Summary
Komplexität durchdringen, erforderliche Prioritäten setzen, interdisziplinäre Beziehungen leben – drei Key Points für Leadership 24! 2023 war bereits ein anstrengendes Jahr. Konflikte verfestigen sich, die Komplexität steigt! Was bedeutet dies für 2024, was mittel- und längerfristig? Es wird nicht einfacher, da die Komplexität weiter steigt.
Die richtigen Prioritäten zu setzen kann schon zu normalen Zeiten herausfordernd sein. Zu gross sind oft die Interessenunterschiede und Machtansprüche. Zum Ukraine Krieg kommen die Konflikte in Nahost, die zu immer mehr kriegerischen Auseinandersetzungen führen. In der Ukraine und in Israel geht es um einen Überlebenskampf des eigenen Landes, deren geopolitischen Auswirkungen nicht abzusehen sind. Hinzu kommen die „systematischen“ Auseinandersetzungen in Politik und Wirtschaft.
Zeit, um über Prioritäten nachzudenken, im laufenden Jahr und langfristig. Worauf sollten wir uns einstellen? Bei den geopolitischen Entwicklungen, der Digitalisierung und in unseren persönlichen Lebensbereichen. Welche Zeichen der Ermutigung können wir setzen?
1 Ständig zunehmende Informationsfluten
1.1 Unendliche Verknüpfungen
Wir werden ständig mit Informationen geflutet! Wie entstehen „Informationsfluten“? Ein Grund sind die unendlichen Verknüpfungen. Hierzu Gedanken aus einem Interview, das die renommierte Unternehmensberatung Roland Berger bereits vor längerer Zeit mit Dirk Helbig von der ETH Zürich führte:
Eingangsfrage: Wir haben hervorragende Technologien und Zugriff auf mehr Daten als je zuvor, aber dennoch scheint es, als ob wir zunehmend die Kontrolle über unsere Welt verlieren. Passiert das trotz des technologischen Fortschritts? Oder genau deswegen?
Helbig: Das Problem ist nicht die Technologie selbst, sondern wie wir sie nutzen. Die Rechenleistung der Computer wächst drastisch, doch die Menge der Daten wächst noch schneller und die Komplexität der weltweiten Systeme ist endlos. Durch die Globalisierung schaffen wir immer mehr Verknüpfungen von allem mit allem innerhalb eines einzigen Systems. Dies führt zu unendlich vielen Kombinationsmöglichkeiten und so zu einer immer komplexer werdenden Situation.
Weiter führt Helbig aus: Und was ist das komplexe Problem von heute? Es ist das übermäßige Miteinander-Verknüpft sein. Weiter führt Helbig aus, das heutige Globalisierungsmuster hat zu Systemen geführt, die zu stark miteinander verknüpft sind. Weitere Verbindungen zu bereits übermäßig verknüpften Systemen hinzuzufügen, ist risikoreich. Quelle: Reden wir über Komplexität – Wie man das System entwirrt – Dirk Helbig – Roland Berger 10/2017
Mit der Einführung der generativen KI bekommen die Ausführungen Helbigs noch mehr Gewicht. Sam Atman, der führende Kopf von OpenAI, dem Erfinder von ChatGPT, spricht im Januar 2024 auf dem WEF World Economic Forum in Davos nicht nur über Erfolge und das Potential von KI, sondern auch offen über die Gefahren, die von KI ausgehen. Auch andere Leader in der KI-Welt fordern daher eine Regulierung von KI. Es gibt also viele Gründe sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung und insbesondere der generativen KI zu befassen.
1.2 Informationsfluten
Datenverfügbarkeit (Big Data)
Mit der Digitalisierung sind wir alle zu Datenlieferanten geworden. Durch die vielseitige Nutzung von digitalisierten Abläufen und Prozessen entstehen täglich neue Daten über unser Verhalten. Ein grosser Teil der Daten befindet sich in Systemen der Betreiber und im Internet. Wir hinterlassen Informationen über unser Denken und Handeln aus unserem persönlichen Leben, als Gruppe, in der wir uns zu erkennen geben oder auch unfreiwillig zugerechnet werden.
Eine Vielzahl von Anbietern analysiert uns und unser Verhalten und erstellt Analysen über uns persönlich und unsere „Zugehörigkeiten“. Man kennt uns! Wir werden angesprochen, beworben und nach unserer Meinung gefragt.
Durch das Internet und die Vernetzung von Daten mit unterschiedlichen Systemen besteht eine hohe, weltweite Datenverfügbarkeit für professionelle Nutzer, aber auch für jeden Einzelnen. Mehr Informationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Big_Data
Digitale Analysen und Interpretationen
Wie lassen sich grosse Datenmengen gut, richtig interpretieren? Jedermann ist freigestellt, nach eigenen Kriterien zu suchen. Es ist nicht nur mühsam und zeitaufwendig, es stellt sich schnell die Frage, wo soll ich suchen? Welche Datenmengen kann ich selbst bearbeiten? Zu wenig, um zu weitreichenden Erkenntnissen zu gelangen. Ich brauche einen Assistenten, der grosse Datenmengen schneller und besser durchsuchen kann. Googlen ist zum Synonym dafür geworden.
In diesem Moment muss ich akzeptieren, dass ein anderer bestimmt, nach welchen Kriterien meine „Suche“ erfolgt, interpretiert wird. Mit welchen Algorithmen in Big Data gesucht wird.
Digitale Analysen sind von folgenden Kriterien abhängig:
- Von der Menge und der Qualität der verwendeten Daten
- Von der Qualität der Abfrage und der Analyse, somit von den verwendeten Algorithmen
Die Auswahl von Daten und Algorithmen ist stark interessengeleitet. Z. B. vom wirtschaftlichen Erfolg, der Anzahl von Reaktionen und Likes etc. Es entstehen unendliche Verknüpfungen, die inhaltlich sinnvoll sind, aber auch sinnlos sein können. Leadership steht vor der Herausforderung, beides zu unterscheiden und Orientierung zu geben.
1.3 Generative KI
KI ist keine ganz neue Entwicklung. Sie begegnet uns in vielen digitalen Leistungen, die wir täglich in Anspruch nehmen. Ohne KI wären auch die vorgenannten Entwicklungen mit Big Data, digitalen Analysen und Interpretationen nicht möglich. Warum dieser Aufschrei im Jahr 2023? Warum die anhaltenden hohen Erwartungen und Befürchtungen in der digitalen Entwicklung durch KI?
Was ist einfach ausgedrückt das Neue an ChatGPT, Copilot und den vielen andern Anwendungen? In den beiden vorangegangenen Abschnitten ging es um das Sammeln, Strukturieren, Analysieren und Interpretieren von Daten. Die Generierung von neuen Inhalten, von neuen Texten, Bildern und Anwendungen erfolgte durch menschliche Intelligenz.
In Systemen, die generative KI zur Verfügung stellen, können von jeder Person durch Fragestellungen, den sogenannten Prompts, neue Inhalte, wie Texte, Bilder, Anwendungen etc. erstellt werden. Damit kann Expertenwissen unabhängig vom eigenen Wissensstand generiert und verbreitet werden. Eine Chance der Weiterbildung für alle, unabhängig vom eigenen Status. Gefährlich, da noch mehr sinnlose Inhalte und Verknüpfungen entstehen. Eine Entwicklung, auf die wir bei zunehmender Komplexität nicht vorbereitet sind, für die gute Anwendungsregeln und rechtliche Bestimmungen fehlen.
2 Komplexität durchdringen
Durch die Anwendung von KI entstehen ständig neue Entwicklungen, immer bessere Ergebnisse. Beispiel Gesundheit: Analysen werden immer besser und die medizinische Versorgung kann immer individueller gestaltet werden. Die Realtime Übermittlung von Bewegungsdaten ermöglicht uns eine exakte Zeitplanung beim Reisen sowie in der Logistik und damit auch in der Kriegsführung.
Wir sehen aber auch, wie die komplexen Entwicklungen immer mehr Menschen fordern, ja überfordern. Hieraus folgen vielfach Resignation und Verunsicherung. Wie können wir dem entgegenwirken? Indem wir Komplexität besser durchdringen, um Orientierung zu geben.
Wenn unsere Welt komplex ist und mit immer neuen Informationen noch komplexer wird, ist es Aufgabe von Leadership Orientierung zu geben, die ermutigt. Wenn es um die Durchdringung von Komplexität geht, erlebe ich bei christlichen Leitern immer wieder eine gewisse Skepsis und Zurückhaltung. In meinen beruflichen Tätigkeiten (Luftfahrt Industrie, industrielles Risiko & Insurance Management, Business Architecture & Consulting) durfte ich sehr positive Erfahrungen machen, die mich bis heute prägen und motivieren. Ein Schlüssel ist die fachübergreifende, die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Sie verbindet und findet neu Lösungen für veränderte Entwicklungen. Ein kurzer Ansatz zum Weiterdenken.
2.1 Sortieren, bewerten, bereitstellen von Informationen
Das Sortieren, Bewerten und Bereitstellen von Information, Leistungen und Gütern ist die Grundlage für eine leistungsfähige Logistik. Durch Vernetzung von Produkten und Leistungen, die Lieferketten rund um den Globus betreiben, kommt es zur Lieferung von qualitativ hochwertigen Produkten und Dienstleistungen.
Das Sortieren, Bewerten und Bereitstellen von Information und das Bilden von Lieferketten ist auch für die Wissensvermittlung von elementarer Bedeutung für hochwertige Ergebnisse. Dies ist auch eine Anfrage an die Wissensvermittlung, an die Interpretation von Informationen, an die Bildung von Meinungen und Standpunkten.
Der Umgang mit Big Data und KI ist für unser Zusammenstehen als Christen von grundlegender Bedeutung! Wie gut kennen wir unsere Zulieferer (Quellen) und ihre Produkte (digitalen Outputs)? Die Grundlagen der Meinungsbildung in unserem Umfeld? Reicht es für ein Gesamtbild? Können wir mit unseren Informationen bei unseren „Abnehmern“, unseren Zuhörern bestehen? Sortieren und bewerten von Informationskanälen, Informationsquellen und deren Output ist eine wesentliche Grundlage zur Durchdringung von Komplexität, für Ermutigung und Resilienz.
2.2 Priorisieren: Wenn weniger mehr ist!
Schon das Sortieren, Bewerten und Bereitstellen von Information bedarf einer Priorisierung. Hinzu kommt die Priorisierung von Zielen, um nicht im Uferlosen zu landen.
Bei Überflutungen ist die Konzentration auf das Wesentliche (über)lebenswichtig. Das gilt für die Informationsfluten, die täglich über uns hereinbrechen, unsere Aufmerksamkeit suchen. Weniger ist mehr ist eine alte Weisheit, die in unserer Zeit eine neue Bedeutung bekommt.
Die Reduktion auf das Wesentliche ermöglicht eine Konzentration auf unsere Ziele, eine Stärkung unserer notwendigen Entwicklungen im Wettbewerb, dem wir ausgesetzt sind.
Priorisierung erfordert Investitionen, wie die Durchdringung von Komplexität, die Nutzung der richtigen Werkzeuge und die konsequente Ausrichtung auf Werte. Eine Investition, die ertragreich ist. Priorisierung ist mehr als eine Option, sie ist ein Schlüssel, um Ziele zu erreichen!
2.3 Vertrauenswürdige Quellen
Ein praktischer Punkt der Priorisierung ist die Nutzung vertrauensvoller Quellen. Im Alltag begegnen uns oft Personen, ob persönlich oder digital, die auf ihrem Gebiet kompetent und vertrauenswürdig sind. Sie können eine vertrauensvolle Quelle sein und geben oft auch Hinweise auf andere vertrauenswürdig Personen oder Quellen.
Es lohnt sich, diese Personen und Quellen so zu erfassen, dass sie bei Bedarf abrufbar sind. Im Think Tank CornerStone verfügen wir über eine Research Datenbank. Wir erfassen unter (1) Weiterdenken mit … vertrauenswürdige Personen mit ihrem Kompetenzbereich und unter (2) Weiterdenken über … themenbezogene Beiträge. Jeder hat in seinen digitalen Geräten die Möglichkeit, seine vertrauenswürdige Personen und Beiträge so zu erfassen, dass sie auswertbar, bei Bedarf abrufbar sind.
Unser Ziel als CornerStone ist der persönliche Austausch mit vertrauenswürdige Quellen. Fragen? Gedanken? Bitte an juergen.rintz@ttc-cornerstone.org
3 Leadership in Zwischenzeiten
Wir befinden uns in Umbruchszeiten, einer Zeitenwende. In einer Zeit, in der viele bisherige Annahmen von der Realität überholt werden und der Umgang miteinander sich stark verändert. Zwischenzeiten sind immer Zeiten mit besonderen Herausforderungen! Was passiert, wenn bisherige Annahmen nicht mehr aufgehen, die Umstellung auf die neuen Gegebenheiten besonders schwer fällt und das Zusammenwirken von Globalisierung und Digitalisierung verunsichert, sogar als Bedrohung empfunden wird?
Wir haben eingangs festgestellt, dass immer mehr Daten und immer mehr Verknüpfungen nicht automatisch zu besseren Erkenntnissen, zu mehr Übersicht und Gemeinsamkeit führen. Wie gehen wir mit dieser Herausforderung um? Nachstehend drei Punkte für Leadership, persönlich und miteinander.
3.1 Prioritäten
In Zeiten, in denen ein hoher Handlungsbedarf besteht, ist nicht nur die Priorisierung von Themen und Ressourcen Leadership Aufgabe, es bedarf einer Reihenfolge der Umsetzung. Was baut aufeinander auf? Was hängt voneinander ab?
Bei komplexen Zusammenhängen kann es hilfreich sein Ziele, Prioritäten und die Abfolge in der Umsetzung in einer einfachen Matrix darzustellen und mit allen Beteiligten zu kommunizieren. Übersicht schafft Vertrauen und Motivation!
Vorteil ist, dass uns die digitalen Werkzeuge bei der Planung, Umsetzung und der Kommunikation zwischen allen Beteiligten gut unterstützen können.
3.2 Resilienz
Wir sind nicht allein auf dieser Welt! Wir entscheiden nicht, ob wir von aussen herausgefordert werden, zum Kampf aufgefordert werden, überwinden müssen, um zu bestehen. Dies gilt nicht nur für die säkulare Welt, es gilt auch für uns Christen. Wie resilient sind wir bei den Herausforderungen unserer Zeit?
Die Briefe von Jesus Christus (Sendschreiben Offenbarung 1-3) geben uns einen guten Einblick in die Herausforderungen der ersten Gemeinden und die Antworten von Jesus. Eine Zusammenfassung befindet sich auch auf unserem Blog: https://ttc-cornerstone.org/jesus-christus-sendschreiben-an-uns/ und https://ttc-cornerstone.org/cornerstone-paper-bibeltexte-sendschreiben-teil-2/ Eine Einladung zu einer hohen Resilienz, für Überwinder!
Martin Schleske kommt in seinem Buch Werk | Zeuge zu einer wertvollen Aussage:
Wir haben wenig Einfluss, was uns widerfährt, aber wir haben einen grossen Einfluss auf das, was wir erfahren. Denn was bedeutet Erfahrung anderes, als dass wir die Geschehnisse auf unsere je eigene Art erlebt, gedeutet und verarbeitet haben? Wir können das Gute nur erfahren, wenn wir es wahrnehmen. Quelle: Martin Schleske, Werk | Zeuge, Seite 614, bene-verlag
Eine Ermutigung für Leadership in unserer Zeit.
3.3 Interdisziplinäre Beziehungen
Warum interdisziplinäre Beziehungen?
Die Umsetzung der vorgenannten Gedanken kann in unserer Zeit weder von einzelnen Personen und auch nicht von einem einzelnen Fachbereich erreicht werden. Die Systeme, mit denen wir arbeiten und argumentieren sind komplex. Es braucht Kompetenz, Erfahrung und die Bereitschaft einander zuzuhören und einzelne Module so zu verbinden, dass ein Gesamtbild über eine Situation, eine Zielsetzung etc. entsteht. Diese Notwendigkeit besteht nicht nur im säkularen Bereich, sondern auch im kirchlichen, gemeindlichen Umfeld.
Jesus spricht durch verschiedene Gleichnisse über unterschiedliche Lebenssituationen zu uns. Sie ergeben ein Gesamtbild, nach dem wir uns orientieren, ausrichten können. Jesus nimmt auch eine Priorisierung vor, in dem er uns sagt, was das Wichtigste ist und was der Verlust des Wichtigsten bedeutet. Wir sind aufgefordert zu wachen, Spreu und Weizen zu unterscheiden und zu trennen. In einer Zeit von Informationsfluten und immer stärkeren Herausforderungen erfordert dies auch die Stärkung der Resilienz und Ermutigung zusammen zu stehen. Unsere Strategie: gemeinsam statt einsam
Interdisziplinäre Beziehungen praktisch
Im Think Tank CornerStone leben wir Interdisziplinäre Beziehungen im Netzwerk durch:
- persönliche Begegnungen (präsent und online)
- regelmässige Treffen (online und präsent)
- CornerStone Research Datenbank
- Blog research. leadership. https://ttc-cornerstone.org/wp-admin/
Wir wünschen uns einen weiteren Ausbau unserer interdisziplinären Beziehungen! Gerne weitere Informationen juergen.rintz@ttc-cornerstone.org
Bild: Gajus – shutterstock.com


