Sendschreiben 3 Pergamon

In den  Blogbeiträgen Jesus, seine Briefe an uns  erfolgte in  Sendscheiben  Themen 1  https://ttc-cornerstone.org/jesus-christus-sendschreiben-an-uns/  Sendschreiben Themen 2  https://ttc-cornerstone.org/cornerstone-paper-bibeltexte-sendschreiben-teil-2/ eine themenbezogene Zusammenfassung von Bibeltexten.

Die Reihe  Jesus, seine Briefe an uns  setzen wir mit einer Predigtreihe von Willi Honegger, Pfarrer Ref. Kirche Bauma fort. Willi Honegger  versteht es sehr gut, die einzelnen Sendschreiben in den aktuellen Bezug zu unserer Zeit zu setzen und damit auch einen persönlichen Bezug für uns als wachsame Christen herzustellen. Eine gute Orientierung und Ermutigung für unsere Zeit.

Begonnen haben wir mit Sendschreiben 1 Ephesus https://ttc-cornerstone.org/sendschreiben-1-ephesus/  und Sendschreiben 2  Smyrna https://ttc-cornerstone.org/sendschreiben-2-smyrna/.  Heute setzen wir mit Sendschreiben 3 Pergamon fort.

Einführung

Liebe Gemeinde unseres Herrn Jesus Christus!

Über das dritte der 7 Sendschreiben der Offenbarung predige ich. Die Sendschreiben als Ganzes zeigen, was die Kirche ausmacht; im Lobenswerten wie in dem, was zu beklagen ist; im Gesunden wie im Kränkelnden. Diese Briefe zeigen, welche Verheissung über der Kirche liegt und wo sie die Heilung durch ihren Herrn nötig hat. Sie reden nicht zum Einzelnen, sondern zur Kirche als Ganzer: Für uns individuell geprägte Menschen ist es ungewohnt, wenn man uns nicht individuell, sondern als Ganzes anspricht. Doch – als Bibelleser lernt man gerade dies!

Predigttext:  Offenbarung 2,12-17 

Pergamon liegt landeinwärts, 20km vom Meer entfernt: Weit oben auf einem Granit-Hügel (300 m über der Ebene) ist die Stadtfestung: Sie sah aus wie ein „Thron“… In Pergamon hatte es übermässig viele Göttertempel, dazu auch Kultorte für göttliche Verehrung des römischen Kaisers; eine gefährliche Verquickung von weltlicher und religiöser Macht.

Jesus Christus stellt sich der Gemeinde so vor:„So spricht, der das zweischneidige Schwert führt, das scharfe.“[aus Vers 12]

Ein römischer Statthalter verfügte über das sogenannte „Recht des Schwertes“. Das heisst, ihm war es erlaubt, bei Gerichtsurteilen über Leben und Tod des Angeklagten zu entscheiden. Davor fürchtete sich jeder: Sein Urteil war unanfechtbar!

Nun wird dieser Gemeinde gesagt, wer der wahrhaftige Träger des Schwertes ist: Jesus Christus! Was uns Angst einjagen will, bringen wir zu Jesus. ER ist Sieger! ER lebt und trägt das Schwert des Geistes in Händen!

Der Brief an die Gemeinde in Pergamon eignet sich besonders  gut, drei Merkmale der Kirche zu illustrieren:

1 Sich treu zu Christus bekennen

In Pergamon lebt man in beispielhafter Treue zu Jesus. Die Worte der Bibel werden zur Tat, und die Tat zum Zeugnis für die heidnischen Mitmenschen: Anscheinend schlossen sich schon viele davon der Kirche an.

„Ich weiss… du hältst an meinem Namen fest und hast den Glauben an mich nicht verleugnet…“ [aus Vers 13]

Wie grossartig, solch ein Lob – ausgesprochen von Jesus! Es kommt eben darauf an, wer einem ein Lob gibt.

Darum: „Du, Kirche des 21.Jahrhunderts, in den wohlhabenden Teilen unserer Welt: Wessen Lob suchst Du?  Wem willst Du gefallen? Der Welt und ihrem Geist – oder Deinem Herrn und seinem Heiligen Geist?“

Nur sehr kurz waren die Epochen, wo man beiden (der Welt und unserem Herrn) gleichzeitig gefallen konnte: Momentan leben wir nicht in solch einer Zeit!

In Pergamon versucht man es gar nicht, dem Geist dieser Welt und dem Heidentum zu gefallen. Die Gemeinde bleibt bei dem, was sie von ihrem Herrn bekam. Sie macht keine Meinungsumfragen, ob dies bei den Stadtbürgern gut ankomme oder nicht.

Doch, gerade in ihrer Wahrhaftigkeit liegt ihre Anziehungskraft auf die heidnische Umwelt: Zu allen Zeiten sucht der Mensch nach Echtheit, nach Wahrheit und Klarheit und im Tiefsten nicht nach dem, was Menschen an Glanz und Glitter zusammengebastelt haben. In Pergamon bleibt man beim Schlichten: Sie trauen dem nackten Bibelwort. Sie harren aus beim blossen Wort der Heiligen Schrift.

Unsere Zeit leidet stark unter einer künstlichen und kraftlosen Christlichkeit und Theologie: Die Kirche solle die sogenannte „eigentliche Botschaft“ des Evangeliums aus der Bibel herausfiltern. Danach müsse sie [sozusagen in einem „Destillations-Prozess“] das sogenannt „bleibend Gültige“ sichern. Und dieses „bleibend Gültige“ – wen wundert’s – passt präzis zu den momentanen Mainstream-Überzeugungen!

Die Gemeinde in Pergamon will nicht mit solchen intellektuellen „Purzelbäumen“ glänzen: Sie tut, was sie immer tat: Dem Wort Jesu ganz vertrauen! Bei all dem blieb diese Kirche nicht ungestört. Man wurde auf sie aufmerksam und rückte ihr auf den Leib:

„…und hast den Glauben an mich nicht verleugnet, auch nicht in den Tagen Antipas, meines treuen Zeugen, der bei euch getötet worden ist.“ [aus Vers 13] Dieses zweite Lob von Jesus übersteigt das Erste noch: Auch vor dem Drohen der Machthaber knickte sie nicht ein.

Dann schalteten die Stadtoberen einen Gang höher: Man zerrte einen der ihren (Antipas) vor Gericht und tötete ihn vor aller Augen! Aus Staatsräson wollte man‚ ein Exempel statuieren‘, das nun abschreckende Wirkung haben solle: Doch, bei der Gemeinde von Pergamon wirkte dies nicht. Auch jetzt, wo es todernst wurde, blieben sie treu. Unmöglich wäre es für sie, den Namen Jesu zu verleugnen!

Wie konnten sie so treu bleiben? Wie war es ihnen möglich, auszuharren und festzuhalten? Woher hatten sie die Kraft, diesen Drohungen zu trotzen?

Die Antwort darauf ist nicht schwer – sie ist auch in unseren Tagen die richtige Antwort: Sie waren dazu fähig, weil sie gepanzert unterwegs waren; gepanzert in der Waffenrüstung Gottes, bewaffnet mit dem Schwert Gottes – mit dem Wort der Bibel und der Kraft des Heiligen Geistes.

Du und ich, und wir als ganze Kirchgemeinde, wir müssen nicht versuchen, den Held zu spielen vor den brachialen und finsteren Mächten unserer Zeit: Nur wenn wir eingewurzelt sind im Wort Gottes, im Zeugnis seines Willen in der ganzen Heiligen Schrift; nur wenn der Heilige Geist mit seiner Kraft uns durchtränken und erfüllen darf – nur dann haben wir als Kirche etwas auszurichten in unsern immer dunkler werdenden Zeiten!

  • Wie beurteilst Du dies für Dich persönlich? Bist Du tief genug gegründet im Wort Gottes?
  • Wie beurteilen wir dies als Kirchgemeinde? Sind wir genug gewappnet für den Kampf mit der Finsternis?

2 Von aussen und innen bedroht

Wer vor dieser Überschrift erschrickt, dem sei dies gesagt:
Dies ist der Normal-Zustand der Gemeinde Jesu. Stets war die Existenz der echten Kirche hart umkämpft (wer nichts spürt von diesem tobenden Kampf, der muss sich ernstlich fragen, in welcher Welt er lebt und zu welcher Kirche er gehört, die es geschafft hat, diesem Kampf geschmeidig zu entgehen…!).

Zuerst zur Bedrohung von aussen: Jesus Christus sagt zur Gemeinde in Smyrna: „Ich weiss, wo du wohnst: Da, wo der Thron des Satans steht.“ [aus Vers 13]

Die Stadt Pergamon nannte sich stolz: „Tempel-Hüterin“. Sie war das religiöse Zentrum Kleinasiens: Der erste Tempel für den Kaiserkult stand in ihr. Seit langem thronte der riesige Zeus-Altar auf der Spitze des Festungshügels (eben: ein „Thron“…).

Noch älter war die riesige Kultstätte für Asklepios, dem Gott der Medizin – mit dem Symbol der Schlange (das Schlangen-Symbol zierte darum das Wappen der Stadt). Man kann erahnen: Dies ist eine geballte Ladung von Heidentum, Okkultismus und Magie.

Für die Gemeinde in Pergamon eine gewaltige Herausforderung: Sie gehören von ganzem Herzen zu Jesus und müssen ihren Wohnort mit dem Widersacher Gottes teilen; mit dem Satan, der dort seinen ganzen Pomp entfaltet. Dies ist ihre grosse Not, und doch wächst so ihr Mut, sich umso entschiedener zu Jesus Christus zu bekennen: Denn – wo die Finsternis so drückend lastet, wird das Licht Jesu umso sichtbarer.

Und nun zur Bedrohung von innen: Trotz ihrem Mut hat sich unter ihnen eine Gefahr eingenistet. Eine Wunde ist da, die sie nicht bemerkten: „Weniges nur habe ich dir vorzuwerfen…“ [Vers 14]

Trotz diesem ernsten Ton Jesu steht „Weniges…“ Doch dieses „Wenige“ ist bedeutungsvoll, denn es könnte wie ein winziger Sauerteig alles durchsäuern.

„Du duldest Leute bei dir, die sich an die Lehre des Bileam halten; der lehrte den Balak, den Israeliten einen [aus V. 14] Stolperstein in den Weg zu legen: Fleisch sollten sie essen, das den Göttern geweiht war, und sich der Unzucht hingeben.“ Stets greift die Offenbarung auf Personen aus dem AT zurück. Hier ist es Bileam, dessen Geschichte im 4.Buch Mose steht: Bileam ist eine schillernde Gestalt, [4.Mose 22,1-25,3; 31,16] mal steht er im Auftrag Gottes, dann ist er ein Verführer: Er verleitet sie, sich mit den Moabitern zu verheiraten. So betete Israel nun jene Götzen an und ass ihr Fleisch.

Bileam galt darum sprichwörtlich als Irrlehrer und Verführer, der für Geld und Erfolg bereit ist, alles zurecht zu biegen. Die Parallele zu einigen Leuten in Pergamon ist klar: Anscheinend sagen sie, man könne durchaus da und dort an den heidnischen Kulten und Festmählern teilnehmen. Dies ist der „Zugangs-Pass“ zum Handel in der Stadt Pergamon: ‚Und überhaupt‘ so sagten sie, wir wissen ja, dass wir tief im Herzen weiterhin fest an Jesus glauben…!

Das tönt so einleuchtend, es ist so praktisch: Heidnische Hände, dafür ein christliches Herz!? Gottlose Gedanken, dafür ein frommes Gemüt!? Sündige Taten, dafür heilige Gefühle!?

Jesus legt ganz entschieden den Finger auf diese Wunde – dort in Pergamon und genauso heute bei uns. Es gibt kein friedliches Beieinander von Licht und Finsternis! Es gibt keine Fusion von Kirche und Welt: Es ist wohl jedem klar, was dann die Oberhand gewinnt.

Weil man in Pergamon die Wunde im Innern nicht sieht, greift Jesus ein mit harten Gerichtsworten: „Kehre um! Sonst komme ich bald zu dir, und ich werde Krieg führen gegen sie mit dem Schwert meines Mundes!“  [Vers 16]

Wer sich selber einen‚ gäbigen Jesus zusammengebastelt hat, dem passt diese Aussage unseres Herrn nicht. Doch – dies ist unser Herr und Heiland, der so spricht; auch diese Züge gehören zu seinem Wesen.

Christus tritt auf als Richter und Vollstrecker gegen jene, die sein Wort verachten oder es für sich zurechtbiegen: Es geht nicht um körperliche Gewalt, die ihnen geschieht. ER sagt aber, dass solche Teile der Kirche untergehen. So viele christliche Institutionen und Glaubenswerke sind gescheitert, weil sie von der Bibel abwichen: Sie meinten, sie seien damit attraktiver für die Leute. In Wirklichkeit verstopften sie damit den Lebensbrunnen. Sie versuchten aus ihrer Kraft zu tun, was nur Gott tut.

Momentan ist in unsern westlichen Ländern wiederum eine solche Welle des Niedergangs christlicher Werke am Rollen.

3 Auf eine herrliche Zukunft hin unterwegs

Ein heller und strahlender Abschluss krönt diesen nahrhaften Brief. Es ist, als würden für das grosse Finale auf einer Orgel alle Register gezogen und die Gemeinde mit brausenden Fanfarenklängen in ihren weiteren Dienst geschickt: „Wer den Sieg erringt, dem werde ich von dem verborgenen Manna geben, und einen weissen Stein werde ich ihm geben, und auf dem Stein ist ein neuer Name geschrieben, den niemand kennt ausser dem, der ihn empfängt.“ [Vers 17]

Wiederum schöpft die Offenbarung kräftig aus dem üppigen Reichtum der alttestamentlichen Bildwelt: Das Manna, die weisse Farbe des Steins, der neue Name für das erlöste Gottesvolk.

Das Alte Testament liefert sozusagen das Bildmaterial: Damit wird die Botschaft Jesu untermalt, auf den Punkt gebracht und seine endzeitliche Bedeutung heraus gehoben. Dass alles auf eine Erlösung und Verwandlung zuläuft, dies lehrt uns das Alte Testament. Dieses Gesamtbild des Heilsplans Gottes finden wir in der Heiligen Schrift des Alten Bundes angelegt. Mit Jesus wird das alttestamentliche Unerfüllte nun ausgefüllt.

„…dem werde ich von dem verborgenen Manna geben…“ Es leuchtet sofort ein: Das Manna steht im Kontrast zum Götzen-Opferfleisch, das sinnbildlich für die Verführung zu fremden Göttern steht. Wer dieses Himmelsbrot zu essen bekommt, wird satt; der braucht nicht auf andere Tische hinüber zu schielen.

„Verborgen“ ist es, weil es nach der Wüstenzeit bei den Israeliten nicht mehr auf den Tisch kam. Doch – der aufmerksame Bibelleser kennt jene Stelle, wo Mose seinem Bruder Aaron befiehlt, [2.Mose 16,33; Hebr. 9,4] in einem Krug etwas vom Manna aufzubewahren.

Für wen wurde das Manna denn aufbewahrt? Für Dich und für mich, für die Gemeinde Jesu. Jesus selber ist das Brot des Lebens [Joh. 6,35]. Als SEINE Gemeinde essen wir im Abendmahl davon. Und das Wort der Bibel ist unsere tägliche Nahrung, denn mit Jesus ist dieses verschlossene Buch für uns geöffnet.

Das andere Bild: „…und einen weissen Stein werde ich ihm geben…“  [aus Vers 17] Im Alten Orient waren Symbole allgegenwärtig. Eine Handlung wurde mit einem sichtbaren Zeichen untermalt. Am Gericht, beim Verkünden des Urteils, hatte der Richter zwei Steine in seiner Hand: Zeigte er dem Angeklagten den schwarzen Stein: Verurteilung! Gab er ihm den weissen Stein: Freispruch!

Jesus sagt uns damit: „Der Schuldspruch gegen Dich ist aufgehoben. Weltliche Mächte mögen Dich verwerfen und verhöhnen. Vor mir bist Du gerecht und heilig, weil ich selber mit meinem Blut für Dich bezahlt habe!“ (All jene, die sich nun daran machen, die ganze Offenbarung zu lesen [und dies werden hoffentlich alle sein…!] werden sehen: Über ein Dutzend Mal kommt Farbe „weiss“ vor, stets geht es um die von Gott uns geschenkte Gerechtigkeit).

„…und auf dem Stein ist ein neuer Name geschrieben, den niemand kennt ausser dem, der ihn empfängt.“  [aus Vers 17] In der alttestamentlichen Lesung hörten wir jenen wunderbaren Verheissungs-Abschnitt aus dem Jesaja-Buch [Jes. 62,1-5]

„…und du wirst mit einem neuen Namen benannt werden, den der Mund des HERRN bestimmt.“  [Jes. 62,2]

Der neue Name ist nicht eine Änderung in der Identitätskarte. Er ist etwas viel Grösseres: Es ist Deine und meine neue Identität als Kinder Gottes. Wer diesen „Namen“ trägt, gehört zum Lamm Gottes, zu Jesus Christus, zum Herrn aller Herren, zum König aller Könige – kurz: zu dem, der alles für uns tat und uns damit die Ewigkeit erworben hat!

Noch ein ermutigendes Detail darin:
In der Stadt Pergamon war man mächtig stolz auf eine ihrer Erfindungen, die den Namen ihrer Stadt trug: Man erfand das Pergament, dieses damals günstigere und erst noch bessere Schreibmaterial als der teure Papyrus. Doch – auch Pergament zerfällt und verfault mit der Zeit. Jesus aber schreibt unsern neuen Namen auf Stein, dem besten und beständigsten Schreibstoff: So ernst meint ER es mit SEINER Treue zu uns!

AMEN

Bild: Alena A – schutterstock.com Schriftzug: Lydia Caviezel, https://schoen-schreiberei.ch/

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