Sendschreiben 4 Thyatira

In den  Blogbeiträgen Jesus, seine Briefe an uns  erfolgte in   Sendscheiben  Themen 1  https://ttc-cornerstone.org/jesus-christus-sendschreiben-an-uns/  und Sendschreiben Themen 2  https://ttc-cornerstone.org/cornerstone-paper-bibeltexte-sendschreiben-teil-2/  eine themenbezogene Zusammenfassung von Bibeltexten.

Die Reihe  Jesus, seine Briefe an uns  setzen wir mit einer Predigtreihe von Willi Honegger, Pfarrer     Ref. Kirche Bauma fort. Willi Honegger  versteht es sehr gut, die einzelnen Sendschreiben in den aktuellen Bezug unserer Zeit zu setzen und damit auch einen persönlichen Bezug für uns als wachsame Christen herzustellen. Eine gute Orientierung und Ermutigung für unsere Zeit.

Begonnen haben wir mit Sendschreiben 1 Ephesus https://ttc-cornerstone.org/sendschreiben-1-ephesus/  und Sendschreiben 2 Smyrna https://ttc-cornerstone.org/sendschreiben-2-smyrna/  und Sendschreiben 3 Pergamon https://ttc-cornerstone.org/sendschreiben-3-pergamon/

Heute setzen wir mit Sendschreiben 4 Thyatira fort.

Einführung

Liebe Gemeinde unseres Herrn Jesus Christus!

Heute sind wir in der Mitte der 7 Sendschreiben der Offenbarung; bei jenem an die Gemeinde von Thyatira. Dieser längste Brief ist an die Kirche jener Stadt gerichtet, über die man am wenigsten weiss.

Predigttext:  Offenbarung 2,18-29 

Thyatira liegt 80km landeinwärts von der Ägäis in einer Ebene. Diese geografische Lage machte eine Verteidigung unmöglich. Viele Herrschaftswechsel prägten darum die Stadtgeschichte, bis im Jahre 133 v.Chr. die Römer die Oberhand gewannen.

Nun kam eine stabile Zeit für Thyatira: Da es an mehreren wichtigen Durchfahrts-Wegen lag, wurde es zu einem Zentrum für Handel und Handwerk. Die Berufsverbände der verschiedenen Handwerke (Zünfte) spielten die zentrale Rolle im Leben der Stadt. Im Stadtzentrum mit seinem Hauptplatz liefen zahlreiche Gassen zusammen (wie Speichen am Rad): Jede Handwerks-Vereinigung war in einer Gasse heimisch, hatte dort ihre Werkstätten und Läden und natürlich einen heidnischen Tempel für ihren Schutzpatron. (Übrigens: Lydia, die erste Christin Europas, [Apg 16,11-15] stammte aus Thyatira und war als Purpurhändlerin tätig).

Wie in allen 7 Briefen stellt Jesus sich vor: „So spricht der Sohn Gottes, der Augen hat wie Feuerflammen und dessen Füsse dem Golderz gleichen.“  [aus Vers 18] Zum ersten Mal in der Offenbarung wird Jesus als Sohn Gottes bezeichnet: Wir erahnen, dass uns nun Wichtiges gesagt wird, wenn Jesus sich mit diesem höchsten Ehrentitel einführt.

Die Lesung aus dem Buch Daniel im AT bereitete uns schon vor: Als Nebukadnezar in den Feuerofen schaut, erschrickt er: „Ich sehe vier Männer frei im Feuer herumgehen,… und der vierte sieht aus, als wäre er ein Sohn der Götter!“  [Daniel 3,25]

König Nebukadnezar sprach aus, was er selber nicht verstand. Dieser „Sohn der Götter“ ist Jesus Christus. ER bewahrt die Seinen im Feuer und im Tod. ER ist der, der „Augen hat wie Feuerflammen [vgl. Offenbarung 1,14-15] und Füsse wie Golderz, das im Ofen geglüht ist“.

So liest man in den ersten Christengemeinden die Bibel: Den ganzen Ratschluss Gottes, im Alten und im Neuen Bund, versteht man als die eine grosse Geschichte Gottes mit uns. Diese gesamte Botschaft Gottes ist aus einem Guss – ganz gleich ob sie im Alten oder im Neuen Testament steht.

Ein einziger Satz umschreibt die Situation dieser Gemeinde:

1. Eine in grossem Segen wirkende Kirche…

2. …erfährt eine besonders strenge Beurteilung

3. …und wird durch Verheissungen gestärkt

1 Eine in grossem Segen wirkende Gemeinde

Bei der Gemeinde in Thyatira kann sich manche Kirche eine Scheibe abschneiden: Hier ist die Liebe nicht ein lebloses Programm. Sie ist herzhafte Tat, rettendes Wort, echte Zuwendung. Christus sagt zu ihr: „Ich kenne deine Werke – die Liebe, den Glauben, die Hilfsbereitschaft – und deine Beharrlichkeit…“ [aus V.19]

Liebe und Glauben – es sind die Beweggründe, das Motiv für das Handeln der Gemeinde in Thyatira: Liebe stammt aus Gott, wenn es denn wahrhaftige Liebe ist. Wenn Gott uns damit erfüllt, sind wir zu Grossem fähig. Hat unsere Liebe an IHM den Massstab, wird Segen daraus.

Ich staune stets darüber, wie oft behauptet wird, jeder wisse selber am besten, was echte Liebe ist; Gott sei dafür nicht nötig, alles Wichtige liege in uns!

Der Christ aber distanziert sich von dieser Überheblichkeit. Nur ein von Sünde gereinigtes Herz kann diese grosse Liebe Gottes aufnehmen: Was Menschen als Liebe bezeichnen, ändert dauernd. Die Liebe aus Gott aber bleibt beständig und treu.

Mit dem Glauben ist es genauso: Glaube ist ein Geschenk Gottes. Der Heilige Geist entzündet den Glauben in uns: Darum kann kein Drohen und keine Gefahr ihn auslöschen.

Die andern beiden Dinge: Hilfsbereitschaft und Beharrlichkeit – es sind die sichtbaren Auswirkungen der Liebe; es sind die konkreten Anwendungen des Glaubens. Bei Jesus Christus und in seinem Wort muss man „in die Schule gegangen sein“, damit dies gelingt: Der Mensch trägt wohl ein Sehnen nach diesem Grossen in sich. Er verfügt über ein Gespür für dessen Echtheit. Doch nur der Geist Gottes ist der Geber dieses Grossen. Wenn Gott ein Gebet erhört, dann sicher dieses: Wenn wir IHN um SEINE Liebe bitten, und um jenen Glauben, der von SEINEM Geist durchtränkt ist (es soll niemand behaupten, Gott erhöre heutzutage keine Gebete mehr, wenn er nicht so gebetet hat!).

Weiter lesen wir: „…und ich weiss, dass deine letzten Werke zahlreicher sind als deine ersten.“  [aus Vers 19] Der Kontrast zu Ephesus fällt auf, wo Jesus sagt: „…dass du deine erste Liebe verlassen hast!“ [Offenbarung 2,4] Dort hat sich manches abgekühlt, hat einem christlichen Routine-Betrieb Platz gemacht.

Hier in Thyatira geschah noch keine Verfolgung: Die Treue zu Jesus ist noch nicht so erprobt, wie es an andern Orten schon geschah. Ihr Idealismus ist noch ungebrochen, ihre Standhaftigkeit noch nicht aufs Äusserste strapaziert. Doch – da ist etwas faul in den eigenen Reihen: Ihr Christen leben ist noch frisch und optimistisch. So fehlt ihnen das geistlich geschulte Auge, um dies zu sehen!

2 … erfährt eine besonders strenge Beurteilung

Wieder schöpft die Offenbarung aus dem reichen Schatz des AT: Um das Neue Testament tiefer zu verstehen, muss man stets auch ins AT eintauchen – und umgekehrt! „Aber ich habe dir vorzuwerfen, dass du die Isebel gewähren liessest, die sich Prophetin nennt und die als Lehrerin auftritt…“ [aus Vers 20]

Isebel war die Frau des israelitischen Königs Ahab. Durch diese Stellung konnte sie Israel dazu verführen, sich wieder dem heidnischen Baals-Kult hinzugeben: Isebel galt darum als Inbegriff der Irrlehre und Verführung. [1.Kön 16,31; 21,25; 2.Kön 8,18; 9,22]

Es war in Thyatira wohl nicht eine Frau, die dies tat, sondern eher eine Gruppierung mit ihren Anschauungen. Was rechtfertigte denn diesen Vergleich mit der bösen Isebel? Was war es, das ihre eifrige Liebe zu Jesus trübte?

Es ist etwas scheinbar Gutes und Nützliches. Wir würden es als „Toleranz“ bezeichnen. Doch – diese Toleranz hier entsteht, wenn das Herz sich aus der Verbindung mit Gott löst: wenn es sich nach dem richtet, was der Mensch „gut“ nennt:

Nun steht nicht mehr das ewige Heil, sondern das momentane Glück des Menschen im Mittelpunkt: ‚Wir müssen als Kirche doch das tun, was den Menschen wirklich etwas bringt; etwas, das sie verstehen können und für sie wichtig ist.‘

Heutzutage wird uns oft geraten: Die Kirche muss relevant sein für die Leute. Sie muss auf der Höhe der Zeit sein, damit kommt sie an. Man müsse die Menschen fragen, was zeitgemäss sei. Und die Bibel, das Wort Gottes, braucht man nicht mehr dafür? Anscheinend ist dies nicht mehr nötig, denn nun hat man ja eine bessere Informations-Quelle…! So geschieht in unsern Tagen die tödliche Verführung innerhalb der Kirche – obwohl alles so harmlos klingt!

Weiter sagt Jesus zur Kirche in Thyatira: „…dass du die Isebel gewähren liessest… [aus Vers 20]  die meine Knechte dazu verführt, sich der Unzucht hinzugeben und Fleisch zu essen, das den Göttern geweiht ist.“

In ihrer naiv verstandenen „Toleranz“ haben sie den Geist von unten ‚in frommer Gestalt‘ hinein gelassen: Diese so eifrigen Christen sind an diesem Punkt hilflos. Sie sind unerfahren im Umgang mit den Tarnanzügen des Feindes und seiner Helfershelfer. Sie möchten Gutes tun und spielen das Spiel des Widersachers. Sie wollten die Lage der Kirche verbessern, so sagten sie: ‚Es ist nicht im Sinne Jesu, uns von den Heiden abzuschotten!? Wir nehmen an ihren Zeremonien und Ritualen teil und sind mit unserer Anwesenheit ein Licht für Jesus!? Ist nicht dies ein Zeichen unserer Liebe zu den Menschen!?‘

Da geht es um einen ‚Geist der Liebe‘, der nicht von oben ist: Er wird nicht genährt durch das Wort der Wahrheit der Bibel. Er wird dem Heiligen Geist nicht zur Prüfung vorgelegt. Diese ‚Liebe‘ kommt aus menschlichen Wünschen. Sie pflegt Ideen, die nicht am Wort Gottes den Massstab haben. Diese Liebe unterscheidet nicht die Geister. Sie bändigt nicht die Kräfte der Sünde und des Fleisches, sondern gibt sich ihnen hin in der naiven Haltung: ‚Was wir Menschen mögen, wird wohl auch Gott absegnen!‘

Nun wird Jesus rabiat: „…und ihre Kinder werde ich in den Tod schicken. Alle Gemeinden werden dann erkennen, dass ich es bin, der Herz und Nieren erforscht!“ [aus Vers 23]

Nicht um biologische Kinder dieser sprichwörtlichen „Isebel“, sondern um die Anhänger dieser Irrlehre geht es: Sie stellen sich mit ihrer Erkenntnis über Gott! Dies war und ist zu jeder Zeit das Tragische: Stets gingen diese Teile der Kirche wieder unter; auch wenn sie sich selbstbewusst brüsteten und meinten, sie seien auf der Höhe der Zeit und ihnen gehöre die Zukunft. Immer wenn die Kirche sich von der Klarheit der Bibel abwendet, um ihre eigene Weisheit zu verkündigen, bricht sie auseinander.

Die Gemeinde Jesu prüft mit der Heiligen Schrift die Geister: Sie muss tief in der Botschaft Jesu verwurzelt sein, damit sie beurteilen kann, was wahrhaftige Liebe ist. Der Heilige Geist wirkt durch das Wort der Bibel an uns – denn ER tut nur das, was aus Gott stammt: So sind wir fähig, zu unterscheiden, was nicht zusammen gehört; und zu verbinden, was in IHM schon lange verbunden ist.

Wo sind die Eltern, die ihre Kinder und Jugendlichen zur geistlichen Widerstandskraft erziehen? Wo sind die erfahrenen Christen, die andere darin anleiten, wie ihr geistliches Auge geschult wird, damit sie die Wahrheit Gottes von der Täuschung unterscheiden? (2 Jahre lang war die halbe Welt damit beschäftigt, Widerstandskräfte gegen ein Virus zu entwickeln: Wer aber ruft zum geistlichen Widerstand auf gegen jene Mächte, die die Gemeinde Jesu tödlich bedrohen?).

3 … und wird durch Verheissungen gestärkt

Die Gerichtsworte Jesu sind auffällig scharf: Gesegnet ist jene Kirche, die durch Jesus streng geläutert und so für den Dienst in der Welt gerüstet wird. Warum begegnet Jesus dieser Kirche so streng? Weil er sie über alles liebt. Die Liebe ist das Innerste und Tiefste in Gott. Wer SEIN Eigentum ist, wird ausgerüstet mit dem Höchsten; das Höchste ist die ganze Treue, das ganze Vertrauen. Nur Gott kann die Kirche zur ganzen Treue erziehen. Nur ER kann sie zurückführen zum Gehorsam unter SEIN Wort.

Wie grossartig ist es doch, Jesus treu zu sein: Dies tut für uns den weitest möglichen Horizont auf. Und wie kleinkariert steht daneben der oft gehörte Grundsatz: ‚Du musst nur dir selber treu bleiben!‘ Es ist wie ein Schwur, im Kerker des eigenen Ichs zu bleiben!

Jesus will nicht, dass SEINE Gemeinde die Grenze verwischt zwischen dem Willen Gottes und den Wünschen dieser Welt. Den Unterschied zwischen Heiligem Geist und dem Geist dieser Welt sollen wir jederzeit klar sehen: Darum bringt Gott Not und Schmerzen über seine Gemeinde. Darum bringt ER Gefahr über eine ganze Generation (möglich ist es, dass die aufziehenden Schrecken des Krieges in unsern Tagen damit etwas zu tun haben).

Gott handelt aus Liebe an SEINER Kirche, damit sie neu gesammelt wird und sich neu IHM weiht: Darum sollen wir nicht klagen über schwierige Zeiten, sondern aufmerksam beobachten, was Gott uns damit sagt.

Der Schluss des Briefes ist wunderbar: „Doch was ihr habt, das haltet fest, bis ich komme!“  [Vers 25] Festhalten sollen wir an dem, was Gott uns gegeben hat. Nichts hinzufügen, nichts davon weglassen – so wird der Weg der Kirche zum Segensweg.

Es ist nicht nötig, das kräftige biblische Evangelium auszutauschen gegen eine seichte Wellness-Religion: Der nach-christliche Mensch unserer Zeit hat sich alle möglichen „Ersatz-Religionen“ zusammengebastelt. Da und dort versuchen die Kirchen das Gleiche zu tun: Es ist nur Hilflosigkeit und Zeichen der Selbstauflösung (weltliche Menschen werden davon keineswegs angezogen, sondern quittieren es mit höhnischem Gelächter!).

Jesus macht SEINER Gemeinde Mut, bei dem zu bleiben, was ihr von Anfang an geschenkt ist: Beim Wort Gottes! Wir legen die Bibel nicht nach Lust und Laune aus. Wir bitten täglich um den Heiligen Geist, damit ER uns leitet im Verstehen der Heiligen Schrift. Und jeder Ausleger und Verkündiger kann nur wirken, wenn er es in der Kraft des Heiligen Geistes tun darf: Wenn der Geist Gottes ihn leitet und befähigt, wird das Erforschen der Bibel zum grossen Gewinn – und zur reichen Frucht für die Gemeinde Jesu.

„Doch was ihr habt, das haltet fest, bis ich komme!“  

Ja, Jesus kommt bald! Wir leben als SEINE Gemeinde nicht im luftleeren Raum. Wir kennen jenes Ziel, das der Welt verborgen ist. Wir sind unterwegs auf jene Erfüllung, die menschliches Denken nicht voraus sehen kann.

Der Christ weiss, wohin unsere Welt unterwegs ist: Sie geht nicht dem Untergang entgegen, wie momentan alle Untergangs-Propheten uns erzählen. Nein, sie geht Jesus Christus entgegen.

Wenn die christliche Gemeinde in dieser Gewissheit lebt, dann geschieht etwas Wunderbares in ihr: Sie lebt in einem viel weiteren Raum der Erwartungen, in einer viel grösseren Welt der Empfindungen, der Hoffnungen und des Denkens als dies dem gott-fernen Menschen möglich ist. Sie geht einer grossen Zukunft entgegen – während unsere Gegenwart nur immer redet von Gefahren, von Abstiegs-Szenarien und von schmerzlichen Verlusten.

Klar, muss man sich vor Verlusten fürchten, wenn man keinen andern Besitz hat als das Irdische, wenn keine andere Kostbarkeit mehr da ist als das Materielle und das körperliche Leben!

Die Gemeinde Jesu hat Grösseres, Tieferes, Kostbareres, wenn sie mutig dazu steht, was Jesus ihr anvertraute.

Wir als Kirchgemeinde wollen diesen Mut aufbauen; uns gegenseitig dazu anspornen; und nichts verschweigen von all dem Grossen, das Gott uns schenkte.

A M E N

Bild:  schutterstock.com  Schriftzug: Lydia Caviezel, https://schoen-schreiberei.ch/