Sendschreiben 6 Philadelphia

In den  Blogbeiträgen Jesus, seine Briefe an uns  erfolgte in   Sendscheiben  Themen 1  https://ttc-cornerstone.org/jesus-christus-sendschreiben-an-uns/  und Sendschreiben Themen 2  https://ttc-cornerstone.org/cornerstone-paper-bibeltexte-sendschreiben-teil-2/  eine themenbezogene Zusammenfassung von Bibeltexten.

Die Reihe  Jesus, seine Briefe an uns  setzen wir mit einer Predigtreihe von Willi Honegger, Pfarrer Ref. Kirche Bauma fort. Willi Honegger versteht es sehr gut, die einzelnen Sendschreiben in den aktuellen Bezug zu unserer Zeit zu setzen und damit auch einen persönlichen Bezug für uns als wachsame Christen herzustellen. Eine gute Orientierung und Ermutigung für unsere Zeit.

Begonnen haben wir mit  den Sendschreiben 1  Ephesus https://ttc-cornerstone.org/sendschreiben-1-ephesus/  2  Smyrna  https://ttc-cornerstone.org/sendschreiben-2-smyrna/  3  Pergamon      https://ttc-cornerstone.org/sendschreiben-3-pergamon/   4  Thyatira   https://ttc-cornerstone.org/sendschreiben-4-thyatir und 5  Sardes https://ttc-cornerstone.org/sendschreiben-5-sardes/

Heute erfolgt die Fortsetzung mit Sendschreiben  6  Philadelphia.

Einführung

Liebe Gemeinde unseres Herrn Jesus Christus!

Heute fahren wir fort mit den Predigten zu den 7 Sendschreiben in Offenbarung 2-3. Der zweitletzte dieser Briefe geht an Philadelphia: Der Name dieser Stadt ist verheissungsvoll: Bruderliebe! Die dortige Schar von Christen trägt dazu bei, dass dieser Ort mit gutem Recht diesen schönen Namen trägt.

Philadelphia liegt weit landeinwärts am Rand einer fruchtbaren Hochland-Ebene: Die Stadt ist noch jung, erst im 2.Jh.v.Chr. gegründet. Im Jahre 17 n.Chr. zerstörte ein Erdbeben alles, und die Stadt wurde neu aufgebaut. Ständige Herrschaftswechsel hatten zur Folge, dass der Name der Stadt stets wieder umbenannt wurde (Jesus spricht sie hier mit ihrem ursprünglichen Namen an: „Philadelphia“).

Predigttext:  Offenbarung 3,7-13

Ein überaus warmer Ton empfängt uns hier: Kein Tadel, keine Warnung, alles ist Ermutigung, Trost, Zuversicht. Eine grosse Zahl von Glaubens-Themen kommt hier vor: Interessant ist die subtile Einführung eines ganzen Geflechts von alttestamentlichen Geschichten und Texten. Auch die Bedrohung der kleinen Christengemeinde durch die grosse und etablierte Synagoge der Juden am Ort wäre Gegenstand intensiver Durchleuchtung.

Nur 3 Themen nehme ich auf:

1 Eine kleine Kraft – doch grosse Vollmacht

Menschen denken: Je grösser umso besser, je auffälliger umso wirksamer, je selbstbewusster umso überzeugender, usw. Jesus sieht tiefer, gründlicher: „Du hast nur wenig Kraft, aber du hast mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet.“  [aus Vers 8]

Die kleine Kraft dieser Gemeinde wird nicht getadelt. Sie sind nur wenige und ihr sozialer Status ist unbedeutend. Trotzdem schenkt Jesus ihnen grosses Lob!

Nun folgt das Entscheidende.

Es ist ein „Aber“, sozusagen ein göttliches „Aber“: Jedem Bibelleser fällt auf, wie oft solch ein „Aber“ eine entscheidende Rolle spielt: Die Söhne Jakobs, die ihren Bruder Josef verkauften, um ihn aus Neid zu bestrafen und endlich loszuwerden: „Gott aber gedachte es gut zu machen“ [1.Mose 50,20]

Der leidgeprüfte Hiob, der in seinem Elend wieder auf Gott und SEINE Verheissung schauen lernt: Ich aber weiss, dass mein Erlöser lebt!“ [Hiob 19,25] Als Jesus ankündigt, dass Himmel und Erde vergehen, fügt er an: „…meine Worte aber werden nicht vergehen“ [Matthäus 24,35]

Du bist ein gesegneter Mensch, wenn Du dieses göttliche „Aber“ in jeder Situation Deines Lebens kennst und siehst. Wir sind eine reich gesegnete Gemeinde, wenn wir in den aufziehenden Stürmen unserer Tage dieses grosse „Aber“ Gottes über uns wissen. Hier lenkt dieses „Aber“ Jesu unsern Blick auf das, was die Nahrung und die Aufgabe der Kirche ist: „…du hast mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet.“

Das Wort Jesu, die Heilige Schrift, die Bibel, bewahren und – den Namen Jesu nicht verleugnen: Die Bibel vernachlässigen bedeutet, Jesus zu verleugnen. Man kann nicht Jesus nachfolgen, ohne dass man täglich das Wort Gottes in sich aufnimmt – sonst weiss man ja gar nicht, was zur Nachfolge gehört.

Ich weiss – es gibt peppige Leute, die behaupten von sich, sie seien völlig begeisterte Jesus-Nachfolger; doch die Bibel genauer zu lesen, täglich darin zu graben, dies sei nicht nötig. Jesus allein sei genug für sie – das sei das Wichtigste: So fromm und modern dies tönt, es ist ein fauler Zauber! Niemand war dem Wort Gottes so gehorsam wie Jesus darum kann niemand IHM nachfolgen, der nicht willig ist, sich täglich unter SEIN Wort zu stellen!

Ich bin so dankbar dafür, dass ich als Pfarrer in einer Kirchgemeinde dienen darf, die treu die Bibel ins Zentrum ihres Lebens stellt; die das meiste ihrer Kräfte dafür einsetzt, dass Jung und Alt in die Bibel hinein wachsen; sie kennen und lieben lernen und davon geprägt werden.

Weiter sagt Jesus zur Kirche in Philadelphia: „Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, die keiner wieder schliessen kann.“  [aus Vers 8] Jesus kennt die beste Strategie für den Bau des Reiches Gottes. Am liebsten benutzt er jene Menschen als Werkzeuge, die wissen, wie schwach und hilflos sie ohne Gott sind. Die Bibel berichtet noch und noch von Menschen, die trotz ihrer Schwachheit für Gott wirken durften: Vom treuen Joseph hörten wir in der Lesung [1.Mose 39,1-6]; er zog den „Schwarzen Peter“, wie er in Ägypten landete. Dann aber wird er zum Segen für ein grosses Volk. Der ängstliche Mose, der nicht gut reden kann; der schwankende Gideon, der sich vor den Feinden fürchtet; der schwermütige Jeremia, der am liebsten sterben würde.

Sie alle sind Zeugen der Kraft Gottes, die in denen am mächtigsten wirkt, die schwach sind.

Dein Leben wird zum Segen, wenn Du Dich in Gottes Dienst stellst. Wer vor Selbstbewusstsein strotzt, ist für Jesus unbrauchbar: Doch, wer die geistliche Not unserer Zeit sieht und weiss, dass menschliche Kraft nichts wird wenden können – der wird zum Zeugen Jesu in der Finsternis!

Als ich vor bald drei Jahrzehnten nach Bauma kam, traf ich auf viele alte Menschen, die Beter waren. Das sich in unserer Gemeinde entwickelnde geistliche Leben hatte sehr direkt zu tun mit diesen Betern: Gott hat für uns als Kirche dadurch manche Tür aufgetan. Starb einer dieser Beter, fragte ich mich, wer nun diesen Platz einnehmen wird.

  • Vielleicht bist gerade Du für diese Aufgabe bestimmt!
  • Die Türen für das Wirken Gottes bleiben offen, wenn Menschen dies betend begleiten und tragen.

2 Wovor Jesus uns bewahrt

Jesus sagt Grossartiges über die Kirche in Philadelphia. Sie ist ein Vorbild und ein Orientierungspunkt für jede Kirche, die ihren Weg entschieden mit Jesus gehen will: „Weil du mein Wort bewahrt hast, das dir Kraft gibt, auszuharren, werde auch ich dich bewahren in der Stunde der Versuchung…“  [aus Vers 10]

Woher kommt die Kraft, auszuharren bis ans Ende? Sie kommt von Jesus selber, der gerade dies tat. Im Garten Gethsemane, vor Pilatus, am Kreuz hat ER ausgeharrt.

Jesus nachfolgen heisst für uns: IHN imitieren, IHN nachahmen, wo immer wir sind. Jesus war immer treu zum Wort seines Vaters. Mehrmals heisst es auf seinem Leidensweg: „…damit die Schrift erfüllt würde…“ [Mt 21,4; Joh. 19,36; u.a.]

Die Kirche in Philadelphia geht in diesen Fussstapfen: Sie verkündigen treu die ganze Wahrheit Gottes, so wie sie in der  Heiligen Schrift uns offenbart ist. Sie fürchten sich dabei nicht vor Verhöhnung und Repressionen. Sie hätten – wie die Kirche in Sardes – ein billiges Wohlfühl-Christentum anpreisen können; dann wäre ihnen jegliches Leiden erspart geblieben. Doch – dies tun sie nicht, denn die Treue zu Jesus ist ihnen wichtiger als das Ansehen bei den Menschen.

Wie halten wir es als Kirchgemeinde mit diesen Dingen? Treue zu Jesus oder das Ansehen der Menschen? In unserer Generation geht die alte Gestalt der Landeskirche (d.h. Reformierte stellten überwiegende Mehrheit im Kanton) in rasantem Tempo zu Ende: Da ist die Versuchung gross, sich den Leuten anzubiedern; ihnen das zu sagen, was sie gerne hören möchten (mit naivem Optimismus den alten Zustand wieder herzustellen). Und – die wachsten unter unsern Zeitgenossen merken es und durchschauen es als billige Propaganda! Es wäre lächerlich, wenn die Kirche, die den höchsten und schönsten Namen über sich trägt – den Namen Jesu, sich schämen würde, sich ganz zum heiligen Gott zu stellen:

Ja, die Kirche wird viel Materielles verlieren, auch viel Ansehen und Macht. Wir alle, die dabei bleiben, werden uns stärker engagieren. Wir benennen mutiger Unterschied zwischen Heiligem Geist und dem Zeitgeist und laden offensiver zur Hingabe an Jesus ein. Wird die christliche Kirche dadurch untergehen? Nein, sie wird aber ihre Gestalt verändern, weil diese lange Epoche der Staatskirche zu Ende ist: Und sie wird neues geistliches Leben erfahren. Ihre Botschaft wird pointierter sein und auch umkämpfter. Und gerade dies wird ihre neue Anziehungskraft sein.

Weiter sagt Jesus hier: „…werde auch ich dich bewahren in der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, die Erdenbewohner zu versuchen.“  [aus Vers 10] So wie die Gemeinde in Philadelphia das Wort Jesu bewahrt, wird auch ER sie bewahren in den kommenden Nöten dieser Welt.

Wir wissen nicht, ob hier von einem bestimmten Ereignis in der damaligen Weltgeschichte die Rede ist. Die Lektüre der Offenbarung lehrt uns jedoch dies: Immer wieder gehen schlimme Ereignisse über unsere Welt. Wir können zwar das System des Bösen nicht durchschauen. Doch eine gewisse Steigerung im Laufe der Menschheits-Geschichte kann man beobachten. Trotzdem ist das Buch der Offenbarung nicht ein Fahrplan, auf dem wir ablesen könnten, wie weit wir vom Ziel entfernt sind – nur Gott weiss dies.

Zwei Dinge werden durch die Offenbarung ganz deutlich:
a) Es gibt ein Ziel, das Ende aller Dinge wird kommen. b) Gott bleibt der Herr über alles, was unserer Welt geschieht.

„…die Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird…“ Schlimme Dinge ergiessen sich über die ganze Menschheit: Wir leben in Tagen, wo man sich dies vorstellen kann. Die Illusionen des selbsterhaltenden Friedens und immerwährenden Wohlstands sind momentan angeknackt. Hier lernen wir aus der Bibel: Gott lässt solche schlimmen Epochen zu. Wer auf IHN schaut, wird dadurch erprobt und gestärkt. Wer ohne Gott leben will, wird dadurch bitter und egoistisch. Der Christ aber erklärt sich die Turbulenzen in unserer Welt nicht mit einzelnen Personen oder Politikern. Er weiss: Menschen sind Werkzeuge in der Hand des Bösen. Und – dies ist das, was nur die Bibel uns zeigen kann: Der Böse selber ist letztlich auch nur ein Werkzeug, das Gott so führt, wie es SEINEM eigenen Plan und SEINER Heilsgeschichte entspricht.

„…werde auch ich dich bewahren…“, so versichert Jesus es der Gemeinde in Philadelphia: Ihre Bewahrung besteht nicht darin, dass sie nichts Schlimmes oder kein Leiden erfahren würden (so könnte nur ein moderner Christ die Bibel verstehen…). Jesus bewahrt sie davor, IHM untreu zu werden. ER stärkt sie, dass sie bis zum Schluss treue Zeugen SEINES Heils  und SEINER Gnade bleiben. ER bewahrt sie davor, dass sie wie ein trostloser Weltmensch ihren Kopf in den Sand stecken und verzweifeln. Ja, Gott erhört Gebet: Bete um Treue, ER wird dich erhören! Jene, die bei Gott bleiben und IHM alles zutrauen, werden in schlimmen Zeiten zu Säulen und zur Orientierung für die Verzweifelten: Notzeiten sind Segenszeiten!

3 Für immer mit Jesus vereint

Auch der Abschluss dieses Briefs ist grandios und hoffnungsvoll. Alle Register der Verheissungen im Alten Bund werden gezogen. „Wer den Sieg erringt, den werde ich zu einer Säule im Tempel unseres Gottes machen, und er wird nie mehr hinausgehen müssen.“  [aus Vers 12]

Philadelphia lag in einem Erdbeben-Gebiet. Alle paar Jahrzehnte wiederholte sich dieses Trauma: Die Häuser wankten, die Menschen verliessen fluchtartig alles und Teile der Stadt wurden dem Erdboden gleichgemacht.

Und hier hinein strahlt die Verheissung Gottes auf: Sie werden zu Säulen im ewigen Tempel Gottes. „…und er wird nie mehr hinausgehen müssen.“ Wo alles wankt, ist auf Gott allein Verlass. Alles Menschliche stürzt ein, doch was aus Gott kommt, bleibt ewig bestehen.

Zwar leben wir in unserem Land in keinem Erdbeben-Gebiet. Doch, starke Erschütterungen durchziehen unsere Welt. Grosse Ängste sind überall anzutreffen. Erst noch fühlten wir uns so behaglich und sicher: Ständig wachsende Lebenserwartung, brummende Wirtschaft, steigender Wohlstand; eine scheinbar immer friedlichere Welt, weil der heutige Mensch doch so viel gescheiter sei…?!

Und nun werden wir Zeugen davon, wie zahlreiche dieser menschlichen Säulen einstürzen: Nur die letzten gut zwei Jahre haben manches Vertrauen in die menschlichen Fähigkeiten erschüttert.

Ja, die post-moderne Welt mit ihrem überheblichen Getue; mit ihren Versprechungen, sie könne die Welt retten und sie könne das gesamte Menschsein neu konzipieren – sie wird mehr und mehr zum Erdbeben-Gebiet, zur beängstigenden Ruinenstadt! Nur Gott gibt Dir und mir den Blick für das Ganze: Nein, nicht die Menschen bringen die Rettung. Nur ER bleibt der Lebendige und der Mächtige. SEIN Tempel ist im Bau, wir sehen es zwar noch nicht: Doch eines Tages fallen alle Schuppen von unsern Augen und Gott steht vor uns und alles wird neu!

„Auf ihn werde ich schreiben den Namen meines Gottes und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, das vom Himmel von meinem Gott herabkommen wird…“ [aus Vers 12]

Man muss tief graben im Alten Testament, um all diese wunderbaren Bilder und Verheissungen aufzustöbern. An und für sich ist alles schon da im Alten Bund: Doch erst in Jesus Christus wird es zusammen gefügt zu einem Gesamtbild, zu einem ewigen Fundament.

Wie schwer hat es doch ein geschäftiger Mensch unserer Tage, dieses Grosse und Helle an sich herankommen zu lassen!? Ständig ist er auf Trab gehalten in seinem Hamsterrad, muss seinen Wohlstand sichern, seine Ferien planen, seine Mobilität erweitern; seinen Körper jünger aussehen lassen als er ist; muss online bleiben, damit er nicht vergessen geht, usw. Stets muss er sich für Vergängliches abrackern. Für das Grosse, das Unvergängliche, das Ewige, bleibt ihm beim besten Willen keine Zeit mehr!

Hier aber führt uns die Bibel ein ins Grosse, ins Ganze. Es ist der ewige Gott, dem wir bald begegnen werden! Es kommt eben darauf an, ob man auf diesen Horizont hin lebt oder nicht. Manchen Ärger werden wir dann gelassener ertragen. Manche Angst wird sich als unnötig erweisen.

Dieser Blick auf Gott und auf SEINE Ewigkeit wird unser ganzes Denken, Fühlen und Empfinden umgestalten: Willst Du, dass Gott dies an Dir tut? Wem dies von Gott geschenkt wird, ist frei.

Das Wichtigste ist für uns, dass wir treu bleiben; dass wir Jesus nicht enttäuschen, sondern an jedem Tag auf IHN hin leben und wirken.

A M E N

Bild:  schutterstock.com   Schriftzug: Lydia Caviezel, https://schoen-schreiberei.ch/