Perspektive gewinnen!?

Der ThinkTank Cornerstone startete im Herbst 2019 mit der Thematik «Entwicklungen und Auswirkungen der digitalen Wissensverarbeitung».Beim ersten Treffen vom 12. September 2019 fragten wir uns, wie relevante und bekennende Leiterschaft in der sich überstürzenden Gesellschaftsentwicklung wahrgenommen werden kann.

Was seither in unserer Welt in Bewegung kam, hat uns alle überrascht. Die COVID-19 Pandemie beschleunigte nicht nur die digitale Wissensverarbeitung, sondern stellt unsere Gesellschaft vor Grundfragen. Wir ahnten im September 2019 nicht, wie schnell der Zusammenhang zwischen Digitalisierung und Gestaltung des persönlichen und gesellschaftlichen Lebens offensichtlich und Antworten darauf existenziell werden.

Die Bezeichnung «Cornerstone» ist für uns das Bekenntnis, dass wir uns auf Jesus Christus beziehen und an ihm ausrichten. Seine Perspektive auf unsere kleine und grosse Weltsituation interessiert uns brennend. Welche Rolle weist er uns, als seinen Nachfolgern, darin zu? Dabei steht unseres Erachtens aktuell besonders die Frage im Fokus: Was haben wir Christen unserer Gesellschaft als Perspektive und dann auch als Handlungsmodelle anzubieten? Folgende Gedanken sollen unseren «Cornerstone»-Prozess anregen.

Was ist die aktuelle Herausforderung für eine relevante Leiterschaft?

Was lehrt uns „Corona & Co“?

  • Die unglaubliche Verletzbarkeit des globalen Marktes, die Abhängigkeit von Lieferketten und die partikulären (und nationalen) Interessen.
  • Der grosse Unterschied in der Handlungsweise von Regierungen (diktatorische UND demokratische) bei gleichzeitig häufiger (psychologischer / medial dynamisieren[1]der) Domino-Wirkung. (Hierzu würde sich ein Blick in die digitale Überwachung lohnen – vom Schweizer Covid19-Tracing-App über Facebook & Co bis zur chinesischen Totalkontrolle mit direkt wirksamer Einschränkung persönlicher Freiheiten. China bewältigt hier nicht einfach die Corona-Krise, sondern manipuliert die Menschen zur Stromlinienförmigkeit für die neue konforme Gesellschaft. Und wir im Westen lassen uns freiwillig in das übermächtige Marktdiktat hinein manipulieren).
  • Ein Bewusstsein für die Sackgasse «immer mehr, besser, schneller» – und doch das erklärte Ziel, so schnell wie möglich zurück zur «Normalität» (welche denn?) zu ge[1]langen. Auch auf Kosten der zaghaften Versuche, dem Klima, der Arm-Reich-Schere, Ungerechtigkeit generell zu Leibe zu rücken. Dazu erschienen in den letzten Monaten unzählige, auch sehr fundierte Beiträge, von philosophisch über gesellschaftspolitisch wie wirtschaftlich. Der gemeinsame Nenner: Scharfe Analysen – die Lösungsansätze «scheitern» am Menschen. Etwas von diesem Gesamtzusammenhang kommt zum Ausdruck im Beitrag von Andreas Reckwitz «Verblendet vom Augenblick» (Die Zeit, 10. Juni 2020): Der Staat profiliert sich durch Krisenpolitik (Kontrolle / Macht) – versus dem Angebot einer Perspektive (was für eine Zukunft wollen wir?). Nicht weniger ernst, aber konkreter und auch herausfordernd-ermutigend analysiert die Ökonomin Irmi Seidl in ihrem Interview mit dem MigrosMagazin vom 14. Mai 2020, wenn sie z.B. Entscheidungen fordert, u.a. «… weniger Dinge produzieren und konsumieren, die schnell wieder weggeworfen oder kaum gebraucht werden. Dies schont Ressourcen und erhöht unsere freie Zeit.»
  • Die «Vorhersehbarkeit», wie Menschen als Einzelne und als Gruppen reagieren (bei all ihrer Unterschiedlichkeit) – wie sich dann unterordnen oder eben auch nicht. Siehe Britanny Kaiser, «Sternstunde Philosophie» Fernsehen SRF, 22.3.2020
  • Die Fakenews bzw. interessegeleitete Zusammenstellung von Facts, (teilweise sehr gezielt eingesetzt, natürlich auch konfrontiert mit der realen Überforderung, die Vielschichtigkeit abbilden zu können).
  • Erstaunliche Kreativität in persönlicher / nachbarschaftlicher Krisenbewältigung bis hin zu Nothilfe-Aktionen, auch mit echter Mitmenschlichkeit und gleichzeitigem Balanceakt, wo Solidarität vor allem dem Selbstschutz dient.

Welche Reaktion beobachten wir bei Christen?

… und welche Perspektiven – für wen – stehen im Vordergrund?

Sehr viele ÄHNLICHE Mechanismen wie in der übrigen Gesellschaft.

  • Im Vordergrund steht Krisen-Management, möglichst schnelle Rückkehr zur Norma[1]lität (des Gemeindelebens? Welche Normalität auch hier?) anstreben.
  • Kreativität in «digitaler Versorgung / Vernetzung» mit durchaus wichtigen Ansätzen, den gemeinschaftlichen Auftrag der Gemeinde “trotz allem” wahrzunehmen.
  • Eine weitgehend vorbildliche Krisenbewältigungsstrategie und –kommunikation. Wertschätzender Umgang mit den Behörden und ihren Anordnungen.
  • Mit dieser hohen Konzentration auf die Krise blieb wenig Spielraum (und Kraft), die tieferen Zusammenhänge unserer gemeindlichen Existenz (Salz und Licht) in unserer Zeit zu bewegen. WAS ist das wirklich «systemrelevante» an den Kirchen? Ist es die soziale Komponente, allenfalls noch die geistliche (religiöse) Grundversorgung – oder doch mehr? Wo kommt das “Systemexistentielle” des Evangeliums zum Tragen?
  • Geistliche Versorgung ist «gewährleistet» – was andrerseits die Frage aufwirft, WOZU braucht es noch den gemeinsamen Gottesdienst, den «Gemeindebetrieb» – und wofür werden wir eigentlich versorgt?
  • Tenor der Botschaft: wir haben Hoffnung – wir sind nicht alleingelassen – Gott (und, wenn’s gut geht auch die Geschwister) sind da – Beten wir, dass die Krise für uns bald vorübergeht. (Wie weit bleiben die Völker, die eklatant – und nicht nur “wegen Corona” – existenziell gefährdet sind, unser Anliegen?)
  • Die durchaus real verstandene Hoffnung bleibt dabei oft ein individueller Trost. Ja, unser Leben ist in Gottes Hand – und das vor allem in Bezug auf das Leben nach dem Tod. Beim Umgang mit der Corona-Situation im Alltag sind Reaktionen, auch Ängste praktisch identisch mit jenen von Nichtchristen, auch bei aller Unterschiedlichkeit. Noch dünner werden Antworten zu gesellschaftlichen / politischen Weichenstellungen aus christlicher Perspektive. Haben wir der Gesellschaft zur Bewältigung der Krise etwas anzubieten? Und mit welcher Perspektive für die Gegenwart, die nahe Zukunft – und darüber hinaus? Wo werden Politiker, Wirtschaftsfachleute, Lehrkräfte, Führungspersonen etc. angeregt und ermutigt, christliche Hoffnung in ihre Lebensbereiche hinein zu «übersetzen»?

Wie kommt Orientierung, wie wächst Hoffnungsperspektive?

Was ist Hoffnung?

«Hoffnung ist nicht ein Gefühl – sie ist eine Einstellung» – so formuliert der Zukunfts[1]forscher Andreas Walker in Fenster zum Sonntag (ERF/Alphavision – 19. Juli 2020). Gleichzeitig «macht» Hoffnung – und Hoffnungslosigkeit auch! – etwas mit meiner Befindlichkeit (Gefühl!). Woher nehme ich die «Frechheit», mich für Hoffnung zu entscheiden? Und komme ich mit ihr wirklich ans Ziel? Wenn wir – wie es das Credo des «Cornerstone» ist – vom biblischen Gottes- und Menschenbild ausgehen, dann gehört Hoffnung zu den drei Säulen unserer menschlichen Identität: 1. Kor. 13,13 – “Was für immer bleibt, sind Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei. Aber am größten von ihnen ist die Liebe.” Natürlich gibt es «begründete Hoffnungen» im rein menschlichen Bereich. (Ich kann be[1]gründet auf Sonnenschein hoffen, weil ich weiss, dass ein kräftiges Hoch im Anzug ist.) Oder auf der Gegenseite: Die Corona-Pandemie hat lediglich offenbart, was wir schon länger wissen, aber zu Gunsten von Macht und Wohlstand verdrängten.

Wer bin ich (denn schon)?

Im Blick auf unsere persönliche wie gesellschaftliche Entwicklung haben wir als Christen einen überragenden Hoffnungsvorteil: Wir GLAUBEN (vertrauen), dass Gott Interesse am Ergehen seiner Schöpfung hat. Und der Mensch, auch ich ganz persönlich, stehe bei ihm im Zentrum seines Interesses. Weil ich ihm VERTRAUE, habe ich HOFFNUNG für mich und für meinen Nächsten – und LIEBE ihn und die Welt!
HOFFNUNG – ich ENTSCHEIDE mich, Gott beim Wort zu nehmen wenn er sagt: «Ich habe Dich zum Empfänger meiner grenzenlosen LIEBE gemacht – und ich will durch dich diese Liebe in dieser Welt sichtbar machen.» Ich bin Teil und Teilhaber SEINES Grossen Ganzen! (Psalm 8)

Was ist (die / meine) Hoffnung?

Diese Entscheidung zur Hoffnung fälle ich nicht «aus dem Blauen heraus». Gott hat ihre Realität in der Geschichte x-fach unter Beweis gestellt. Am Allerdeutlichsten ist das für uns in der Sendung seines Sohnes, dessen Selbsthingabe am Kreuz und in der Auferstehung aus dem Grab als ultimativer Sieg über den Tod.
Meine Hoffnung für mich und für die Welt ist berechtigt, wenn ihre Quelle zuverlässig ist – und wenn sie sich im Leben konkretisieren lässt.
Meine Hoffnung für mich und für die Welt gibt mir Perspektive, wenn ich Gottes Absicht und Masterplan kenne. Er gibt mir einen unverwechselbaren Platz in diesem Masterplan. Wir werden zu Mitgestaltern seiner neuen Welt, die konkurrenzlos von ihm her und zu ihm hin leben wird.
So sagt der Apostel Petrus in 1. Petr. 3,15 – «Ehrt vielmehr Christus, den Herrn, indem ihr ihm von ganzem Herzen vertraut. Und seid jederzeit bereit, jedem Red und Antwort zu stehen, der euch auffordert, Auskunft über die Hoffnung zu geben, die euch erfüllt.»

Gottes Masterplan ermöglicht uns, persönliche und globale Entwicklungen aus seiner Perspektive heraus wahrzunehmen und in ihnen konstruktiv, hoffnungsorientiert zu handeln.

Im Folgenden holzschnitzartig ein paar dieser Masterplan-Eckpfeiler. Wir konzentrieren uns dabei speziell auf die Auswirkung des Kommens, Sterbens und Auferstehens Jesu. Welche Perspektive gewinnen wir aus diesen Ereignissen für unseren Alltag und für die Welt?

Die Auferstehung Jesu Christi
ist «der Beginn von Gottes neuem Projekt, nicht um Menschen der Erde zu entreissen und in den Himmel zu setzen, sondern die Erde mit himmlischem Leben zu erfüllen». (N.T. Wright – in «Von Hoffnung überrascht») Dieses neue Projekt läuft! Auch in unserer gegenwärtigen Geschichte! Der Same ist gesät durch jedes Leben, das Jesus Christus erneuert hat. Was wir als Hoffnungsträger mit dieser Perspektive in die Welt investieren, atmet schon jetzt die Erfüllung dieses neuen Projekts und wird nicht verloren sein. 1. Kor. 15,58 – «Setzt euch unaufhörlich und mit ganzer Kraft für die Sache des Herrn ein! Ihr wisst ja, dass das, was ihr für den Herrn tut, nicht vergeblich ist.»

Die Inthronisierung Jesu (Himmelfahrt) und die Ausgiessung des Geistes (Pfingsten)
wirkt die Bevollmächtigung, in dieser neuen geistlichen UND leiblichen Realität hoffnungsorientiert zu leben und zu handeln. Der Geist macht uns – und das, was wir «in ihm» tun – in seiner Geschichte lebendig. «Was aus Liebe geschieht, und mag es noch so kümmerlich und bescheiden sein, es wandelt sich in lauter Frucht» (Thomas von Kempen)

Die Wiederkunft mit dem «ALLES NEU» für Himmel und Erde
ist die Vollendung von Gottes «neuem Projekt»-Plan, an dem wir DURCH IHN HIER UND JETZT mitwirken. Die Frucht wird ihren sichtbaren und ewigen Platz in Gottes neuer Welt haben! (S. Thomas von Kempen oben – und Joh. 15, v.a. 5,8,16) Nichts wird vergeblich sein – es macht Sinn, für heute UND ewig. Hoffnung macht nicht zum «Narren», sie ist real! Abgedeckt aus der Ewigkeit, sichtbar geworden in dieser Welt:

Unsere Hoffnung gründet auf den Taten Gottes
in der Welt- und unserer persönlichen Geschichte. Seine Zusage, ALLES NEU zu machen ist abgedeckt in der Tatsache der Auferstehung von Jesus Christus. Sie ist die “Initialzündung” für unsere Erneuerung. GANZ ANDERS, und DOCH UNTER EINBEZUG unserer persönlichen Lebens- und Handlungsweise.
Jesus ist unser «Hoffnungsbeispiel» – sein Auferstehungsleib trug die Male seiner irdischen Existenz an sich. Ein Geheimnis – ein Hinweis: Was wir hier waren, ist nicht einfach ausgelöscht, sondern verwandelt. (1. Kor. 15, 42-44 – beachte Paulus’ gesamte Argumentationsfolge!) «Gesät wird vergänglich – auferstehen werden wir unvergänglich.» Und das Kontinuum ist das, was Jesus durch die wiederhergestellte Verbindung mit dem Vater in uns gelegt HAT: «Christus in uns, die Hoffnung auf Herrlichkeit» Kol. 1,27.
Mein ganzes Dasein hier auf Erden ist BEIDES: schon hier erfüllte Hoffnung in der Beziehung mit Gott – UND die Vorbereitung auf die Vollendung meiner ewigen Bestimmung: In ungetrübter Gemeinschaft mit meinem Schöpfer leben. Diese Vollendung ist auch der Erde als Ganzes zugesagt. (Römer 8,18-25 – V21: «Auch sie, die Schöpfung, wird von der Last der Vergänglichkeit befreit werden und an der Freiheit teilhaben, die den Kindern Gottes mit der künftigen Herrlichkeit geschenkt wird.» Indem ich mich für den Bau des Reiches Gottes HIER einsetzen lasse, darf ich mithelfen, auch die Erde auf die Vollendung vorzubereiten.
Und so kann sich Jesus von seinen Jüngern verabschieden:
»Friede sei mit euch! – Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich jetzt euch.« Joh. 20,21
»Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und seid gewiss: Ich bin jeden Tag bei euch, bis zum Ende der Welt.« Matth. 28,18-20

Zeichen setzen!

Ja, Christen leben in „derselben“ Welt wie alle anderen auch – aber wir sehen sie anders! Wir sehen sie VON GOTT HER, von ihrer Bestimmung her. Wenn die Corona-Pandemie ETWAS gezeigt hat, ist es die Begrenztheit des Menschen. Wir wissen so viel, und ein kleines, unsichtbares Virus bringt uns total aus dem Konzept. Manche werden sich unserer Ohnmacht bewusst – nehmen neu wahr, dass wir tatsächlich nicht alles im Griff haben. Andere beschwören unsere technischen Fortschritte, um den «Normalzustand» (welchen denn?) wiederherzustellen.

Mit Gottes Perspektive sehen wir weiter – und ordnen das, was heute geschieht, in seinen Kontext ein. Das ist demütige Knochenarbeit, denn wir wissen: 1. Kor. 13,12 «Jetzt sehen wir alles nur wie in einem Spiegel und wie in rätselhaften Bildern; dann aber werden wir ´Gott` von Angesicht zu Angesicht sehen. Wenn ich jetzt etwas erkenne, erkenne ich immer nur einen Teil des Ganzen; dann aber werde ich alles so kennen, wie Gott mich jetzt schon kennt.» Und Vers 13 sind wir oben schon begegnet: “Was bleibt, ist Glaube, HOFFNUNG, Liebe…!”

Nicht WIR schaffen die neue Welt – aber wir klinken uns in Gottes Projekt ein und wissen, dass er zum Ziel kommt. An seinen Zielen mit der Welt – an seinen Werten, wie er diese Ziele verfolgt, orientieren wir unser Handeln – sowohl, WAS wir tun sollen und auch WIE wir es tun sollen. Damit setzen wir Zeichen für Gottes neue Welt.

Oft genug drängen sich diese Zeichen nicht auf – scheinen uns gar widersprüchlich, z.B. wenn wir erleben oder sehen, wie (auch Christen) «grundlos» leiden und Ungerechtigkeit übermächtig wird und auch Christen daran aktiv beteiligt sein können! Aber genau darin kann sich Gottes Geduld, Barmherzigkeit, Gegenwart – und unser Glaube und Vertrauen auf seine Vollendung zeigen. Anbetung in Demut – und ge-ho(e)r-same Nachfolge (i.a.W. in Jesus bleiben) behält seine ewige Wirkung.
Darüber hinaus werden gelebte Werte des Reiches Gottes auch im ganz konkreten Handeln Zeichen setzen und auf seinen Charakter und seine Zielsetzung mit uns Menschen hinweisen.

Als Einzelne / Einzelner
Die tiefe Gewissheit, dass ich auf dem Weg Jesus nach auf dem Weg des Lebens bin, wie immer er sich momentan auch zeigt, gibt mir eine Grundhoffnung für jeden Tag. Ich erinnere mich konstant an Zusagen wie: Hebr. 12,9f – «Denn sich ihm (dem himmlischen Vater) unterzuordnen bedeutet wahres Leben. …. Gott weiß wirklich, was zu unserem Besten dient; er erzieht uns so, dass wir an seiner Heiligkeit Anteil bekommen.» / Rö 8,28f – V29: «….dass ihr ganzes Wesen so umgestaltet wird, dass sie seinem Sohn gleich sind. Er ist das Bild, dem sie ähnlich werden sollen, denn er soll der Erstgeborene unter vielen Brüdern sein.»
Nein – es ist nicht «alle Tage Sonnenschein» – aber ich kann einüben, mich der Realität der Sonne auch hinter den Wolken bewusst zu sein. (Erst die Sonne macht es überhaupt möglich, dass ich die dunklen Wolken überhaupt sehen kann!)

Ein weiterer Übungsweg ist: Wie kann meine Tätigkeit – sowohl im WAS wie auch im WIE ich sie tue – ausdrücken, wie “die Erde mit himmlischem Leben” erfüllt wird? (s.o. Zitat N.T. Wright). Es ist ganz klar, vordergründig gibt es in den menschlichen Tätigkeiten riesige Unterschiede und nicht jeder Mensch ist in der Lage, sie sich frei auswählen zu können. Wenn ich die Möglichkeit habe, werde ich als Christ (berufliche / geforderte) Tätigkeiten aussuchen, die nicht zum vornherein Gottes Idee für den Menschen widersprechen. Oft unterschätzen wir aber auch, wie sogenannte weltliche oder technische Berufe / Forschungsgebiete die Entwicklung der Schöpfung und der Gesellschaft in eine ganz bestimmte Richtung prägen.
Kann ich in meiner Arbeit einen Zusammenhang zu unserem Gestaltungs- und Fürsor[1]geauftrag für die Schöpfung entdecken? In einigen Berufszweigen ist das sicher einfacher als in anderen. Wenn ich mein Leben unter Gottes Führung lebe und weiss, dass er mich an eben diesen Platz gestellt hat, kann ich ihm auch diesbezüglich vertrauen, selbst wenn mir der Zusammenhang nicht klar wird. Und: Praktisch überall sind wir mit Menschen – Partnern, Mitarbeitenden, Untergebenen, Vorgesetzen unterwegs. Nicht nur wie ich meine Arbeit tue, sondern gerade wie ich mit diesen Menschen umgehe strahlt etwas aus!
Und von der Familie sowie Freizeit (Erholung und ehrenamtlicher Tätigkeit) haben wir jetzt noch gar nicht gesprochen… Wie setze ich Prioritäten neben Beruf und Karriere? Wie kommen die oben erwähnten Kriterien zum Zug im Umgang mit meiner Familie, meinen Freunden, Hobbys, Finanzen, Medienkonsum.

Der Übungsweg gilt für ALLE Lebensbereiche gleicherweise! Dieselben Werte – dieselbe Hoffnung – dieselbe Motivation – derselbe Herr! Gottes Reich ist ungeteilt. NICHTS ist ausgeschlossen, worin sich seine Gegenwart nicht verändernd auswirken könnte. Authentizität ist ein hochangesehener Wert. In Christus, der über ALLES Herr ist, wachsen wir immer mehr in sein Bild, in seine Ganzheit, seine Authentizität hinein. Übungsweg, eben – und das hält mich auch demütig, weil ich weiss: Das wächst nur IN Christus! (Vergleiche Beiträge “Integriertes Christsein” s.u. Quellen

Als Gemeinde / als Christen im Netzwerk
Ja, von der Kirche wurde in der Krise durchaus erwartet, dass sie in fürsorglichen Initiativen aktiv ist – aber ist das das, was die Kirche letztlich ausmacht? Haben wir nicht noch viel tiefere Antworten, ja sogar Lösungsansätze zu bieten für eine Gesellschaft, die gerade ihrer Grenzen neu bewusst wird? Die Kirche – besser: Das Evangelium umfasst eben beides! Die ganz persönliche individuelle Ebene meiner Beziehung zu Gott und die damit geschenkte persönliche Hoffnung – und die Meta-Ebene (wir sprachen oben vom Masterplan Gottes).
In Epheser 1,3-23 entfaltet Paulus diese Meta-Ebene. Der ganze Abschnitt bietet sich als nachhaltige Meditationsübung an! Ich schätze besonders die Übertragung «The Message Bible» – V23 kulminiert die Grösse von Gottes Plan und unseren Platz darin mit folgenden Worten:
«Die Kirche, wie ihr seht, ist nicht peripher zur Welt; die Welt ist peripher zur Kirche. Die Kirche ist der Leib Christi, in dem er spricht und handelt, durch den er alles mit seiner Gegewart erfüllt.» (ÜS mv)

Was schenkt Gott der Welt mit der Gemeinde?
Aus seiner Sicht ist die Gemeinde sein Mittel, der Welt seinen Rettungsplan nahezubringen. Darin soll sie sichtbar, relevant werden als Gemeinschaft, die nach Gottes Werten lebt und seine Liebe in die Welt hineinträgt. Matth. 5,13-16 – Licht und Salz sein mit dem Ziel, dass der Vater im Himmel gepriesen wird!
«Sein» (Licht / Salz) und «Tun» (gute Werke – nach innen und aussen) ist Wesen und Zweck der Kirche. Unser «Gemeindeprogramm» muss daran ausgerichtet werden. Nach innen und aussen!

A Gemeinde als Lebens- und Versöhnungsgemeinschaft
Sie dient zur Feier, Anbetung, Busse, Fürbitte, gegenseitigen Fürsorge (damit die Werte des Reiches Gottes Hand und Fuss bekommen)

B Gemeinde als Lerngemeinschaft
Sie dient als Reflexionsraum, wie Versöhnung und Fürsorge aus der Gemeinschaft heraus in den persönlichen und gesellschaftlichen Alltag hineinstrahlen kann.
Sie dient der Ermutigung, der Vertiefung der Erkenntnis des Planes Gottes (damit wir glaubwürdig und sprachfähig werden, «Rechenschaft über die Hoffnung in uns» abzulegen).
Sie dient der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und globalen Entwicklungen (damit wir den Platz der Gemeinde in ihr verstehen und ihn mit Überzeugung ausfüllen).

C Gemeinde als Hoffnungsgemeinschaft
– und das geht deutlich über die lokale Gemeinde hinaus! (Beispiel: ThinkTank Cornerstone!) Sie dient als Plattform, Ressourcen, Menschen zusammenzubringen, die mit «begründeter und ausgerichteter Hoffnung» (s.oben) auch strategisch der Gesellschaft (lokal bis global) dienen:
– Sie sucht «der Stadt Bestes» (Jer. 29,7) – lernt dafür die «Stadt» kennen, pflegt Beziehungen, investiert sich.

Fachleute / Verantwortungsträger / Führungspersonen und Basisleute aus verschiedenen Fachbereichen vernetzen sich – bereichsorientiert UND interdisziplinär. Sie gewinnen Einsichten, setzen sie in Beziehung zum Reich Gottes und setzen sie in ihren Verantwortungsbereichen um.

Dies geschieht konsequent mit der Absicht, das zentrale Anliegen Gottes zu verfolgen: ALLE sollen seinen Rettungsplan kennen lernen, ihn verständlich kommuniziert bekommen, Zugang zur Hoffnungsgemeinschaft erhalten, aktiv in die Unser Vater-Bitte einklinken: DEIN REICH KOMME – die Erde mit himmlischem Leben füllen!

Diese Investition ist nicht vergeblich!

Haltet daher unbeirrt am Glauben fest, meine lieben Geschwister, und lasst euch durch nichts vom richtigen Weg abbringen. Setzt euch unaufhörlich und mit ganzer Kraft für die Sache des Herrn ein! Ihr wisst ja, dass das, was ihr für den Herrn tut, nicht vergeblich ist. Kor. 15,58

Martin Voegelin, September 2020

Quellen

Verblendet vom Augenblick – Andreas Reckwitz – DIE ZEIT, 10. Juni 2020 – müsste digital zugänglich gemacht werden…. sonst zu finden in Team 2, Monitoring, 2 Working Paper, 06 Perspektive gewinnen

Abschied vom ständigen Wachstum – MigrosMagazin 2020-21 vom 14.5.2020 Irmi Seidl (57) ist Leiterin der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bei der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) . Die Ökonomin ist Titularprofessorin an der Universität Zürich und lehrt dort und an der ETH Zürich. Sie lebt in Zürich. https://www.migrosmagazin.ch/abschied-vom-wachstum

Brittany Kaiser – Rezepte gegen die drohende Daten-Diktatur
Interview SRF «Sternstunde Philosophie» 22.3.2020 – (war nur bis 22.3.2021 verfügbar)

Andreas Walker
https://www.srf.ch/play/tv/fenster-zum-sonntag/video/25-jahre-auf-sendung—was-auchder-zukunftsforscher-nicht-vorhersah?id=e262f717-aa1f-4bd3-9fa7-f5632e29

Integriertes Christsein – VBG, Bausteine Nummer 2004-3
https://ttc-cornerstone.org/wp-content/uploads/2022/10/F1-Integriertes-Christsein-BST_2004-3.pdf

Bild: Privat Rintz

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