten Tempo. Wir können nicht mehr zu bisherigen „Billigpreisen“ produzieren und müssen uns auf eine veränderte Situation einstellen.

2 Erkenntnisse und Einsichten

Die Notwendigkeit von Einsichten

Das Working Paper 04 im April 2020 (erste Phase der Pandemie) hatte den Titel Die Einsicht für neue Einsichten. Im Kern ging es darum zu verstehen, dass wir aufgrund der Entwicklungen in der letzten Dekade in einer Zeitenwende angekommen sind und neue Einsichten für diese Zeit erforderlich sind. Zwei Jahre später müssen wir feststellen, dass wir aus den Erfahrungen nicht viel gelernt haben. Es gab sehr viel Krisenbewältigung, aber immer mit dem Ziel, möglichst den alten Zustand wieder herzustellen. Das gelingt nicht mit den jetzt eingetretenen Veränderungen. Wir müssen besser bilanzieren, realistischer bewerten und auch verstehen, dass unsere Wertvorstellungen nicht überall auf der Welt mehrheitsfähig sind. Für uns unverständliche Reaktionen, z. B.  in China oder Indien haben

ihre Ursache in der Geschichte der Bevormundung des Westens, in  Russland aus einem unrealistischen Narrativ der Grösse und Bedeutung Russlands. Wir brauchen neue Einsichten für den Umgang miteinander, in der Welt, die sich gerade grundlegend verändert. Dazu kommt für uns als Christen, dass wir auch lernen müssen, besser zwischen dem Reich dieser Welt und dem Reich GOTTES zu unterscheiden, um zu wissen, wie wir Reich GOTTES nach GOTTES Roadmap in unserer Zeit leben können. Eine recht anspruchsvolle Zusammenfassung. Doch es sind die Themen, die uns gesetzt sind und die auch schon zur Zeit des NT vorhanden waren. Im Hebräer Brief finden wir Z.B. sehr gute Handlungsanweisungen für schwierige Zeiten. Lasst uns miteinander die Einsicht für neue Einsichten gewinnen!

Wenn das Böse böser ist, als wir dachten

Nach 2 Monaten Krieg müssen wir feststellen, dass nicht nur viele unserer Annahmen zur Friedenserhaltung sich in der Krise nicht bewähren. Die Brutalität des Krieges und die Menschenverachtung hat auch Europa erreicht. Wir dachten doch, dass wir diese Art der Auseinandersetzung überwunden haben!

Wir müssen auch feststellen, dass die Fähigkeit, Krieg zu führen, darüber entscheidet, ob ein Land geschützt werden und noch selbständig existieren kann. Wir wissen auch nicht, wie und bis wann wir den Krieg stoppen können und ob es zu einer weiteren Eskalation kommt, die auch über die Ukraine hinausgeht. Russland hat dafür bereits Feindbilder gezeichnet, die auch in grossen Teilen der Bevölkerung verankert sind. Was für uns nicht vorstellbar war, ist eingetreten. Es wird noch viel Zeit und Einsicht brauchen, diese Entwicklungen zu verstehen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

Wir müssen feststellen: Innerhalb weniger Tage werden weltweit Neubewertungen vorgenommen. Besonders in Europa, da hier der Krieg unmittelbar stattfindet. Militärisch erfolgt ein Zusammenrücken und eine neue Definition der Verteidigungsfähigkeit mit hohen Investitionen, auch in den Ländern, die bisher eine andere Sicht hatten, wie z. B. Deutschland. Es besteht ein hoher Erwartungsdruck bei der Umsetzung.

Neue Freund- / Feindbilder führen auch zu tiefgreifenden Veränderungen der Wirtschaftsbeziehungen, deren Auswirkungen für uns bereits immer mehr spürbar werden.

Versorgungskrise

Die fragilen Lieferketten, die bereits durch die Pandemie strapaziert wurden, werden durch den militärisch geführten Krieg und den Wirtschaftskrieg, der weltweite Dimensionen hat, zu einer Belastungsprobe, die systembedingt zu erheblichen Leistungsreduzierengen führt.

In der ersten Phase erleben wir bereits Preissprünge für Energie, Nahrungsmittel, Rohstoffe und Logistik in unerwarteter Höhe. Es zeigt sich aber auch, dass die notwendigen Mengen für die Versorgung nicht mehr genügend zur Verfügung gestellt werden können. In Europa bedeutet dies vor allem Einschränkungen, in vielen Teilen der Welt führt dies jedoch zu Versorgungskrisen bei den Grundnahrungsmitteln. Die Zahl der armen, der unterversorgten Menschen ist stark am Steigen.

Ausmass und Auswirkungen der Versorgungskrise lassen sich wegen der Kumulation von Ereignissen innerhalb kurzer Zeit in einem Netz von Abhängigkeiten nur schwer einschätzen. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen uns, dass wir auf solche Entwicklungen nicht vorbereitet sind.

3 Einsicht und Zuversicht

Einsichten für Zuversicht!

Wir müssen erkennen, wir werden von Entwicklungen überrascht und überrollt. Die Gründe sind vielfältig: Unzureichende Kenntnis. Nichtbeachtung von (1) Zusammenhängen (2) Unterschiedlichem Verständnis und Interpretation (3) Tiefgreifende und schnelle  Veränderungen durch Globalisierung und Digitalisierung, um nur einige Schlüsselpunkte zu nennen.

Um Einsicht gewinnen zu können, müssen wir

  • die Komplexität, die unser Zusammenleben mit sich bringt, besser durchdringen und in unser Denken und Handeln einbeziehen.
  • nicht nur Zahlen, sondern auch Inhalte und Werte bilanzieren und bewerten und solide budgetieren.
  • uns auf die Zeitenwende einstellen, in die wir eingetreten sind.

Perspektiven und Zuversicht beginnen mit Einsichten in die Wirklichkeit, auch wenn sie komplex und unbequem sind. In der Bibel werden wir immer wieder aufgefordert wachsam zu sein, uns nicht von uns selbst und auch nicht vom Bösen verführen zu lassen. Es ist daher gut und wichtig, mit GOTTES Roadmap Einsicht und Zuversicht zu gewinnen.

GOTTES Roadmap ist für uns!

Zunächst sollten wir uns bewusst machen: Gott ist nicht überrascht, über die Entwicklungen die wir durchlaufen. Er kennt uns und weiss auch, dass wir uns ohne IHN auch immer wieder verlaufen. Deshalb sagt er uns auch, wer er ist und wer wir sind. Das war immer so, ist auch heute noch so und wird immer so sein. GOTT ist der Ursprung und das Ziel aller Dinge, allen Lebens.

Doch der Trend, und die mehrheitlichen Meinungen gehen immer mehr in die entgegengesetzte Richtung. Danach müsste GOTT sich auf uns einlassen, auf unsere Sicht und unsere Interpretation der Bibel. Doch GOTT kann man nur erleben, wenn man ihn dort sucht, wo er zu finden ist, wenn man sich auf ihn einlässt. Selbst die beste Beziehung endet, wenn man sich nicht mehr begegnet.

Unsere Zeit ist voller Widersprüche. Im Zeitalter der Digitalisierung verfügen wir über unglaubliche Mengen von Wissen. Und es ist frei verfügbar. Es entsteht immer mehr „Expertenwissen“, mit und ohne Expertise, mit immer mehr Widersprüchlichkeiten, mit immer mehr Ansprüchen, mit immer mehr Überforderungen! Die dunkle Seite der Digitalisierung ist das Organisieren von unrealistischen Ansprüchen, von Widerstand, von Hass und Gewalt, von der persönlichen Ebene bis zur staatlichen Gewaltausübung. Es wird immer deutlicher: Wir haben uns in den letzten Dekaden eine Welt geschaffen, die sehr komplex, schwer zu durschauen und zu bewerten ist. Um Zuversicht zu gewinnen braucht es eine Sicht, die über den Alltag hinaus geht, die uns gemeinschaftsfähig macht. Genau dieser Weg ist uns durch JESUS gegeben. Unsere Zuversicht liegt darin begründet, dass wir mit IHM bilanzieren und budgetieren können und das ER in uns investiert. Hierin ist unsere Zuversicht begründet! Auf dieser Roadmap gilt es, die richtigen Navigationspunkte zu finden und das Navi darauf einzustellen!

Navigation in turbulenten Zeiten

Monitoring und Einsicht sind eine gute Grundlage zur Ausrichtung auf das Wesentliche und zum gemeinsamen Weiterdenken und Ausrichten auf die Zukunft. Im Think Tank CornerStone möchten wir gemeinsam

  • bilanzieren. bewerten. investieren.
  • GOTTES Roadmap inhaltlich und zeitlich verstehen
  • uns auf GOTT und aufeinander einlassen und uns auf die nächste Etappe ausrichten.
  • uns gegenseitig mit dem Zuspruch GOTTES ermutigen.

Im Quellen Verzeichnis sind einige Quellen zur aktuellen Entwicklung aufgeführt. Weitere Quellen und Working Paper zu den angesprochenen Themen befinden sich auf unserer Informationsplattform auf Microsoft Teams. Herzlich willkommen zum gemeinsamen Weiterdenken und Navigieren.

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