Mindestens sind sie eine Himmelserscheinung …
Mich fasziniert Astrophysik schon länger. Aber es geht diesmal nicht um die Sterndeuter aus dem Osten, sondern eben, um Schwarze Löcher. Hier stösst der Mensch an Grenzen! Weihnachten – das wurde mir bewusst wie nie zuvor, ist für die Menschheit eine ultimative GrenzÜBERSCHREITUNG!
Die beiden in verschiedenen Bereichen engagierten Astrophysiker Arnold Benz *) und Heino Falcke **) haben mir neue Horizonte eröffnet.
Brüssel, Pressesaal Europäische Kommission, 10. April 2019, 15.07:
Heino Falcke präsentiert der Weltöffentlichkeit zum ersten Mal die Aufnahme eines riesigen Schwarzen Lochs. 55 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt befindet es sich im Zentrum der Galaxie Messier 87 – oder kurz M87. …
Gründonnerstag, 18. April 2019 – Heino Falcke spricht vor Astronomen in Cambridge… Im Publikum sitzt Martin Rees, der britische Hofastronom, der in den 70er Jahren die Idee Schwarzer Löcher überhaupt erst hoffähig gemacht hatte. … Er stellt die entscheidende Frage: „Was sehen wir eigentlich auf dem Bild? Den Ereignishorizont?“ – „Seinen Schatten!“ antworte ich und fühle mich im selben Augenblick wie ein Schatten meiner selbst. ….
Schwarze Löcher symbolisieren in unserer Vorstellungskraft das alles verschlingende Nichts, ohne Grenze, an der jegliches Leben und Verstehen aufhört – den Blick in den Höllenschlund eben. …. In ein schwarzes Loch könnte ich hineinfallen, dort im Prinzip auch überleben und sogar wissenschaftliche Messungen vornehmen – aber ich kann niemandem jemals erzählen, was ich dort sehe. Keine Informationen verlassen ein Schwarzes Loch, nicht einmal Lichtwellen. Schwarze Löcher bringen uns dem Jenseits näher.
Das Jenseits existiert tatsächlich – selbst in der Physik. In der Allgemeinen Relativitätstheorie hat das Jenseits nichts Übersinnliches, sondern ist sogar wichtiger Teil der Theorie, welche die Welt in zwei Bereiche trennt: Das Diesseits ist der Raum, mit dem ich verbunden bin, aus dem ich Informationen erlangen kann und der mit mir kommuniziert. Und dann gibt es das Jenseits, den Raum, der fundamental jenseits meiner Erfahrbarkeit liegt. Von ihm erfahre ich nichts; er schweigt mich an. Getrennt werden die beiden Sphären durch meinen Horizont. …
Dieses ewige Jenseits der Schwarzen Löcher ist eine der grössten Herausforderungen der modernen Physik. In der Theorie ist der Raum hinter dem Ereignishorizont klar verortet, und doch existiert er nur in unserer Vorstellung. Er ist genauso real wie völlig unwirklich. Mit unseren Radioteleskopen können wir heute mit erstaunlicher Präzision sichtbar machen, wo in den Tiefen des Alls das Tor zum Jenseits liegt. Wir können es physikalisch beschreiben und sehen sogar, wie Licht als dunkler Fleck darin verschwindet und niemals wieder zum Vorschein kommen wird.
„Dort, genau dort ist es“, können wir sagen, „genau an dieser Stelle existiert ein Raum, der nicht von dieser Welt ist.“ Nur um danach die Hände hilflos in den Schoss zu legen und uns einzugestehen, dass wir ihn nicht messen können. Schwarze Löcher sind das Jenseits mitten in unserem Diesseits.
Für Physiker gleicht dies einer Bankrotterklärung. Was ist das für eine Physik in einem Raum, der mitten in unserem Universum an einer klar definierten Stelle existiert, der sich aber jeglicher Überprüfung entzieht? Ist das überhaupt noch Naturwissenschaft? „Ja, natürlich ist das Physik“ halten mir theoretische Physiker entgegen, „denn wir können genau berechnen, was in diesem Raum passiert!“ – „Nein, Physik ist das nicht!“ erwidere ich. „Das ist Jenseitsphysik.“ Oder eben Metaphysik.
Bei Bethlehem, auf dem Feld bei den Hirten, vor gut 2000 Jahren:
Die Engel verkünden den Hirten Gottes «metaphysische Grenzüberschreitung» die uns seinen Frieden auf Erden bringt! Der Schöpfer des Universums hat sich entschlossen, sich durch Jesus Christus in unserer Welt zu offenbaren!
So lese ich in Kolosser 2,9-11 (nach The Message Bible)
Alles von Gott kommt in Christus zum Ausdruck, so dass man ihn (Gott) klar sehen und hören kann. Du brauchst kein Teleskop, kein Mikroskop und kein Horoskop, um die Fülle Christi zu erkennen und die Leere des Universums ohne ihn. Wenn du zu ihm kommst, kommt diese Fülle auch für dich zusammen. Seine Macht erstreckt sich über alles. Der Eintritt in diese Fülle ist nicht etwas, das man sich ausdenkt oder erarbeitet. Nein, ihr seid schon drin – Insider – nicht durch einen geheimnisvollen Initiationsritus, sondern durch das, was Christus bereits für euch durchgemacht hat, indem er die Macht der Sünde zerstört hat. Als du in deinem alten, sündentoten Leben feststecktest, warst du unfähig, auf Gott zu reagieren. Gott hat dich lebendig gemacht – zusammen mit Christus! Stell dir das vor!
Klingelt es Euch auch?
Und das geschah ganz unscheinbar und leise – ohne Urknall – mal vom Gesang der Engel abgesehen 😊. Aber die Sterndeuter aus dem Osten ahnten es sogar und liessen sich zum König führen! Die ganze «leibliche Präsenz» Gottes in Christus – von Krippe bis Himmelfahrt – ist tatsächlich der «neue Urknall» – ein Schöpfungsakt Gottes, der uns über Raum und Zeit hinaus mit dem Jenseits verbindet. Und dazu noch eine interessante Beobachtung: Das Jenseits, die «Ewigkeit» ist selbst im Neuen Testament nicht in erster Linie eine quantitative, sondern eine qualitative Realität.
Mein Freund Dieter Gottschall hat sich intensiv mit dem «Zeitgeist» auseinandergesetzt. U.a. untersuchte er den griechischen Begriff «αιων».
In der Bibel wird Äon zur Bezeichnung von zwei Begriffen gebraucht, die eigentlich im tiefsten Gegensatz zueinanderstehen:
– die Ewigkeit Gottes und
– die Zeit der Welt.
(Die Bedeutung „Weltzeit, Weltlauf“ kann in „Welt“ übergehen, sodass Äon sich dem Begriff κοσμος Kosmos nähert.)
Paulus gebraucht für seine Eschatologie (Zukunftslehre) das Wort αιων zur Bezeichnung des durch die Sünde beherrschten Weltverlaufes ohne Christus (Gal 1,4 vgl. Röm. 12,2). Satan ist zwar der Gott dieses Äons (2.Kor. 4,4), die gegenwärtige Welt wird von bösen dämonischen Mächten beherrscht, aber der Macht der Finsternis steht die sieghafte Herrschaft Christi gegenüber (Kol 1,13).
Christus ist die Wende der Zeit. Mit ihm und nicht durch zwangsläufige Geschichtsabläufe ist das JETZT DES HEILS eingetreten.
Für den Glaubenden gehört der gegenwärtige Äon der Vergangenheit an. (1.Kor.1,20; 3,18; 10,11)
Der Ausdruck „ewiges Leben“ „αιονιος“ ist als Gott zugehörendes Leben zu verstehen. Johannes versteht als ewiges Leben die Christuszugehörigkeit im Glauben, in der Liebe und im Halten der Gebote Christi (Joh. 3,15f; 5,24; 17,3).
Mit dem Wort „ewig“ wird hier eine bestimmte Qualität angedeutet: es ist ein anderes Leben als die alte Existenz, die von Hass, Mangel an Liebe, Sünde, Schmerz und Tod gekennzeichnet ist. Ewiges Leben fängt darum nicht erst in Zukunft an, es ist jetzt bereits Besitz derer, die in die Christusgemeinschaft eingetreten sind (Joh. 3,15).
Klar, «theologisch» habe ich hier nichts «Neues» aufgegriffen. Aber auf dem Hintergrund der Schwarzen Löcher und dem dort georteten Erfahrungshorizont für uns Menschen wird Weihnachten zum ultimativen Durchbruch zwischen Jenseits und Diesseits.
Natürlich war Gott immer überall präsent, offenbarte sich auch punktuell – aber eine neue, ewige Lebensqualität war unerreichbar. Der Lebens-Zugang musste vom Jenseits geöffnet werden – Kol. 2,13: Als du in deinem alten, sündentoten Leben feststecktest, warst du unfähig, auf Gott zu reagieren. Gott hat dich lebendig gemacht – zusammen mit Christus! Stell dir das vor!
Gott hat in Christus vor 2000 Jahren FÜR UNS den Zugang geöffnet – ich durfte mich auf ihn einlassen und er wohnt in mir! Jedes Gebet zu diesem mächtig-gnädigen Schöpfergott ist Kommunikation zwischen Diesseits und Jenseits – ist Leben – EWIGES Leben! Hier und heute, mitten im diesseitigen Raum. Ich bin neu gespannt, wie für mich die definitive Überschreitung des menschlichen Erfahrungshorizontes einmal aussehen wird! Ich weiss: Gott bleibt derselbe!
Gesegnete, HELLE Weihnachten!
*) «Das Universum – Wissen und Staunen» von Arnold Benz/Ruth Wiesenberg Benz
http://www.arnoldbenz.ch/ «Schon lange haben mich neben der beruflichen Tätigkeit die Grossen Fragen nach Ursprung, Sinn und Ziel von Kosmos und Leben beschäftigt…. Es hat mich gereizt das Gespräch mit der Theologie zu suchen, welche diesen Fragen schon seit Jahrtausenden nachgegangen ist…»
**) «Licht im Dunkeln – Schwarze Löcher, das Universum und wir» von Heino Falcke und Jörg Römer (Zitate im Text oben S. 354ff)
Heino Falcke ist Vorsitzender des «EHT Science Council». EHT, deutsch Ereignishorizontteleskop, ist ein Verbund von Radioteleskopen, um mittels Very Long Baseline Interferometry (VLBI) weit entfernte Schwarze Löcher zu untersuchen.
https://www.youtube.com/watch?v=HGN_DHoNvSM – Interview mit dem Spiegel Journalisten Jörg Römer – «Gottlose Physik ist für mich nicht möglich»…
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