Autor: Willi Honegger, Pfarrer Ref. Kirche Bauma
In den Blogbeiträgen Jesus, seine Briefe an uns erfolgte in
Sendscheiben Themen 1 https://ttc-cornerstone.org/jesus-christus-sendschreiben-an-uns/
Sendschreiben Themen 2 https://ttc-cornerstone.org/cornerstone-paper-bibeltexte-sendschreiben-teil-2/
eine themenbezogene Zusammenfassung von Bibeltexten.
Die Reihe Jesus, seine Briefe an uns setzen wir mit einer Predigtreihe von Willi Honegger, Pfarrer Ref. Kirche Bauma fort. Willi Honegger versteht es sehr gut, die einzelnen Sendschreiben in den aktuellen Bezug unserer Zeit zu setzen und damit auch einen persönlichen Bezug für uns als wachsame Christen herzustellen. Eine gute Orientierung und Ermutigung für unsere Zeit.
Begonnen haben wir mit Sendschreiben 1 Ephesus https://ttc-cornerstone.org/sendschreiben-1-ephesus/
Heute setzen wir mit Sendschreiben 2 Smyrna fort.
Einführung
Liebe Gemeinde unseres Herrn Jesus Christus!
Das zweite der sieben Sendschreiben aus der Offenbarung ist für die heutige Predigt vorgesehen. Dieser Brief an die Gemeinde in Smyrna hebt sich ab von den meisten der andern Sendschreiben: Kein Tadel findet sich darin. Alles ist Ermutigung und Stärkung durch Jesus Christus.
Und meine Frage dazu ist:
Gibt es in unserer satten Generation auch noch Kirchen, die solch einen Brief von Jesus bekämen?
Predigttext: Offenbarung 2,8-11
Vieles ist in diesen wenigen Zeilen angesprochen. Nicht alles können wir vertiefen in dieser Predigt. Auf drei dieser Zusagen Jesu beschränken wir uns:
- „Ich kenne deine Armut – doch du bist reich!“
- „Fürchte dich nicht vor dem, was du noch leiden musst!“
- „Sei treu bis in den Tod!“
Hand aufs Herz!
Sehnen wir uns nach diesem grossen geistlichen Trost, den die Gemeinde in Smyrna von Jesus Christus bekam?
Oder: Hoffen wir im Geheimen, dass wir solchen Trost gar nie brauchen, da wir solche Dinge umgehen möchten? (Armut, Leiden, Tod!)
Grosses, Wunderbares, wird der Gemeinde von Smyrna verheissen. Unter diesem schützenden Dach lebt diese kleine Christenschar: Sie werden wachsen, geistlich gedeihen, ein vollmächtiges Zeugnis sein vor den heidnischen Nachbarn; für diese Menschen mit ihrem verwirrend grossen Götterhimmel, die sich sorgen, ob sie jeden Gott gebührend würdigten – und die darum in einer sog. „Heidenangst“ leben.
1 „Ich kenne Deine Armut – Doch du bist Reich!“
Worin besteht denn dieser grosse Reichtum in Smyrna? Es ist schlicht und einfach das, was für jeden Christen eine Tatsache ist – eine Tatsache, an die er vielleicht kaum mehr denkt.
Doch – Jesus stellt sich selber damit vor: „So spricht ER, der Erste und der Letzte, der tot war und wieder lebendig wurde.“ [aus Vers 8]
Nein, solchen Trost kennt das Heidentum nicht. Solchen Trost kennt auch der weltliche Mensch bei uns nicht: Er hat nur sein irdisches Leben als einzigen Besitz. Dies macht ihn äusserst verwundbar für die Angst: Gerät sein körperliches Leben in Gefahr, hat er keinen Zufluchtsort mehr.
Wer aber Gott hat, bekommt etwas Grosses, Ewiges. Wir haben den an unserer Seite, der den Tod überwunden hat: Damit findet etwas Eingang in unser Herz, das wir natürlicherweise gar nicht in uns gehabt hätten. Es ist die Ausdehnung unserer Zeit: Die jetzige Lebenszeit ist nur der Vorlauf für die Ewigkeit. Wer so gross leben und fühlen kann, fürchtet sich nicht – auch nicht vor den Drohungen der Menschen.
Die Gemeinde in Smyrna lebt in dieser grossen Gewissheit: Sie leben als treue Zeugen für ihren Herrn; doch sie wissen, dass sie womöglich mit ihrem Leben bezahlen müssen. Weil Jesus alle Macht hat, sind sie mutig.
Haben wir Jesus auch schon einmal darum gebeten, dass ER uns den Mut schenkt zum unerschrockenen Bekenntnis?
Ich höre immer wieder, wie Leute in unserer Zeit klagen, Gott habe ihre Gebete nicht erhört. Wie wäre es, wenn Du Gott um mehr Mut bitten würdest, um frisch und froh zu Jesus Christus zu stehen? Ich bin sicher, ER wird dieses Gebet erhören. Eine neue Dynamik kommt damit in unser Beten hinein. Die andern Dinge, mit denen wir Gott bekneten wollen, lassen wir mal auf der Seite – Gott wird schon zur rechten Zeit dafür sorgen!
Weiter sagt Jesus zur Gemeinde in Smyrna: „Ich kenne deine Not und deine Armut – doch du bist reich…“ [aus Vers 9] Man muss erfahren haben, was Armut ist, damit man den unsichtbaren Reichtum Jesu sehen kann: Begegnungen mit Christen aus armen Ländern lehren uns dies. Vielleicht sehnen wir uns nach ihren Glaubens-Erfahrungen: Ob wir auch ihre Erfahrungen der materiellen Not machen wollen?
In Smyrna weiss die Gemeinde, was materielle Not bedeutet: Der Götzenkult und die gott-ähnliche Verehrung des Kaisers durchdringen fast das ganze Leben in jener Stadt. Geschäftlich läuft nichts, wenn man nicht daran teilnimmt. Doch – ein treuer Christ kann einzig Jesus Christus als Herrn und Gott verehren und niemanden sonst!
Dementsprechend bleiben den Christen in Smyrna nur kleine Nischen, in denen sie kaufen und verkaufen konnten. In dieser materiellen Armut erleben sie geistlichen Reichtum: Die Gegenwart Jesu Christi ist der Reichtum der Gemeinde. Weil Jesus lebt und unter ihnen ist, sind sie wohlhabend.
Wir erleben in unsern Tagen auch eine grosse, eine himmelschreiende Armut der Kirche: Nein, materiell sind die Kirchen nicht arm (Geld kann die innere Armut sogar noch steigern). Es ist eine geistliche Armut, die um sich greift. Die Gegenwart Jesu Christi in ihrer Mitte wird weder gesucht noch wert geschätzt (‚reicht es nicht, wenn ein Christ ein guter Mensch ist?‘)
Viele Christen in unserer Generation wollen oder können diese tiefgreifende Armut der Kirche nicht sehen: Nimmt man einfach resigniert hin, dass sich die Kirchen immer mehr ausdünnen? Diese Resignation, dieser Rückzug ins Private – dies sind die sichtbaren Zeichen tiefer geistlicher Armut.
Nur Jesus selber kann diese Armut beseitigen. Nur SEIN Heiliger Geist kann aufwecken, was schläft; was im Wohlstand und in der Selbstgerechtigkeit dahin döst.
Wo sind die treuen Beter, die wie Wächter in der Nacht einen neuen geistlichen Morgen erflehen?
Wo sind die jungen Verkündiger, die diese geistliche Armut beim Namen nennen; die die junge Generation darauf vorbereiten, dass grosse geistliche Kämpfe auf uns warten, sobald Jesus SEINE Gemeinde wieder erweckt und stärkt?
Ja, so ist es: Es gibt keine Erneuerung im Glauben ohne Kampf, ohne Leiden und ohne Schmerzen!
2 „Fürchte dich nicht vor dem, was du noch leiden musst!“
Vielleicht hören wir diese Ermutigung nicht gern. Bastelten wir uns einen andern ‚lieben Gott‘ zusammen? Einen, der uns nicht im Leiden trösten und stärken muss, sondern Einen, der das Leiden verhindert? Hier aber begegnet uns die Realität des Christenlebens. Jesus sagt es der Gemeinde ungeschminkt:
„Fürchte dich nicht vor dem, was dir an Leiden noch bevorsteht. Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, um euch zu versuchen, und ihr werdet Not leiden, zehn Tage lang.“ [aus Vers 10]
Die heutige Lesung stand im Buch Daniel [Daniel 1,3-17]. Vier junge Gefangene aus Jerusalem (einer davon Daniel) wurden an den babylonischen Königshof gebracht: Die vornehmen Mahlzeiten des Königshofs sollen sie essen. Für den Dienst am Hof werden sie dort ausgebildet. Daniel aber weigert sich, dies zu essen. Mit dem Chef-Koch trifft er eine Abmachung:
„Gib uns 10 Tage lang nur Gemüse und Wasser, und dann schau, ob wir besser oder schlechter aussehen als die andern!“ (Sie waren keine Veganer: Das Fleisch vom Königshof assen sie nicht, weil es Götzen-Opferfleisch war).
Hier in der Offenbarung wird die Gemeinde der Christen verglichen mit der Zeit Daniels, als viele Juden in Babylon lebten: Daniel und seine Freunde sind eher bereit, zu leiden oder gar getötet zu werden, als dass sie ihrem Gott untreu würden!
In der Offenbarung wird aus keinem Buch des Alten Testaments so häufig zitiert oder auf einzelne Dinge daraus angespielt, wie aus dem Buch des Propheten Daniel. Diesen Befund kann man nur so deuten: Die Situation der Gemeinde Jesu ist am ähnlichsten mit der Situation der Juden in der babylonischen Gefangenschaft. Es ist eine Zeit der Erprobung, der Prüfung, der Bewährung in Bezug auf die Treue zu Jesus.
Auffallend ist, dass hier nicht steht: ‚Die Römer werden euch ins Gefängnis werfen‘, sondern: „…der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen…“ Damit werden die tiefen Zusammenhänge aufgedeckt: Wohl sind es Menschen, die dieses oder jenes Böse tun. Wohl verursachen die Strukturen dieser Welt manches Elend. Will man aber diese Menschen oder Strukturen bekämpfen, um das Böse auszurotten, bleibt man erfolglos.
Etwas Abgründigeres, Tieferes, Unsichtbares steht hinter allem sichtbar Bösen und Elenden: Es ist der Satan selber: Ihn aber können wir Menschen nicht bekämpfen, er entzieht sich unsern Strategien und Angriffen.
Nur Jesus selber ist Sieger über den Bösen. Nur Jesus hat alle Macht in Händen, diesen zu besiegen: Der Teufel hat also nur begrenzte Macht: „zehn Tage lang“, steht hier symbolisch für diese Begrenzung. Der Satan kann nur tun, was Gott ihm zulässt. Gott aber ist es, der die ganze Story entwirft und durchführt. Was das Böse zustande bringt, ist nur die Stärkung des Widerstandswillens der Gemeinde Jesu.
Die Bibel eröffnet uns damit einen neuen Blick auf das Leiden und auf die Nöte, die uns im Leben treffen: Unser Leben und unsere Zukunft liegen in der Hand dessen, der selber der Herr der Weltgeschichte ist. Weder die Menschen, noch den dahinter agierenden Satan müssen wir fürchten – denn Jesus hat ihn schon besiegt!
Es ist wie beim schicksals-erprobten Hiob: Der Satan hat mit all seinen bösen Machenschaften den treuen Hiob nur noch tiefer in die Arme Gottes getrieben.
So darf und so soll die Kirche ihrer Zukunft entgegen gehen: Wohl wird der Wind rauer werden, als wir es uns gewohnt sind. Doch an der Stellung Jesu Christi ändert sich nichts. An SEINER Macht über die Finsternis ändert sich auch nichts. Und – auch an den über der Gemeinde Jesu liegenden grossartigen Verheissungen ändert sich nichts!
In Smyrna sieht man all dies glasklar. Entscheidend ist heute, dass wir dies als SEINE Kirche auch derart klar sehen und getrost damit leben: Gott schenke es, dass wir als Gemeinde anfangen, das Wort Gottes wirklich ernst zu nehmen!
3 „Sei treu bis in den Tod!“
Was danach zur Gemeinde in Smyrna gesagt wird, zeigt den Ernst der Lage, in der sie alle stehen. Noch mehr aber zeigt es uns, wie gross die Kraft Jesu in denen wirkt, die IHM nachfolgen: „Sei treu bis in den Tod, und ich werde dir die Krone des Lebens geben!“ [Vers 10]
Christus sagt nicht zu ihnen, dass er sie vom Tod verschonen werde. Er sagt ihnen etwas viel Grösseres und Wunderbareres: Sie werden trotz dem ihnen angedrohten Tod treu bleiben!
Dies muss in jeder Gefahr und in jeder Not unser Gebet sein:
„Jesus, hilf mir, dass ich dir bis zum Schluss treu bleibe!“
Als dieser Brief und das ganze Buch der Offenbarung 95 n.Chr. in der Gemeinde in Smyrna vorgelesen wurde, war ein junger Christ unter ihnen. Sein Name war Polykarp. Als Jüngling durfte er im benachbarten Ephesus sogar noch den Apostel Johannes kennenlernen.
156 n.Chr. kam eine schlimme Christenverfolgung über Smyrna. Einige Christen erlitten den Märtyrertod in der Arena. Polykarp war trotz seines hohen Alters von 86 Jahren noch immer der Vorsteher der örtlichen Christengemeinde: Auch ihn hat man verhaftet und verhört. Der römische Prokonsul verhöhnte den alten Mann und forderte ihn dann barsch auf:
‚Schwöre bei der Göttlichkeit des Kaisers! Und fluche deinem Christus! Dann lasse ich dich frei! ‘Ruhig und gelassen gab Polykarp ihm zur Antwort: „86 Jahre lang diene ich IHM nun, und ER hat mir nie ein Leid getan: Wie könnte ich meinen König und Erlöser lästern? Danach wurde er abgeführt und zu Tode gebracht.
„Sei treu bis in den Tod, und ich werde dir die Krone des Lebens geben!“ Treue hat kein Limit, sonst ist es keine Treue. Genauso wie die Liebe nicht limitiert sein kann, wenn es denn wahrhaftige Liebe ist: Diese Treue ist eine Eigenschaft Gottes. ER ist treu in allem, darum ist ER Gott. Und – ER begabt jene mit wahrhaftiger Treue, die SEIN Eigentum sind, die alles von IHM erwarten.
Der Name Polykarp bedeutet (griech.): “der viel Frucht bringt“. Seine Treue bis zum Äussersten brachte reiche Frucht: Wer Jesus treu ist an seinem Ort, wird zum reichen Segen.
Die Gefahr ist klein, dass jemand von uns so enden wird wie jener bekannte Märtyrer in Smyrna: Es sind die [im Vergleich dazu] kleinen Dinge in denen wir unsere Treue zu Jesus beweisen sollen. Wenn negative Folgen drohen, wenn man schräg angeschaut wird, dann zeigt es sich, ob unsere Treue zu Jesus echt ist.
Bete darum, dass Du IHM auch dann treu bist! Weil Jesus in uns lebt, dürfen wir standhaft bleiben. „…und ich werde dir die Krone des Lebens geben.“
Warum wird gerade dieses Bild von der Krone genannt? Der Hafen der Stadt Smyrna lag in einer gerundeten Bucht. Dahinter ist ein halbkreis-förmiger Hügel mit der Festung. Von weitem sah dies aus wie ein erhöhter Kranz. Man nannte es die „Festungs-Krone von Smyrna“.
Christus sagt hier zu SEINER Gemeinde:
„Nein, nicht die Festungen der Menschen geben Schutz. Es gibt nur diese eine Krone des ewigen Lebens, mit der ich meine treuen Nachfolger bekränze. Diese Krone müsst Ihr anstreben, dann seid Ihr gewappnet gegen jede Angst und Gefahr!“
Von unserer Hoffnung auf die Ewigkeit hängt alles ab. Wer sie nicht hat, ist dem Wind des Zeitgeistes ausgeliefert. Wer sie in sich trägt, bleibt standhaft bis zum Schluss.
Der Brief endet mit dem grandiosen Finale: „Wer den Sieg erringt, dem wird der zweite Tod nichts anhaben können.“ [aus Vers 11]
Den ersten – den körperlichen Tod – müssen alle erleiden. Der zweite Tod bedeutet, dass man von Gott im letzten Gericht abgewiesen und vom Leben in seiner Gegenwart getrennt ist. Doch – wer Jesus gehört, dem wird dies nicht geschehen: ER wird leben in Ewigkeit bei Gott und seinen Engeln.
Eine satte Generation denkt kaum über solches nach. Erst wenn tödliche Gefahren auftauchen, fängt der heutige Mensch an zu rotieren und auch zu wehklagen.
Wer sich für die Nachfolge Jesu entschieden hat, lebt immer mit der Realität der auf ihn zukommenden Ewigkeit: Darum bleibt er ein froher und gelassener Mensch. Darum schaut er seine Lebenszeit nicht an wie eine Sanduhr, wo immer weniger Sand im oberen Teil liegt. Er sieht sein Leben als Auftrag, SEINEM Herrn zu dienen, und froh auf die Zukunft hin unterwegs zu sein. Er weiss ja jederzeit, wo die Reise hinführt.
Sie führt zu dem, der mit der Krone des Lebens auf uns wartet
A M E N
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