Dein Wille geschehe: 1 Prioritätsverschiebung

Dein Wille geschehe: Ein Workbook von TTC online in 5 Teilen. Wir beginnen mit der Präambel zum Workbook und Teil 1 Prioritätenverschiebung.

Präambel

Dein Reich komme – dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden»  

Im Mai 2025 befasste sich ein eine Gruppe Interessierter auf Einladung von TTC CornerStone mit Fragen, die uns als Christen in unserer Zeit unter den Nägeln brennen.
Aus den vielfältigen Aspekten des Tages stach eindeutig die Thematik, bzw. Das Anliegen der Konkretisierung des Reiches Gottes in unserer Welt heraus. Die kleine TTC-online Gruppe beschäftigte sich im Lauf des Jahres weiter mit mehreren der aufgeworfenen Fragen und entschied sich, vier Unterthemen etwas näher zu beschreiben. Wir realisierten, was wir schon geahnt hatten: Das Thema ist unerschöpflich und lebt! So sind die folgenden Impulse unvollständige Hinweise und Einladung zum Weiterdenken, Üben, Wachsen, Handeln. Wir stellen in Text und Links Fragmente zu Verfügung und bleiben Lernende.

Präambel

Das Reich Gottes ist eine ganzheitlich-umfassende, eben göttliche Angelegenheit. Von ihm initiiert, durch Jesus Christus in diese Welt eingebrochen, will es sich durch das Leben der Jesusjünger schon im Hier und Jetzt verwirklichen. Es betrifft alle Lebensbereiche und immer beides:
Eine individuell-persönliche Entscheidung und eine gemeinschaftliche Aufgabe.
Gesunde Reich-Gottes Praxis ist nicht in erster Linie von Regeln, Bedürfnissen oder Zielen motiviert (getrieben?), sondern schöpft aus der lebendigen Beziehung mit dem uns vorbehaltlos liebenden Gott.

Das Workbook folgt einem doppelten Dreiklang:
 
Drei Lebensbereiche

– persönliche, ganzheitliche Lebensweise, inspiriert von der gepflegten Beziehung mit Gott
– freimütige (angstfreie) Konfrontation unserer Zeitgenossen mit der lebensverändernden Botschaft des Evangeliums
– Durchdringung unseres gesellschaftlichen Lebens durch Beteiligung an der öffentlichen Diskussion und der Gestaltung der Gesellschaft.  (Bildung / Medien / Wirtschaft / Politik)

Drei Dimensionen
– Wahrnehmung – sorgfältige hinschauen
– Auftrag – folgerichtig handeln gemäss des Erkannten
– Erwartung – hoffnungsvolle Beteiligung an der Heilsgeschichte Gottes erleben
 
Zur Umsetzung ermutigen Beispiele – im Text oder als Links – die in sich natürlich immer nur Annäherungen sind, aber doch davon Zeugnis geben, dass Reich Gottes LEBENSPRAXIS und nicht Regelwerk ist.

Drei Grundsatzpapiere thematisieren, was uns in unseren Gesprächen immer wieder als wichtige «Denkvoraussetzungen für eine fruchtbare Reich-Gottes-Praxis» bewusst wurde.

https://ttc-cornerstone.org/was-heisst-im-zwischen-leben/
https://ttc-cornerstone.org/reich-gottes-in-unserer-welt/

Kurz und knapp

Davon lebt Reich-Gottes-Praxis:
Beten
– mit Gott in Verbindung bringen – im Bitten, Klagen, Mitleiden, Mitfreuen, ANBETEN
Hören – lernen, erkennen, miteinander reflektieren – in Demut der Begrenztheit WISSEN
Reden – in meinem Umfeld, nicht mit dem Teilen meiner Sicht zurückhalten, weiter LERNEN
Handeln – wie Gott uns an Möglichkeiten heranführt – in Übereinstimmung mit ihm LEBEN
Ermutigen – durch die Perspektive Gottes Hoffnung vermitteln im Jetzt und im WERDEN

1 Der Rahmen

Es geht um die Anwendung der Grunderkenntnisse zum Reich Gottes (Orthodoxie, das Richtige glauben) hinein in die Lebenspraxis (Orthopraxie, das Richtige tun). Traditionell waren viele unserer Kirchen stärker daran interessiert, dass die Leute das Richtige glauben, als dass sie ihr Handeln danach ausrichten. Die Wichtigkeit des richtigen Tuns muss neu in den Fokus kommen. (Orthodoxie ohne Orthopraxie ist tot – Jak. 2,26 – aber Praxis ohne Grundlage geht schief. Matth. 7,24-27 / Rö.12,2f)

«Glaube ohne Liebe, das ist Religion. In diesem Sinne war Jesus nicht religiös. Würde der Glaube lediglich bedeuten, das religiös ‘Richtige’ für wahr zu halten, so würde es nur um die Sprachspiele und Wahnvorstellungen religiöser Rechthaber und Fanatiker gehen. Der biblische Glaube aber wird immer eine Lebensschule der Liebe sein. Sie lehrt – wie die Zehn Gebote es sagen – Verbundenheit, Achtung, Treue, Wahrhaftigkeit, Verantwortung, Fürsorge, Bescheidenheit.» (Martin Schleske, Werkzeuge, S.75)

Praxis ist nichts anderes als Frucht unseres Bewusstseins, unseres Seins überhaupt. (Wir tun, was wir denken…) Wir orientieren uns laufend am Kern (der DNA) unserer neuen Existenz als Glaubende. Dazu hat uns Gott seinen Geist, die Bibel, die Geschichte und die Gemeinschaft geschenkt.

Folgende drei Pfeiler geben uns «DNA-Erinnerungshilfe» und bewahren vor Zwanghaftigkeit oder Beliebigkeit.

A. Zielklarheit und Blickrichtung, die uns erlaubt, Zeichen der Zeit geistlich einzuordnen.
Epheser 1 als Ganzes – s. V 9-10+21-23 – ab V20 in der Version Message Bible: «Gott erhob ihn (Christus) vom Tod und setzte ihn auf einen Thron im tiefen Himmel, 21 verantwortlich für die Leitung des Universums, alles von Galaxien bis zu Regierungen, kein Name und keine Macht sind von seiner Herrschaft ausgenommen. Und das nicht nur jetzt und vorläufig, sondern für immer. 22 Er ist für alles verantwortlich, hat das letzte Wort über alles. Im Zentrum all dessen steht Christus, der die Gemeinde regiert. 23 Die Kirche, wie ihr seht, ist nicht peripher zur Welt; die Welt ist peripher zur Kirche. Die Kirche ist der Leib Christi, in dem er spricht und handelt, durch den er alles mit seiner Gegenwart erfüllt.»
(s. Thema 3 «Wachsamkeit und Unterscheidung)

B. Bewusste Bejahung und Einübung der «Zwischen-Existenz». Leben im «Schon-jetzt» und «Noch-nicht» ist Leben unter dem Spannungsbogen Erde-Himmel, erlösungsbedürft-erlöst, «stolpern-tanzen»(Bernhard Ott). Es bleibt ein tägliches Üben, sich unter diesem Spannungsbogen unserer DNA in der Begegnung mit Gott zu erinnern. Wir sind und bleiben dabei Fragmente (Bonhoeffer).
(s. Thema 5 «quellfrisch glauben»)

C. Reich Gottes leben ist ein «Gemeinschaftsprojekt». Wer sich von Gott rufen lässt, wird Glied SEINER «Community». Eine Solo-Beziehung zu Gott gibt es nicht. Seine Community in dieser Welt ist Vorwegnahme der vollendeten Gemeinschaft in der neuen Welt. Wir leben im Spannungsfeld Gemeinschaft Gottes – Weltgemeinschaft und sollen diese durchdringen.

Vom Axiom zum Amen  https://www.youtube.com/watch?v=XXENZF7O6os&t=384s

2 Ansätze zur Praxis

Dass eine Prioritätenverschiebung von Orthodoxie hin zur Orthopraxis notwendig ist, wächst aus der Wahrnehmung, dass wir sehr viel wissen, jedoch vieles nicht erleben, nicht tun, und so unser Wissen in der Lebensgestaltung keinen (oder mind. zu wenig) Niederschlag findet. «Wissen» kann reines Kopfwissen bleiben – jedoch auch tiefes, sich fortwährend entwickelndes ganzheitliches Bewusstsein werden, dass uns mehr und mehr prägt.

Hans Bürki schreibt zu 1. Tim 1,5 (Wup.Stud. Bibel): Alles Lehren, Wissen und Glauben, das sich nicht auf die Liebe als klares Ziel hin orientiert, führt auf Abwege. Liebe ist Gesinnung, die zur Tat führt, eine Wesensrichtung, die zum Gehorsam führt, die Wirklichkeit des Lebens aus Gott, die den Menschen verwandelt.

Die «Wirklichkeit des Lebens aus Gott» soll sicht- spür- und hörbar werden. Sie äussert sich auch dadurch, dass wir andere Menschen – seien es Christen oder nicht – aus Gottes Liebes-Perspektive sehen und mit ihnen umgehen. Das wiederum bezieht sich auf mein persönliches Beziehungsnetz sowie auf meine Beurteilung / Äusserungen und meinen Umgang mit gesellschaftlichen Fragen. Thema 3&4 dieses Papers setzen sich mit diesen Spannungsfeldern tiefer auseinander. In unserem Teil werfen wir einen Blick auf den persönlichen Lebensstil, wenn es um das natürliche Teilen unseres Glaubens geht. Eine ermutigende und klärende Hilfe kann das (schon etwas ältere) Dokument Einen ansteckenden Lebensstil leben GFS 2014.pdf  aus dem Global Focus Gemeindeseminar sein. 

3 Anliegen Prioritätenverschiebung

Das Anliegen der diesbezüglichen Prioritätenverschiebung
formuliert zuerst Lukas Blaser und daraus entsteht ein kleiner Dialog mit Martin Voegelin

Jakobus ist recht radikal mit seinen Aussagen und ich glaube, man kann sie auch übertreiben, aber im Kern sehe ich das so.  

Aber es reicht nicht, nur auf die Botschaft zu hören – ihr müsst auch danach handeln! Sonst betrügt ihr euch nur selbst…. Wer aber ständig auf das vollkommene Gesetz Gottes achtet – das Gesetz, das uns frei macht – und befolgt, was es sagt, und nicht vergisst, was er gehört hat, der ist glücklich dran.  (Jak 1,22 & 25). Daran siehst du, dass sein Glaube mit seinen Taten zusammenwirkte; erst durch seine Taten wurde sein Glaube vollkommen (Jak 2,22). 

In Laos sehe ich, wie Gott vollmächtig durch viele, sehr einfache Glaubensgeschwister, die noch gar nicht lange Jesus nachfolgen, mächtig wirkt. Viele von ihnen haben noch nicht sehr viel von der Bibel und Gottes Plan verstanden, aber was sie verstanden haben, das tun sie. Das Evangelium ist eine Botschaft, die rettet und von der Geisterwelt befreit, Vergebung und Versöhnung ermöglicht, stellt Beziehungen wieder her und bringt Menschen von ganz unterschiedlichen Familien zusammen, was für die laotische Gesellschaft undenkbar ist.

So werden diese jungen Christen gleich nach der Bekehrung und Taufe trainiert, dass sie diese gemachten Erfahrungen mit dem rettenden Evangelium natürlich in ihrem Umfeld weitergeben. Sie erzählen begeistert ihren Nachbarn von den Erlebnissen mit Gott, wie er sie befreit hat und was Jesus am Kreuz für uns getan hat. Und sie beten mutig im Namen Jesu und dämonische Mächte weichen, viele Kranke werden gesund oder es geht ihnen bedeutend besser und viele kommen dadurch zum Glauben.  

Sie verstehen es als einfachen Glaubens-Gehorsam, die persönliche Erfahrung mit Gottes rettender Kraft an ihre Nächsten weiterzugeben. Und sie tun es auch, weil sie wollen, dass ihre Familien und Freunde gerettet und befreit werden! Für viele ist das auch möglich, egal welchen Ausbildungsgrad sie haben.

Viele CH-Christen wollen immer noch mehr Wissen aneignen, aber auf einfache Art und Weise das rettende Evangelium erklären, können sie trotzdem nicht. Oder auch für Menschen spontan beten fällt vielen langjährigen Christen schwer.  Natürlich leben wir im Postchristentum und viele Schweizer denken, dass Jesus und seine Botschaft out sind. Und ja in Laos ist vermutlich für viele das Evangelium etwas Neues, das sie noch nie gehört haben. Trotzdem bleibt der Auftrag der gleiche und es braucht immer noch Gottes Geist, dass Menschen das gehört Evangelium auch verstehen, umkehren und glauben. Wo wenig gebetet und gesät wird, wird es auch wenig oder gar keine Frucht geben.  

Ich mache auch die Erfahrung, je mehr ich mich überwinde und Menschen anspreche, umso mehr Freude und menschliches Gelingen schenkt mir Gott. Das ist doch das Geheimnis, dass wir einfach mutig beginnen, im vollen Vertrauen, dass Gottes Geist mit uns ist, unsere Gaben und Talente für Gott einzusetzen. Und ich spüre keinen Druck, sondern es ist echte Freude, Menschen auf Jesus hinzuweisen. Und jeder ist anders, das heisst, ich muss im Gespräch auch immer wieder Schlenker machen und wieder auf die zentralen Aussagen vom freimachenden Evangelium zurückkommen.

Glaubensvoll handeln und reden stärkt unseren Glauben erst richtig und macht aus uns hoffentlich reifere Christen. Mir ist wichtig, einfach mal Liebe, Freude (durch Humor), Hilfe und Wertschätzung durch Zuhören grosszügig zu verschenken. Manchmal gelingt es mir gut und ich kann ihnen persönliche Erfahrungen weitergeben, manchmal sogar das Evangelium kurz erklären, aber manchmal überhaupt nicht.

Und ja, es gibt auch viele ablehnende Menschen. Aber die Begegnung mit ablehnenden Menschen fordern mich positiv heraus; ich will es das nächste Mal unbedingt besser machen! Ich suche Wege, wie ich einer skeptischen Person das nächste Mal noch besser die Liebe Gottes erklären kann. Und das Wenigste, was ich für ablehnende Personen doch immer noch machen kann: sie im Stillen segnen und von Gott erwarten, dass sie trotzdemetwas von der Begegnung mitnehmen.

Ja, ablehnende Freunde, die man immer wieder mal trifft, fordern mich heraus. Da hilft es mir, sie regelmässig zu segnen und zu erwarten, dass Gott an ihnen wirkt – und auch neue Gelegenheiten schenkt. Oft geschieht irgendetwas Ungeplantes, das uns eine neue Möglichkeit gibt, sie zu lieben und auch indirekt auf Jesus hinzuweisen.

Der Auftrag Christi und die verlorenen Menschen sind ein dringendes Anliegen! Jeder Tag zählt und ich will bereit sein, zu lieben und Zeuge zu sein, egal wie viel Stress und Arbeit ich habe. Bewusst in Gottes Gegenwart bleiben, bringt mich immer wieder

  • ins Staunen über Gottes geniale Welt, wie Gott uns Menschen, die Natur und das Weltall geschaffen hat.
  • Gleichzeitig ahne ich etwas, wie es Gott wohl schmerzt, wenn er Menschen sieht,
    • die so beschäftigt sind, dass sie keine Zeit haben nach Gott zu suchen
    • wie so viele Menschen egoistisch und stolz in Sünde leben und sich selbst zerstören
    • die hart und brutal zueinander sind, um zu ihrem ‘Recht’ zu kommen

In der Gegenwart Gottes kommen mir oft Ideen und Gedanken, wie ich für die Leute beten oder sie ansprechen kann, wenn sich eine Möglichkeit ergibt. Und manchmal erkenne ich, dass dies ein vorbereitetes Werk von Gott für mich ist. Und ich muss niemanden zu etwas zwingen, kann aber einladen, diesen auferstandenen Christus direkt anzusprechen.

Wir brauchen einfache Trainings (nicht nur Schulungen), wo wir wieder fit werden:

  • im Erzählen unserer eigenen Umkehr (Bekehrung) zu Gott
  • unsere persönlichen Erlebnisse und Wunder mit Gott spannend zu erzählen,
  • Gottes heilendes Wirken in unseren Beziehungen klar aufzuzeigen
  • zu erklären, wie Gott uns durch schwierige Situationen mit echtem Frieden im Herzen geführt hat
  • unsere Fehler und Schwächen nicht zu vertuschen, sondern demütig zu ihnen zu stehen
  • und begeisternd mit einfachen Worten, Zeichnungen, das Evangelium erklären zu können und mutig einzuladen, dieses Geschenk Gottes im Glauben anzunehmen

In solchen Trainings sollten wir das Eingeübte gleich draussen bei den Menschen ausprobieren. Genau das geschieht in Laos. Viele Menschen setzen ihr Vertrauen auf Gott, wenn die Trainees das Gelernte während der Trainingszeit draussen zusammen mit erfahrenen Geschwistern ausprobieren. Es scheint, dass Gott durch die rohen und ungeschliffenen Zeugnisse und Gospel Präsentationen viele Menschen direkt in die Herzen spricht und geheimnisvoll Glauben in seine Rettung entsteht. In Laos führen sie Listen, wie vielen Menschen sie das Evangelium erzählen konnten, wie viele zum Glauben gekommen sind, wie viele sich getauft haben und wie viele neue Gruppen (Haus-Gemeinden) entstanden sind.   

Und Fehler machen ist erlaubt, denn gerade durch Fehler lernen wir oft sehr viel, aber wir sollten den Fehler nicht 10mal wiederholen. Darum hat Jesus die Jünger auch immer zu zweit ausgesandt, damit sie einander unterstützen, aber auch zusammen reflektieren und gegenseitig korrigieren.

Gleichzeitig sind das Lesen und Meditieren vom Wort Gottes allein und mit Freunden wichtig, um immer mehr Gottes Grösse, Schönheit zu erkennen. Theologische Diskussionen haben auch Platz, wie auch das Verweilen in Gottes Gegenwart, das Ausruhen und sich beschenken lassen von Gottes Liebe. Aber all diese geistlichen Disziplinen müssen in einem guten Verhältnis zum Ausleben vom Auftrag Gottes sein. 

Ein Beispiel für eine stadtweite evangelistische Vernetzung, auch interkulturell, ist OUTREACH BERN  www.gcn.live/  www.gcn.live/events/

4 Reflexionen

Martin Voegelin reflektiert aus seinem persönlichen Erleben zu Gedanken von Lukas Blaser.

Ich spüre fest Dein Herz und Du berührst und forderst mich auch heraus: wie nutze ICH die Begegnungen, die mit Nichtchristen meistens eben doch nur oberflächlich / alltäglich / geschäftlich sind, wirklich als Gelegenheit für ein zentrales Zeugnis? Oder, wie ich es mit meinen Nachbarn erlebe – die Meinungen sind gemacht, sie lassen mir die meine – aber offenbar mache ich sie mit meinem Lebensstil nicht wirklich <gwundrig> oder sehnsüchtig, dass sie sich öffnen würden. Als unser direkter Nachbar einen massiven Herzinfarkt hatte mit Hirnschädigung, gab es mit seiner Frau einige Momente, in denen ich Chancen wahrnahm und anbot, auf die sie aber klar nicht eingehen wollte. Sie war dankbar für unsere Anteilnahme – mehr nicht. 

Oder kürzlich bei einem Spitalaufenthalt – wirklich ein sehr offenes bis zentrales Gespräch, von dem sich mein Zimmernachbar berührt zeigte. Aber tiefer darauf eingehen wollte er klar nicht.

Natürlich weiss ich, dass Jesus da selbst dran ist und ich auch zurücktreten darf und soll. Und dennoch beschäftigt es mich. Dann höre ich von der Offenheit der Leute «auf der Strasse», die ich durchaus sehe, an sie glaube, und selbst aber doch kaum erlebe. Ist es auch eine Begabungsfrage? Sicher, und doch nicht nur. Ich selbst habe wiederholt Strasseneinsätze gemacht, mit Gemeinden solche praktischen Trainings angeleitet (!), durchaus ermutigend… finde es nach wie vor wichtig – und doch nicht jedermanns Sache…. (Das oben erwähnte Dokument «Einen ansteckenden Lebensstil leben» finde ich dazu ermutigend.)

Aber Ja: Wir (ich!) brauche diesen Anstoss zum mutigen Thematisieren meines Glaubens immer wieder. Die Sehnsucht, dass Menschen unseren wunderbaren Gott entdecken, soll auch immer wieder bewusst genährt werden. Gleichzeitig sollen wir aber auch erkennen, WIE wir diese Sehnsucht leben und «nutzen» können, wie sie uns eben von Gott in unser Leben gelegt wurde. Da bleibe ich unterwegs.

Darüber hinaus beschäftigt mich stark, wie wir als christliche Gemeinde (neu?)  zu einer Ausstrahlung kommen, die unsere Zeitgenossen erstaunt und <gluschtig> macht. Alles muss irgendwie zusammenwirken – was hilft uns dabei?


Lukas Blaser sagt dazu (und ergänzt seine Ausführungen oben):

  • Die intime ganzheitliche Beziehung (emotional, kognitiv) zu Gott und seinem Sohn gehört dazu, denn aus dieser Beziehung heraus erkennen wir immer mehr, wer und wie dieser allmächtige, wunderbare, geniale Gott mit seinem Sohn ist.
  • Nichts ist ihm unmöglich und er will, dass wir ihm voll vertrauen, denn er hat wirklich alle Macht im Himmel und Erden.
  • Alle Jesus Nachfolger sind mit ihrer Geschichte und Fähigkeiten durch Gottes vorbereitete Werke eingeladen, in Gottes grossartiger Mission entscheidend mitzumachen.
  • Diese Wahrheiten und alle anderen Wahrheiten über Gott sollten immer mehr unser Denken, unsere Gefühle und Handlungen bestimmen.
  • Aus dieser lebendigen Beziehung, die wie eine frische, lebendige Quelle ist, schöpfen wir Kraft, Freude, Liebe, Barmherzigkeit, Mut und viel Geduld für all unsere Aufgabe und Begegnungen von jedem Tag.
  • Herzliche Willkommenskultur, aufrichtige Gemeinschaft, Lobpreis aus dem Herzen und erweckliche Predigten sind weitere wichtige Voraussetzungen, damit eingeladene Menschen Gottes Liebe in unseren Kreisen erfahren können.

Dass sich vor allem junge Leute heute vermehrt für den Glauben und die Kirche interessieren, ist ermutigend. Auch Influencer / SportlerInnen werden in der Öffentlichkeit nicht mehr zum vornherein in der Luft zerrissen. Das sind Chancen – und gerade auch auf der intellektuellen Seite gibt es ermutigende «Coming Outs» – und echt ernstgenommene Beiträge. EIN Beispiel ist Vom Axiom zum Amen – Prof. Dr. Martin Herdegen – Die Beziehung zwischen Mathematik und Gott.

Wie diese starken Zeichen der glaubwürdigen Ausstrahlung (und Sprachfähigkeit!) der örtlichen Gemeinde dienen können, das brennt mir unter den Nägeln. Noch etwas wird mir immer wieder bewusst, wenn Du (und ich!) Erfahrungen in anderen Kulturen machen: 

Lesslie Newbigin (1909-1998), stellte nach seiner Rückkehr 1974 aus Indien fest: „Die moderne Gesellschaft ist eine heidnische Gesellschaft. Ihr Heidentum kommt aus der Verwerfung des Christentums und ist viel resistenter gegenüber dem Evangelium als das vorchristliche Heidentum, das wir aus dem kulturüberschreitenden Dienst kennen.“

Und David Bosch (Südafrika) fragt; „Ist ein säkularisierter und entchristlichter Europäer ein ‚Noch-nicht-Christ’ oder ein ‚Nicht-mehr-Christ’? Dies fordert einen speziellen Ansatz zur Kommunikation des Evangeliums!“ 
(1929-1992 – Transforming Mission: Paradigm Shifts in Theology of Mission)

5 Dranbleiben

Unbedingt zusammen, in Gruppen, in der Gemeinde – in der ganzen Vielfalt unserer Begabungen und von Gott geschenkten Gelegenheiten. Dazu einander immer wieder Anstoss geben und ermutigende Beispiele teilen.

Autoren: Martin Voegelin mit Lukas Blaser

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